Islamische Heilkunde

The „Muslim-Superfoods“

Avocados, Chia-Samen und Acai-Beeren. Superfoods sind in aller Munde. Auch nach islamischer Auffassung gibt es sie: die Superfoods. Welche werden empfohlen und auf welche Tradition fußen sie? Ein Bericht.

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2019
Superfoods (c)facebook, bearbeitet by islamiQ
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Schon lange ist bekannt, dass die Ernährung die Gesundheit beeinflusst. Viel trinken, ausgewogen essen und dabei die richtige Nahrung zu sich nehmen. “Superfoods“ helfen dabei, die Gesundheit anzukurbeln und dienen als Nahrungsergänzungsmittel. Produkte wie Chia-Samen, Quinoa, Gojibeeren oder Hanfsamen sind hoch im Trend. Doch es gibt auch altbewährte Alternativen aus der islamischen Tradition, die über Jahrtausende als Nahrungsergänzungsmittel genutzt wurden. 

Die schwarze Heilung: Schwarzkümmel 

Das erste Muslim-Superfood: Schwarzkümmel. Nicht nur im Orient ist diese Kräuterart beliebt und für ihre Wirkstoffe bekannt, auch in Asien benutzt man Schwarzkümmel als Heilmittel. Die alten Ägypter haben das Öl des Schwarzkümmels als Salbe für schönere Haut oder Haare, Ausschläge oder Allergien verwendet. Mittlerweile ist das Öl auch in Europa auf dem Vormarsch und hat bereits die Aufmerksamkeit der konventionellen Schulmedizin und Ernährungswissenschaften auf sich gezogen. Mehr als 800 Studien, unter anderem die Studie am US-amerikanischen Memorial Sloan Kettering Krebszentrum zeigen die positive Wirkung der auch unter dem Namen “Nigella Sariva“ bekannten Pflanze. Und es wird immer mehr, denn der Schwarzkümmel scheint förmlich ein Allrounder der Naturheilkunde zu sein.

Schwarzkümmel erweitert mit seinen ätherischen und fettigen Ölen die Bronchien. Die Anwendung: Das Öl in Wasser aufkochen und inhalieren. Diese Zubereitungsweise hilft gegen Allergien, Akne, Bluthochdruck, Blähungen, Asthma und Margen-Darm-Beschwerden. Auch für die äußere Schönheit wie Haut und Haare ist das Öl ein beliebtes Beauty Hack. In vielen Ländern des Nahen Ostens gilt der Schwarzkümmel seit Jahrtausenden als wirksames Naturheilmittel gegen Krebs und Diabetes. Er stärkt das Immunsystem, kurbelt die Verdauung an und kann sowohl beim Zu- oder Abnehmen helfen.

Der Prophet Muhammad (s) beschreibt das Öl als Heilmittel aller Krankheiten, außer dem Tod. Verwendet hat er es sowohl für externe wie auch interne Beschweren und empfahl es seiner Umma weiter. Auch der Vertreter der islamisch-arabisch-persischen Medizin Ibn Sînâ empfahl die Samen des Schwarzkümmels in seinen Werken gegen Kopfschmerzen, Fieber, Zahnschmerzen und bei Erkältung. 

Tipp: Jeden Morgen nach dem Aufstehen, vor dem Mittagessen und vor der Nacht einen Esslöffel Schwarzkümmelöl zu sich nehmen. Schon in kurzer Zeit wird sich das Öl positiv auf den Körper auswirken. Doch Achtung! Zuviel auf einmal kann den Magen überfordern und Übelkeit auslösen. Es kann bei einer unkontrollierten Einnahme des Schwarzkümmels zu Leber-und Nierenschäden kommen. Prinzipiell ist das Öl des Schwarzkümmels, bei guter Qualität und der richtigen Dosierung, gut verträglich und weist keine Nebenwirkungen vor.

Das flüssige Gold: Honig 

Der Nutzen des Honigs endet nicht einfach bei der Befriedigung unserer Geschmacksnerven. Honig wird von je her als Arznei gegen vielerlei Erkrankungen sowie zur Wundheilung hoch geschätzt. Seine heilende Wirkung verdankt der Honig im Wesentlichen seinen antibakteriellen, antimykotischen sowie antioxidativen Eigenschaften. In der chinesischen Medizin wird Honig verwendet, um die Leber zu entgiften, Schmerzen zu lindern und den Blutdruck zu behandeln.

Bakterien, Pilze sowie ein Übermaß an freien Radikalen im Körper sind die Hauptverursacher zahlreicher Entzündungen und Erkrankungen. So hat sich die Verwendung von Honig bei kleineren Wunden, Hals- oder Hautproblemen, Magen-Darm-Beschwerden oder Pilzinfektionen längst bewährt. Die wohl bekannteste Anwendung von Honig kennt man in aufgelöster Form im heißen Wasser infolge einer Erkältung. In der Kombination mit Ingwer oder Milch wirkt es schleimlösend und entzündungshemmend. Auch bei Schuppenbildung der Haut, starkem Juckreiz, Herpes, Haarausfall hilft die goldene Flüssigkeit. Auch das Risiko eines Herzinfarktes kann bei der Einnahme von Honig verringert werden. 

Es ist bekannt, dass der Prophet Muhammad (s) seinen Tag mit einem Löffel Honig, der in einem halben Glas Wasser aufgelöst wurde, begann. Im Koran wird Honig eine heilende Kraft zugeschrieben (Sure Nahl, 16:68-69). Vom Propheten wird überliefert, dass der Honig bei der Einnahme an drei Mittagen eines Monats vor großen und schlimmen Krankheiten schützt (Ibn Mâdscha, 3454). 

Tipp: Jeden Morgen auf nüchternem Magen einen Teelöffel Honig in einem halben Glas Wasser auflösen und trinken. Dies regelt den Blutzuckerhaushalt, gibt Energie und säubert den Magen-Darmtrakt. Dabei wirkt er präventiv gegen Krankheiten wie z. B. Erkältungen und Entzündungen. Aber auch hier ist eine bedachte und kontrollierte Anwendung des Honigs sehr wichtig. Auch wenn der Honig aufgrund seiner heilenden Wirkungen die perfekte Süßigkeit zu sein scheint, so ist er doch kein Lebensmittel, das in größeren Mengen konsumiert werden sollte. Zuviel des guten Honigs kann die Zähne löchrig machen, die Darmflora ruinieren, die Bauchspeicheldrüse überfordern und zu Übergewicht beitragen. Daher ist Honig stets mit Bedacht zu genießen. Und auch hier zählt: gute Qualität! 

Das Wunderöl: Olivenöl 

Wer kennt es nicht. Bei einer noch so kleinen körperlichen Beschwerde heißt es in muslimischen Famlien: „Benutz Olivenöl“. Denn Olivenöl gilt in vielen Kulturen, Religionen und in der Heilmedizin als das Wunderöl schlechthin. Das Öl wird sowohl im alten Testament als auch im Koran genannt und wird seit Jahrtausenden für die Heilung von Körper und Geist eingesetzt. In der westlichen Welt wurde Olivenöl lange nicht für die innere Anwendung gebraucht, sondern zur Behandlung von Schmerzen in den Gelenken und gegen Kopfschmerzen auf die Haut aufgetragen. Das hat sich heute geändert, denn Olivenöl zählt zu den gesündesten Ölen überhaupt. Jüngste Studien des Medizinischen Forschungsinstituts in Barcelona aus dem Jahr 2017 bestätigen, dass das Öl der Olive das Brustkrebsrisiko bei Frauen verringert.

Doch das ist längst nicht alles! Das Olivenöl hat weitaus mehr zu bieten. Das Öl ist reich an einfach ungesättigten Fettsäuren. Diese Säuren neigen dazu, den Blut-Cholesterinspiegel zu verbessern, sie steigern den guten Cholesterinspiegel und senken den schlechten Cholesterinspiegel. Olivenöl lindert das Herz- und Gefäßrisiko, ist wirksam gegen chronische Verstopfung, Magengeschwüre, fördert die Verdauung, und hilft bei Diabetes. Olivenöl ist auch dafür bekannt, antioxidative Wirkungen zu haben und freie Radikale zu bekämpfen. In der Krebsvorsorge ist Olivenöl auch ein wichtiger Bestandteil, denn Studien an der Rutgers University und des Hunter College haben gezeigt, dass der regelmäßige Verzehr von Olivenöl Tumorbildungen verhindern und bekämpfen kann. Auch für die äußerliche Schönheit wird das Öl angewendet. Es lindert Falten, macht die Haut weich und zart und pflegt die Haare.

In einer Überlieferung des Propheten Muhammad (s) heißt es: „Esset Olivenöl und massiert mit Olivenöl, weil das Öl von einem (von Gott) gesegneten Baum stammt.“ (Tirmizî, 1851). Der gesandte Allahs benutze das Öl gegen Kopfschmerzen und behandelte seine Wunden damit (Ibn Mâdscha, 3074).

Tipp: Öfter das Öl beim Kochen benutzen oder einen Esslöffel am Tag zu sich nehmen. Dies hilft dabei, dass das Essen im Magen besser verdaut werden kann und die Vitamine und Nährstoffe im Blutkreislauf landen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass das Olivenöl trotz seiner heilenden Wirkung viele Kalorien hat. Deswegen sollt man auch hier darauf achten, eine kontrollierte Dosierung zu sich zu nehmen und Wert auf gute Qualität zu legen. Empfohlen wird ein kaltgepresstes Olivenöl, da dabei viele Nährstoffe und Vitamine erhalten bleiben. 

Die Königsfrucht: Datteln 

Die Dattel heißt nicht umsonst die „Königsfrucht“. Im alten Ägypten galt sie als Pharaonenspeise und durfte nur den KönigInnen vorgelegt werden. Heimisch ist die Dattelpalme im Persischen Golf. Die süßen Datteln schmecken nicht nur gut, sondern stecken auch voller guter Nährstoffe, die positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Mehr als 800 Studien unter anderem auch die Studie von Hajer Taleb von der Cardiff Metropolitan University zeigen, dass Datteln die Immunität des Körpers und die Resistenz gegenüber Krebs verbessert, das Immunsystem stärkt und Magen-Darm-Erkrankungen vorbeugt. An der jordanischen University of Science and Technology in Irbid wurde der Effekt des Verzehrs von Datteln auf den Verlauf der Geburt untersucht. Schnell konnte man erkennen, dass die Frauen die vor der Geburt regelmäßig Datteln gegessen haben eine viel schnellere und leichtere Geburt hatten.

Datteln liefern erhebliche Mengen an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Sie verhindern die Anämie (Blutarmut), fördern das Nervensystem, stärken die Knochen, wirken gegen Demenz, Diabetes und Krebs und unterstützen den Verdauungstrakt. Dabei sind die Datteln auch gute Energielieferanten und regeln dabei den Blutzuckerhaushalt im Körper. Die Frucht gilt als entzündungshemmend und hilft wegen ihrer harntreibenden Wirkung gegen Nierensteine. 

Die Dattel ist im Koran eins der meist genannten Früchte. Auch der Prophet Muhammad (s) hat in zahlreichen Überlieferungen die Palmenfrucht erwähnt. Es ist bekannt, dass der Prophet (s) zu seiner Frau Aischa gesagt hat, dass ein Haushalt ohne Datteln ein Hungernder ist (Muslim). Auch empfahl er jeden morgen sieben Datteln zu essen, um sich gegen Schaden auf Grund einer Vergiftung oder einer Magie zu schützen (Buhâri, 5025 und 5769). Es ist bekannt, dass der Prophet zerdrückte Datteln in die Mundhöhle von Neugeborenen schmierte (Buharî, 5730). 

Tipp: Eine Dattel-Milch-Kombination bildet eine komplette Mahlzeit aus Eiweiß, Kohlenhydraten, Fetten, Vitaminen, Mineralien und Ballaststoffen. Auch als Energielieferant für zwischendurch ist die süße Dattel eine gute Alternative zum Industriezucker. Sie machen definitiv nicht so schnell dick wie Schokolade, sind aber auch nicht arm an Kalorien, weshalb ein mäßiger Konsum ratsam ist. Daneben wirkt ein Überkonsum von Datteln auch abführend.

Das Desinfektionsmittel: Essig 

Essig ist eine der ältesten Naturarzneien. Schon die Ärzte der Antike kannten die Heilkraft des Essigs. Militärärzte wuschen die Wunden von Soldaten mit einer Essiglösung aus und in den Zeiten der Pest wurden die Häuser mit Essig gereinigt. Es gibt viele Essigarten aber eine unterstützt die natürliche Gesundheit besonders gut: Apfelessig. Er gilt als Heilmittel bei Allergien und Infektionen. Man kann ihn sowohl innerlich wie auch äußerlich anwenden. Mehrere Studien wie auch die Studie der Europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde (EFSA) haben herausgefunden, dass Essig dabei helfen kann, den Blutzuckerspiegel zu senken und den Insulinhaushalt zu regulieren. 

Essig ist seit langem auch als Reinigungs- und Desinfektionsmittel gegen ein breites Spektrum von Bakterien, Hefen und Schimmelpilzen bekannt. Er wird bei Halsschmerzen mit warmem Wasser zum Gurgeln benutzt, gegen Juckreiz bei Mückenstichen verwendet und bei Pilzen angewandt. Apfelessig regt die Verdauung und den Stoffwechsel an, hilft beim Abnehmen und lindert Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Zudem wird Apfelessig gegen Pickelmale und Schuppen verwendet.

Der Prophet Muhammad (s) beschreibt Essig als Reichtum. In einem Hadith heißt es, dass der Essig ein wahrer Genuss sei und ein Haushalt mit Essig nicht arm werden kann. (Ibn Mâdschah, 3309; Muslim, 3824) 

Tipp: Jeden Morgen drei Esslöffel Apfelessig mit der doppelten Menge Wasser vermischen und trinken. Das fördert die Verdauung, reinigt den Körper und hemmt den Appetit. Nach 15 Minuten kann man dann wie gewohnt frühstücken. Doch auch bei Salaten gibt der Essig eine leckere Würze. Bei einem besonders empfindlichen Magen sollte man zuerst einen Arzt aufsuchen, bevor man den Essig zu sich nimmt. Um eine Reizung der Kehle zu vermeiden, sollte man Apfelessig nicht pur trinken, sondern immer mit Wasser verdünnen. Bei empfindlicher Haut kann die äußere Anwendung die Haut reizen und austrocknen. Doch bei einer kontrollierten Anwendung und einer guten Qualität hat der Apfelessig nur wenige Nebenwirkungen.

Leserkommentare

Emanuel Schaub sagt:
Als Gesundheits und Nahrungsergänzungs Freak habe ich den Artikel regelrecht genossen. Dass der Tipp zum Einreiben mit Oliven Öl auch von einem christlichen Pater vor Jahrzehnten empfohlen wurde ist wohl kaum auf "Abschreiben" zurückzuführen. Gesundheit ist eben Religions Grenzen überschreitend. Alles was gesund macht ist für mich ethisch/spirituell vertretbar. Kleine Anmerkung :ich glaube ,der Prophet hat das Fasten als "gegen alles.. wirksam" gehalten ausser dem Tod ("unser Freund und Retter"(Novalis) "Und er bleibt doch fürchterlich ,wenn er uns auch führt in der Erkenntnisse Land" Vielleicht hilft dagegen nur die ...Religion... Chissa gruss emanuel
04.02.19
11:26