Reisebericht

Lissabon: Andalusien wiederbeleben

Heute wird der Islam außerhalb Europas verortet. Die Geschichte zeigt: Muslime lebten schon vor Jahrhunderten hier und haben Spuren hinterlassen. Nicht nur im Süden Spaniens, sondern auch in Portugal. 


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2019
Lisbon old town (c)Shutterstock, bearbeitet by iQ
Lisbon old town (c)Shutterstock, bearbeitet by iQ

Wenn von al-Andalus gesprochen wird, denken viele an südspanische prunkvolle Paläste mit Sommergärten, durchdrungen von Wasserspielen und Orangenbäumen. So wie die Alhambra in Granada oder die bezaubernde Mesquita in Cordoba. Andalusien erstreckte sich jedoch weiter als viele glauben und reichte bis an den westlichsten Punkt Europas. Heute noch haben viele Städte Spaniens und Portugals arabisch anlehnende Namen.

Meine Reise führte mich in die Hauptstadt Portugals.. Im Jahre 711 bzw. 716 kam die einst römische Provinz ‚Felicitas Julia‘ unter die Herrschaft der Muslime, wurde fortan „al-Ushbuna“ genannt und erlebte wie das restliche Andalusien ihre architektonische und wirtschaftliche Blüte. Noch im 10. Jahrhundert war die offizielle Sprache Arabisch und die Religion der Islam. Heute noch leiten sich die Altstadt Alfama (al-Hamma) sowie die berühmte iberische Fliesen- und Kachelkunst, die die ganze Stadt umschließt, die sog. Azulejo (az-zulaiǧ) vom Arabischen ab. Mit Beginn der Reconquista überrannten unter König Alfonso I. im Jahre 1147 Kreuzritter die Stadt und vertrieben viele Muslime. Lissabon stand fortan unter der Herrschaft der portugiesischen Krone.
Eine weitere Blütezeit erlebte Lissabon mit der Zeit der Entdeckungen portugiesischer Seefahrer, die die Welt erkundeten und Reichtum und Vormachtstellung Portugals sicherten, die König Manuel I. nutzte, um orientalisch-portugiesische Prachtbauten zu verwirklichen, die heute einzigartig sind und unter dem Begriff Manuelinik Erwähnung finden.

Castello de Sao Jorge

Der erste Halt ist das Castello de Sao Jorge, eine mittelalterliche Burgfestung der Mauren, welche eine majestätische Aussicht über die prächtige Stadt besitzt. Heute noch ist der Glanz damaliger Zeiten spürbar und wird durch Mandarinenbäume und den Ruf des Pfaus lebendig gehalten. 

Der Rundgang durch die Burgmauern, der Türme, Gärten und Aussichtsplattformen lässt ein Hauch der damaligen Epoche und des luxuriösen Lebensstils arabischer Herrschaften verspüren. Neben Musik, Tanz und Theater wurden üblicherweise religiöse Zeremonien abgehalten und womöglich Ramadan Pavillons aufgestellt. Bis zu ihrer Verbannung residierten sie auf der Zitadelle und erblickten die im Sonnenlicht hell schimmernde Altstadt.
Der zweite Halt liegt unterhalb der Zitadelle, an einem der schönsten Ecken der Stadt, direkt an der sog. Portas do Sol, einer Aussichtsplattform mit iberischer Atmosphäre, von der der Fluss Tejo in den Atlantik mündet. Dort finden wir die Hauptkirche der Stadt, die Kathedrale Santa Maria Major. An ihrer Stelle existierte früher die große Moschee, welche unter König Alfonso abgerissen, und im Jahre 1147 das heutige Gotteshaus erbaut wurde. Damit galt sie als Symbol der Reconquista und markiert weiterhin den Beginn der christlich-portugiesischen Herrschaft.

Hieronymitenkloster

Angekommen in Belém, einer Ortschaft im Westen Lissabons, stach mir das hell leuchtende Hieronymitenkloster ins Auge. Heute Weltkulturerbe und Vorzeigeobjekt, ähnelt es in seiner Innenarchitektur, besonders mit seinen schlanken, den Palmen ähnelnden Säulen und dem wunderschönen Deckengewölbe an die Mesquita in Cordoba. Das maurische und europäische Baustile verbindende Kloster wurde von Manuel I. in Auftrag gegeben und liegt gegenüber dem Entdeckerdenkmal, welche an die Epoche der Seefahrer erinnert.
Im Kloster steht das Grabmal Vasco da Gamas, stellvertretend als Erbe der arabischen Schifffahrtskunst und den glorreichen Aufstieg Portugals als Weltmacht. Weiter auf der Promenade in Belém liegt das Hauptaugenmerk Lissabons, das Torre de Belem. Die Festung an der Seemündung zum Atlantik kombiniert orientalisch-portugiesische Architektur und markiert den Punkt, von der aus vor 500 Jahren mutige Seefahrer in See stachen, um die Welt zu erkunden. Als sie nach monatiger Überseefahrt in die neue Welt ankamen, eröffneten sie ein neues Kapitel europäischer Geschichte. Das neue Jahrhundert gehörte den portugiesischen Weltumseglern, die im Wettstreit mit ihren spanischen und italienischen Kollegen Nordamerika, Brasilien und Südafrika entdeckten und im Zuge der Indienexpeditionen Handelsrouten muslimischer Seefahrer übernahmen.

Der letzte Halt ist die Zentralmoschee, ein Komplex mit Innenhöfen, Gebetsräumen, einer Fleischerei, Restaurants und der Minarette. Sie ist zentral gelegen, gut erreichbar und bildet die Hauptschlagader muslimischen Lebens in Lissabon.
Nach Angaben der Moscheeleitung leben in Lissabon heute ca. 30.000 Muslime, die in  60-70 Moscheen in ganz Portugal beten können. In der Stadt verteilt liegen Halal-Schlachtereien und Lebensmittelläden, die man aufsuchen kann, um an Halalprodukte heranzukommen.

Die Worte der Reiseführerin schwirren noch immer in meinen Gedanken: „Vor ca. 150-200 Jahren lebten hier noch viele Juden und Muslime. Wir haben leider keine Daten, doch es gab sehr viele Moscheen und islamische Monumente und Denkmäler, die mit der Zeit zerstört, verändert oder zu Kirchen umgewandelt wurden.“ Vom alten al-Andalus ist auf den ersten Blick nicht viel übrig geblieben, doch unter genauer Betrachtung erhebt sich die ehemals prunkvolle, andalusische Stadt Lissabon. Es ist wichtig, die Überbleibsel der glorreichen Kultur zu finden und lebendig zu erhalten, denn die größte Katastrophe ist das Vergessen.

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Wenn ich hier im Kommentarbereich sehe, daß gewisse Kommentatoren ständig jede berechtigte Kritik reflexhaft als "rechtsradikale, braune Soße" in Mißkredit bringen wollen, entlarvt das diese Leute nur als Blender und Täuscher. Die radikal-inhumane und kriegerisch-politische Seite des Islam soll durch verunglimpfende Reden ständig übertüncht werden. Islamophobie - ach ja? Wir nennen es Aufklärung. Schon vom französischen Aufklärer Voltaire sind Kritik und Spott über den Islam überliefert. Und all das hatte und hat seine volle Berechtigung.
09.03.19
11:25
grege sagt:
Die arabisch-muslimische Besatzung wird in einigen Beiträgen derart romantisiert, dass man hier glatt von Realitätsverweigerung sprechen kann. Von einem für damalige Verhältnisse halbwegs gedeihlichem Miteinander zwischen den verschiedenen Religionen konnte lediglich in der ersten Phase der Besatzung bis ca zum 10. Jahrhundert die Rede sein. Aber auch in dieser Phase ereigneten sich in den jüdischen Vierteln von Cordoba Progrome durch muslimische Herrscher, denen 4000 Juden zum Opfer fielen. Anschließend, ab dem 10. Jahrhundert, fingen einzelne muslimische Herrscher in Büdnissen mit christlichen Gruppen an sich gegenseitig zu bekämpfen. Als im 12. Jahrhundert fundamentalistische Almohaden die Halbinsel eroberten, war es mit der vielgerühmten Toleranz endgültig vorbei. Philosophie wurde mit Gotteslästerei gleichgesetzt und Bücher großer Philosophen verbrannt, öffentlicher Tanz wurde verboten. Diese Schattenseiten werden von einigen Muslimen durch einseitigen Fokus auf die angeblichen Schokoladenseiten der damaligen Besatzung gerne ausgeblendet. Bei einer derartigen Betrachtungsweise könnten die Briten ebenso ausschließlich Positiveffekte ihrer Kolonialbesetzung in Indien hervorheben, durch Verweis auf die Errichtung eines weitverzweigten Eisenbahnnetzes, der erstmaligen Schaffung eines halbwegs funktionierenden Verwaltungs- und Bildungssystems oder den Bau von Prachtbauten im viktorianischen Stil. Weder die Araber noch die Briten, noch andere Mächte haben fremde Gebiete mit dem Ziel einer kulturellen Bereicherung unterworfen, sondern in beiden Fällen war die Gier nach Machtausdehnung maßgeblich. Viele Länder und Völker, so auch Deutschland, sind in den letzten Jahrhunderten von Fremdmächten phasenweise beherrscht worden, haben phasenweise aber auch über andere geherrscht. Daher würde es jedem gut zu Gesicht stehen, praktizierte und erlittene Besatzung der eigenen Vorfahren weder romantisch zu verklären noch für permanenten Opferkult oder nachträgliche Racheakte zu instrumentalisieren, wie es z.B. in Exjugoslawien geschehen ist.
10.03.19
12:57
Tarik sagt:
Es empfiehlt sich sicherlich für den einen oder anderen islamkritischen Leser, sein Geschichtswissen - hier am Beispiel Andalusien - aus einer möglichst breitgefächerten - Autorenschaft zu lesen. Auf akademischen Niveau natürlich. Wer, um ein naheliegendes Beispiel zu nennen, seine Islamkenntnisse sich autodidaktisch durch fast ausschließlich islamkritische Autoren zusammenschustert, hat sicherlich eine ziemlich klare Meinung. Mehr aber auch nicht. Anderes Beispiel: Nehmen wir die Invasion der Araber Anfang des 8. Jahrhunderts. Natürlich kann man der Ansicht sein, dass die Schlacht bei Tours und Poitiers im Jahr 732 die "Rettung des Abendlandes" war. Man kann aber auch Historiker wie Gustave Le Bon lesen, der vom selben Ereignis als eine der größten europäischen Tragödie spricht, die sie jahrhundertelang von allen möglichen Fortschritten auf allen möglichen Ebenen abgeschitten hat. (und wir reden hier nicht von technologischen Fortschritten allein) Es geht nicht so sehr dabei darum, eine bestimmte Position einzunehmen. Doch es gilt, BEVOR man zu einem abschließendem Urteil kommt, sollte man auch wie oben gesagt, möglichst alle gegenteiligen Meinungen - auf akademischem Forschungsniveau natürlich - zu Rate ziehen. Damit erspart man sich bsp. ein eingeschränktes und zugleich festgefahrenes Weltbild, das größtenteils aus Unwissen besteht. Was ja noch dadurch verschlimmert wird, weil man irrtürmlicherweise glaubt, man hätte Ahnung. Nehmen wir doch die erwähnte angebliche Philosophiefeindlichkeit. Gerade unter dieser ach so tyrannischen und philosophiefeindlichen Dynastie der Almohaden im 12. Jahrhundert konnte Ibn Rusch - philosophiegeschichtlich einer der wirkungsreichsten Denker aller Zeiten (was sowohl gute als auch schlechte Folgen hatte) neben der Bekleidung seines öffentlichen Amtes als Richter seelenruhig seine rationale Philosophie veröffentlichen. Denn der almohadische Herrscher Abu Yaqub Yusuf I. war bekanntlich Förderer sowohl der Philosophie als auch der Poesie. Es ist richtig, dass Ibn Ruschd zeitweise ins Exil gehen musste, jedoch nicht aufgrund seiner philosophischen Schriften, sondern aufgrund seiner heftigen Kritik an den damaligen herrschaftlichen Autorität. Ibn Rushd ging es nämlich nicht nur um Rationalität, sondern vor allem auch um Ethik. Nicht zu vergessen, dass Ibn Rushd jedoch vor seinem Lebensende aus dem Exil zurückkam und mit allen Ehren wieder empfangen wurde und vollständig rehabilitiert war. Zum Vergleich werfen wir mal einen Blick auf all die averoistischen Denker der christlichen Scholastik im 13. Jahrhundert, die entweder auf dem Scheiterhaufen landeten, in den Untergrund gehen mussten oder aber ihre philosophischen Thesen widerrufen mussten. Soviel dazu. Ebenfalls ins Reich der Märchen gehört aus der eurozentrischen Orientalistik geborene Behauptung, dass Ibn Rushds Werke öffentlich verbrannt wurden. Ja, es wurde tatsächlich eine Menge Bücher öffentlich in Andalusien verbrannt. Ab 1492! Judenprogrome waren in der muslimischen Welt eine Ausnahmeerscheinung, was natürlich die jeweiligen Untaten nicht besser macht. Hier sei jedoch darauf hingewisen, dass das oben erwähnte Massaker nicht in Cordoba, sondern in Granada (im Jahr 1066) statt. Im Vergleich dazu nahmen die Judenverfolgung der aschkenasischen Gemeinden in Nord- und MItteleuropa solche Züge an, dass gelegentlich sogar Juden ihre eigenen Stadtteile in Brand setzten, um nicht den Folterungen ausgesetzt zu sein. Ansonsten reicht die Wiederholung auf den Verweis, dass im arabischen al-Andalus die Wiege der spanischen Kultur (Sprache, Musik, Essen/Trinken, Sitten, Ästhetik) wie wir sie heute kennen, zu finden ist. Wer unfähig ist, jenseits der klischeehaften "Invasion der Wüstensöhne, die nur ihren Machtbereich ausdehnten" hinauszudenken, der verharrt in seinem mantrahaften Wiederholen von historisch widerlegten Phrasen. Es existierte kein "Spanien" vor Ankunft der Mauren, noch weniger eine spanische Kultur - sondern ein durch Rebellionen und Bürgerkriege zerrüttetes Westgotenreich, das zuvor von Römern und noch weiter zuvor von Kartagern bzw. Phöniziern regiert wurde.
12.03.19
20:11
Tarik sagt:
Übrigens Toleranz "nur in der ersten Phase" ist...als Understatement kann man das ja nicht mal mehr bezeichnen. Das Massaker an den Juden in Granada fiel in einer Zeit, als al-andalus nach dem Untergang des Kalifats von Cordoba ohnehin von Unruhen und inneren Konflikten geprägt war.Man nennt das auch die "taifa-Ära". (siehe mein Eingangskommentar) Und von 711 bis 1066 sind das immerhin mal gerade eben 350 Jahre! Und hier gilt es auch bitte das Kind beim Namen zu nennen. Das Massaker an den Juden geschah in einem der zahlreichen Fürstentümer, genauer - unter der Ägide der Ziriden von Granada. Dies kann man also nicht anderen zeitgleich existierenden arabischen Fürstentümer oder "den Muslimen" anlasten, noch dazu es wenn man sich die Geschichte der Sepharden in der arabischen Welt anschaut, wo Juden mit Muslimen eine "symbiotische Beziehung eingingen und pflegten" (Zitat des Historikers Salomon Gotein") eine Seltenheit war. Vom selben Autor stammt auch folgendes Zitat (aus seinem Buch "Jews and Arabs",): "Nie ist das Judentum auf eine so enge und fruchtbare Symbiose gestoßen, wie mit der mittelalterlichen Zivilisation des arabischen Islam." Interessanterweise führte die muslimische Kleinstaaterei auf der Iberischen Halbinsel zwar zu politischer Instabilität, jedoch nicht zu einer Stagnation in Sachen Forschung, Philosophie und Kultur - es ist sogar fast das Gegenteil der Fall. Ilija Trojanow verweist auf ähnliche Entwicklungen in Zeiten von Instabilität und Kleinstaaterei in der griechischen Polis sowie in der italienischen Rennaissance. Der Verweis des Vorkommentators auf die angeblich philosophiefeindlichen Almohaden - richtig ist, dass sie strenger und weniger tolerant waren als das Emirat (und später Kalifat) von Cordoba. Denn im Kalifat von Cordoba standendie Studiengänge allen offen. Nehmen wir uns nur ein prominentes Beispiel heraus: Ein junger Franzose, später als naturwissenschaftlich interessierte und forschende Papst Silvester II. (gest. 1002) in die Geschichtsbücher eingegangen, studierte zwei Jahre in al-andalus Mathematik, was ihm später einen derartigen Wissensschub gab, dass er - zurück unter seinesgleichen - sich wie der sprichwörtliche Einäugige unter den Blinden vorkam. Ein Christ, noch dazu nichtadelig, kann in Cordoba Mathematik studieren, und das über 250 Jahre nach Ankunft der Araber/Berber in al-Andalus. Soviel zum Thema "Toleranz nur in der Frühphase"... Wie von mir bereits eingangs gesagt, gilt es zu differenzieren, z.B. zwischen den jeweiligen Phasen/Fürstentümer usw., um eine übertriebene Verklärung zu vermeiden. Jedoch bieten sich für eine historische Verklärung weitaus mehr Material als für das Herunterspielen der Rolle einer solch bedeutenden Kultur wie al-andalus es nun mal war. Ob es nun Otto-Normal-Islamkritiker gefällt oder nicht.
12.03.19
20:59
Tarik sagt:
Ibn Rushd stellt übrigens keine Ausnahmeerscheinung dar. Ein anderer ebenfalls im Dienste der Almohaden tätige andalusische Philosoph, der einen Rationalismus vertrat, war ibn Tufail. Sein Philosophenroman "Hayy ibn Yagdhan", der später ins lateinische übersetzt wurde ("Philosophicus autodidactus") und Dafoe als Inspiration zu seinem "Robinson Crusoe" gedient haben soll, wurde von einigen bedeutenden Köpfen der europäischen Aufklärung fleißig gelesen und rezipiert. Der Hauptprotagnonist des Romans wächst auf einer tropischen Insel auf (wird von Tieren großgezogen) und gelangt nach einer Reihe von bemerkenswerten Entwicklungsstadien über seine bloße Vernunft zur göttlichen Erkenntnis - ohne Theologie, also im Prinzip die gleiche Philosophie, wie sie Ibn Rushd vertrat, indem er die Philosophie von der Theologie abgrenzte als separaten Weg zur Erkenntis. Kurz und allgemein gesagt: Wir haben es in der damaligen islamischen Welt mit einer Synthese aus verschiedenen Ideen und Ansichten zu tun, die alle am Basar der Ideen und Anschauungen miteinander in Konkurrenz standen. Und Konkurrenz belebt das Geschäft. Natürlich wirkte sowohl der Verlust wichtiger geistiger Zentren (Cordoba und Bagdad) wie auch später der Untergang des ägyptischen Ayyubidenreiches (1517) im weiteren Verlauf erstarrend für die arabisch-islamische Welt. Denn die daraufhin federführenden Osmanen waren ähnlich wie die Römer zwar erfolgreiche Krieger und Verwalter, jedoch mangelte es ihnen an Philosophen.
14.03.19
15:13
Kritika sagt:
L.S. " Hanusch" schreibt: - - aber die islamisch geprägten Einflüsse, wie - - - Algebra, - - --------------- Immer wieder bringen IslamFlüsterer das Wort " Algebra" als Beweis dafür, dass es Muslimische Spitzen-Naturwissenschaftler gegeben habe. Kritika, berufshalber mit Matematik vertraut, bittet immer wieder solche Behaupter um auch nur ein Beispiel, indem ein Muslim eine - - zumindest in Fachkreisen - - bekannte Regel, Formel usw. produziert hat. Zum Beispiel Pytagoras entdekte a²+ b² = c² La Grange, er löste das 3-Körperproblem. L'hopital fand eine LösungsWeg in der höheren Algebra Was Newton, Keppler, Galilei , Einstein zur Mathe beitrugen weiss das Internet Alle diese TopWissenschaftler trugen, durch die noch heute nach ihnen genannte Entdeckungen zur Wissenschaft (wenn man unbedingt will zur Algebra ) bei. Was nun, lieber Harousch hat irgend einen Muslim derart beigetragen, dass er noch heute mit seiner Algebra so bekannt ist wie die von mir genannte IslamFreie Wissenschaftler? Kritika meint: Wenn jemand derart intelligent wäre, wie das Bündle der von mir hier genannte Wissenschaftler, Dann hätte jeder von ihnen den Nonsense von Engel. Koran, Alla durchschaut, dann wäre er (falls er zuvor Muslim war ) aus der Islamische Kirche ausgetreten. und wäre fortan ein islamfreier Topwissenschafter. Ergo: Top-Natur-Wissenschaftler und gleichzeitig Muslim, diese Kombination kann es nicht geben. Gruss, Kritika, Nachtrag an Hanousch: Nicht vergessen, nicht kneifen, Nennen Sie bitte auch nur einen Muslimischer Natur-spitzen-Wissenschaftler? Danke.
16.03.19
12:15
grege sagt:
Die von mir beschriebenen Ereignisse im muslimisch besetzten Spanien und Portugal wie das Massaker an den Juden in Granada oder die Verbrennung philosophischer Schriften entspringen nicht einer islamkritischen Sicht, sondern sind von verschiedenen Wissenschaftlern mit der gebotenen weltanschaulichen Neutralität in diversen Abhandlungen genannt worden. In diesen werden beide Extreme widerlegt, die einiger chauvinistischer Spanier, die in der Rückeroberung schlechthin das Identitätsmerkmal der spanischen Nation sehen. Auf der anderen Seite sind nicht wenige Muslime in der Rückschau auf die Epoche von einer romantischen Verklärung befallen , so dass die Schattenseiten der Eroberung, wie Sklaverei, Diskriminierung von Nichtmuslimen oder auch grausame Gemetzel infolge kriegerischer Auseinandersetzungen, die parallel neben den kultureller und technologischen Errungenschaften stattgefunden haben, verschwiegen, negiert oder relativiert werden. Objektive Historiker und Wissenschaftler vertreten den plausiblen Standpunkt, dass die vorgenannten Extreme vereinzelt phasenweise und gebietsweise je nach Herrscher auftraten, aber niemals permanent über das gesamte Besatzungsgebiet. Diese abwägende Sichtweise erscheint mir glaubwürdiger als die einseitige Darstellung der Extreme. Erschreckender, als die Kontroverse über historische Fakten, ist vielmehr die Relativierung von Verbrechen sowie das Hantieren mit unterschiedlichen Bewertungsmaßstäben. Das Massaker an den Juden in Granada wird vor dem Hintergrund relativiert, dass mehr Juden damals von Christen massakriert worden seien. Der Vorkommentator müsste dann auch Gefallen an der Verrechnung des gestrigen Massakers von Christchurch mit den zahllosen Terroranschlägen islamischer Terroristen in Europa, Nordamerika und Australien finden, was eigentlich den Grundsätzen jeglicher Humanität widerspricht. Ebenso verwunderlich stimmt die Aussage, dass eine auf Machtausdehnung ausgerichtete Invasion ex Post mit einer geistigen Blütezeit oder Beseitigung von Instabilitäten begründet wird. Wenn der Vorkommentator hier konsequent seine eigenen Maßstäbe beachtet, müsste er sämtliche Invasionen / Interventionen von einzelnen europäischen oder nordamerikanischen Armeen in anderen Weltregionen frenetisch begrüßen. Die mythische Verklärung von Andalusien offenbart wieder einmal den für einige Muslime typischen Mangel an Reflexion und Empathie. Die Negativaspekte jeglicher Besatzung und Fremdherrschaft, mit denen sich solche Muslime gerne als Oper hervortun, werden in Bezug auf Andalusien, den Balkan oder Sizilien durch Verrücken der Maßstäbe plötzlich ausgespart. So präsentiert man sich über die gesamte Menschheitsschichte ausnahmslos als Opfer oder wohltätiger Herrscher.
16.03.19
20:44
Tarik sagt:
Nachtrag zu der (kurzlebigen) Dynastie der Ziriden in Granada, unter deren Herrschaft es zum Massaker an der jüdischen Bevölkerung in Granada (1066) kam. Die Ziriden hatten die (ebenfalls recht kurzlebige) Rechtsschule der Zahiriten zur Staatsdoktrin erhoben. Diese Rechtsschule zeichnete sich im Unterschied zu (fast) allen anderen islamischen Rechtsschulen durch die Ablehnung der Analogie (also der logischen Schlussfolgerung eines Gelehrten, man könnte auch sagen: dem gesunden Menschenverstand) und für einen strikten Literalismus aus. Kurz gesagt: Sie vertraten religiöse Strenge. Diese Rechttschule, welche derjenigen der Wahabiten in einigen wesentlichen Punkten sehr ähnlich ist, stammte aus dem Irak, und obwohl sie dort de facto bereits keine Rolle mehr spielte, konnte sie für eine kurze Zeit in Andalusien Fuß fassen, auch dank des Einflusses des Rechtsgelehrten und Philosophen Ibn Hazm. Es finden sich gewisse Parallelen zu der zeitweiligen Popularität des ebenfalls strikten (andererseits aber auch wirtschaftsliberalen) Gelehrten Ibn Taimiyya (14. Jhdt.), vor allem wenn es um die sozialen und politischen Umstände geht, unter der religiöse Strenge sich Zulauf erfreuen konnte. In Andalusien zerbrach das Kalifat und somit die staatliche Ordnung und die Reconquista gewann an Fahrt. Genauso fand sich Ibn Taimiyya zu seiner Zeit in einem von Mongolen und Kreuzrittern bedrohten Damaskus wieder. Und trotzdem stimmten letztlich die Gelehrten der damaligen Zeit mit ihren Füßen ab und gaben der auf Logik und Vernunft setztende systematische Theologie a la Ghazali und ar-Razi den Vorzug gegenüber den Streng Religiösen Kräften, die stets Minderheitenmeinungen innerhalb der Ulama darstellten. Solche "kleinen Details" sollte man schon wissen, bevor man irgendwelche wertenden Aussagen ohne Basiswissen (geschweige denn vertieftes Wissen) trifft.
17.03.19
14:25
Tarik sagt:
"Schon vom französischen Aufklärer Voltaire sind Kritik und Spott über den Islam überliefert." (Frederic Voss) Islamkritiker verweisen gerne auf Voltaires Kritik, die er in seiner Tragödie "Mahomet" (1743) zum Ausdruck brachte. Sehr beliebt auch bei Anti-Islamseiten, die sich mit (ausschließlich) islamkritischen Zitaten schmücken. Voltaire darf da nicht fehlen. Was jedoch gerne von islamkritischer Seite aus entweder ignoriert oder unbeachtet bleibt, ist, dass derselbe Voltaire Jahre später sich von seiner harschen Islamkritik nicht nur distanziert hat - nein, er fand sogar deutlich lobende Worte sowohl für den Islam als auch für Muhammad (s.). Nachzulesen in seinen Essays "Versuch über die Weltgeschichte und die Sitten und den Geist der Völker" (1756) und "Die Philosophie der Geschichte" (1765) Von islamfreundlichen, bisweilen sogar islamverherrlichenden Zitaten von anderen klugen Köpfen der europäischen Aufklärung wollen wir hier erst gar nicht anfangen.
17.03.19
17:24
grege sagt:
Selbstverständlich sollte man natürlich ein breite Wissensbasis anstreben, die natürlich auch die Ausführungen von Wissenschaftlern bzw. Experten mit konträren Ansichten und Ergebnissen umfassen sollten. Eine breite Wissensbasis kann selbstverständlich nur dann sinnvoll genutzt werden, sofern deren Auswertung anhand einheitlicher Maßstäbe unabhängig von Rasse, ethnischer und religiöser Zugehörigkeit erfolgt. Manche Vertreter der islamischen Religionen neigen, wie diese Diskussion zum Thema Andalusien zeigt, mit zweierlei Maß zu hantieren. Die Fremdherrschaft über muslimische Völker und Regionen durch andersgesinnte ist per se als Horrorszenario zu betrachten, während eine Besatzung unter umgekehrten Vorzeichen ausschließlich im Auge von kultureller, philosophischer und technologischer Bereicherung wahrzunehmen ist. Ein kritischer Umgang mit der eigenen Geschichte, die lediglich die selbst eingeforderte Empathie gegenüber fremdbeherrschten Menschen umfasst, wäre ebenso angebracht, scheint aber völlig zu fehlen, wenn fast ausschließlich selbstbeweihräuchernd die angeblich eigenen Errungenschaften thematisiert werden.
18.03.19
21:25
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