Hessen

Anwältin erhält erneut Drohfax vom „NSU 2.0“

Erneut hat die Anwältin Başay-Yıldız ein Schreiben erhalten, das mit „NSU 2.0“ unterzeichnet ist. Die Ermittlungen gegen ein rechtsextremes Netzwerk in der Frankfurter Polizei ziehen weitere Kreise.

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2019
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Übergriff
Symbolbild: Polizei © metropolico.org auf flickr, bearbeitet by IslamiQ

Die Frankfurter Anwältin Seda Başay-Yıldız hat einem Medienbericht zufolge erneut ein mit „NSU2.0″ unterschriebenes Drohfax erhalten. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Sonntagabend berichtete, werden darin die Namen ihrer Eltern, ihres Mannes und ihrer Tochter genannt – aller Menschen, die unter ihrer Adresse gemeldet seien. „So etwas kann man nicht über die sozialen Netzwerke herausfinden“, sagte die Anwältin dem Bericht zufolge. „Und mein Vater ist 79, der ist nicht auf Facebook oder sonstwo aktiv.“

Die Juristin hatte Anfang August 2018 nach Erhalt einer Drohung Anzeige erstattet. In dem Fax mit Absender „NSU2.0″ wurde ihre Tochter mit dem Tod bedroht. Die Frau hatte im Prozess um den rechtsterroristischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) Opfer vertreten. Die Behörden fanden heraus, dass Hintergrundwissen über die Anwältin aus dem polizeilichen Informationssystem eines Computers einer Beamtin des 1. Reviers in Frankfurt abgefragt worden war. Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurde eine mutmaßliche rechtsextreme Chatgruppe in der Frankfurter Polizei aufgedeckt. Fünf Beamte wurden vom Dienst suspendiert.

Dem „SZ“-Bericht zufolge wird in dem neuen Fax Bezug auf die Suspendierung genommen, auch die Tochter der Anwältin wird erneut bedroht. „Dir hirntoten Scheißdöner ist offensichtlich nicht bewusst, was du unseren Polizeikollegen angetan hast!“, heißt es demnach darin. 

„Aus dem NSU-Skandal wurde nichts gelernt!“

Schon im August zeigte sich Burhan Kesici, Vorsitzender des Islamrats, erschüttert und solidarisierte sich mit Başay-Yıldız. „Dieser Fall zeigt exemplarisch, wie unbekümmert mit den Erfahrungen aus dem NSU-Verfahren umgegangen wird und wie halbherzig anscheinend die Empfehlungen aus den parlamentarischen Untersuchungskommissionen umgesetzt werden“, erklärt Kesici. Denn, wie könne man sich sonst erklären, dass sich innerhalb einer Polizeidienststelle unbemerkt womöglich eine rechtsextremistische Gruppierung bilde, die sich ausgerechnet ‚NSU 2.0’, nenne. Der Fall nimmt immer größere Dimensionen an. Laut „SZ“ war eine Stellungnahme des hessischen Landeskriminalamts nicht zu bekommen. (dpa, iQ)