Europäischer Jüdischer Kongress

„Antisemitismus und Islamfeindlichkeit eng verbunden“

Der israelische Rechtswissenschaftler Shai Lavi warnt davor Antisemitismus zu beklagen und Islamfeindlichkeit zu ignorieren. Muslime seien vergleichbarer Stigmatisierung ausgesetzt wie Juden im 19.Jahrhundert.

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2018
Antisemitismus © shutterstock
Antisemitismus © shutterstock

Der israelische Rechtswissenschaftler Shai Lavi warnt davor den Antisemitismus in Europa zu beklagen ohne auch über Islamfeindlichkeit zu diskutieren, wie „news.at“ berichtete. Damit reagiert der Wissenschaftler auf die heutige Konferenz gegen Antisemitismus und Antizionismus, zu der die österreichische Regierung im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft eingeladen hat.

„Ich befürchte, dass solche Diskussionen politische Manipulation der Rechten und ihrer Koalitionspartner sind, um sich von dem Vorwurf des politischen Extremismus reinzuwaschen, indem sie sich als israel- und judenfreundlich porträtieren, um eine islamophobe und ausländerfeindliche Einstellung begründen zu können“, so Lavi.

Deshalb sei es wichtig Antisemitismus nicht losgelöst von Islamfeindlichkeit zu diskutieren. „Beide sind sehr eng miteinander verknüpft und sie zu trennen, scheint mir falsch“, meint der Wissenschaftler. Seiner Ansicht nach gäbe es erhebliche Parallelen zwischen der Diskriminierung und Stigmatisierung von Muslimen heute und den Juden damals.

Im späten 19. Jahrhundert hätte sich der Antisemitismus von einem zunächst „generellen kulturellen Gefühl“ zu einer „politischen Mobilisierung“ entwickelt. Die Folge sei nicht nur der Aufstieg antisemitischer Parteien, sondern auch ein politischer Diskurs, der immer stärker von antisemitischen Gedanken durchzogen war. „Ich glaube wir haben es heute mit einer ähnlichen Situation gegenüber Muslimen zu tun, denn die Islamophobie beginnt, den politischen Diskurs mitzubestimmen“, meint Lavi.

Muslime werden als Fremde wahrgenommen

Parallelen zeigten sich auch in den „unverblümten Attacken“ gegen Juden damals und Muslime heute. Den Juden warf man damals auch vor die deutsche Kultur zu verändern und das Land erobern zu wollen, weil es zuvor zu einer Migrationswelle von Juden von Ost nach West- und Zentraleuropa kam. Muslime heute würden sogar noch stärker als „Fremde von außen“ wahrgenommen. Die eines jüdisch-christlichen Abendlandes, das erst seit Ende des zweiten Weltkrieges so deutlich hervorgehoben werden, grenze Muslime aus. „Wir sehen heute eine steigende Affinität zwischen rechten Parteien und Israel, die das Bild der jüdisch-christlichen Verbindung auf Kosten der Muslime bestärken. Viele verkleiden so den Willen, die Muslime auszuschließen mit Judenfreundlichkeit“, kritisiert er weiter.

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Albert Einstein hat in einem handschriftlichen Brief aus dem Jahr 1954 Folgendes zu Papier gebracht: „Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger aber doch reichlich primitiver Legenden. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern. ... Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens.“ War Albert Einstein deshalb ein Antisemit oder islamophob? Keineswegs! Er hat einfach gründlich nachgedacht, was Respekt verdient und was nicht. Das ist wichtig! Unverdienter Respekt ist schädlich und gefährlich! Bei jeder religiösen Tradition sind es für mich die Ketzer und Sünder, die den größten Respekt verdienen. Betreffend das Judentum würde ich neben Albert Einstein die großartigen Denker Baruch Spinoza, Heinrich Heine oder Sigmund Freud hervorstreichen. Hut ab vor ihnen!
21.11.18
18:39
Dilaver Çelik sagt:
Dagegen kann man nur eins sagen: Wehret den Anfängen! Die Geschichte wiederholt sich nur, wenn man aus ihr nicht lernt, sagte Mehmet Akif Ersoy - der Verfasser der türkischen Nationalhymne - sinngemäß. Sowohl Antisemitismus als auch Islamfeindlichkeit dämonisieren und kriminalisieren jeweils eine Glaubensgemeinschaft und beschuldigen eine Glaubensgemeinschaft mit bestimmten Straftaten aufgrund der Religionszugehörigkeit. Das darf unter keinen Umständen hingenommen werden. Und zwar überall auf der Welt. Und erst recht in Deutschland, wo jährlich über 1.100 islamfeindliche, 500 antisemitische und 300 christenfeindliche Straftaten begangen werden. Eine mehrjährige Gefängnisstrafe ist das mindeste, was man dagegen tun kann.
21.11.18
23:39
Kritika sagt:
LS. Von berechtigter Kritik wegen Siedlungsbau abgesehen, ist Israel die einzige demokratische Republik weit und breit und Technologisch auf Weltniveau , Dermassen Rechtsstaatlich, dass auch der Staatspräsident nicht frei von RechtsVerfolgung ist. Das soll einmal ein vom Islam beherrschter Nachbarstaat nachmachen Der eifersüchtige Blick der Muslims nach Israël ist also sowohl berechtigt als hausgemacht als auch selbstverschuldet. Gruss, Kritika
24.11.18
2:22
Emanuel Schaub sagt:
Dass die Palistinenser von der Entfaltung ihrer menschlichen/ technologich-wissentschaftlichen und damit wirtschaftlichen resourcen durch Israel Politik be/gehindert werden (und dadurh den Extremisten in die Hände getrieben werden, haben sie wohl "vergessen"...? Wie auch immer ;"Mein" Traum ; zwei Staaten prosperierend auf ALLEN Ebenen menschlichen Seins. Dann gibt es keine "Erb-Feindschaft mehr.(Hier hat es ja auch zumindest bis dato gehalten... den (militärischen ) Frieden zu bewahren. emanuel
26.11.18
14:13