Thüringen-Monitor

Forscher berichten von steigender Fremdenfeindlichkeit

Mit dem Thüringen-Monitor beobachtet die Landesregierung seit Jahren die politische Kultur in dem Bundesland. Die fremdenfeindliche Einstellungen vieler Thüringer habe weiter zugenommen.

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Islamfeindlichkeit
Symbolbild: Fremdenfeindlichkeit © (Never Edit/CC 2.0/ flickr)

Die negativen Einstellungen vieler Thüringer gegenüber Migranten haben einer Umfrage zufolge weiter zugenommen. So halten 58 Prozent die Bundesrepublik „durch die vielen Ausländer in einem gefährlichen Maß überfremdet“. Das seien fünf Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr, berichtete die „Thüringer Allgemeine“ (Dienstag) unter Berufung auf die Ergebnisse des diesjährigen Thüringen-Monitors.

Thüringen mit einer Ausländerquote von knapp fünf Prozent gelte immerhin 36 Prozent der Befragten als überfremdet – ein Anstieg von zwölf Prozentpunkten gegenüber der letzten Befragung. Die Langzeitstudie Thüringen-Monitor wird von der Universität Jena im Auftrag der Landesregierung betreut. Mit ihr wird seit der Jahrhundertwende die politische Stimmung im Land gemessen.

Zugleich gebe es „messbare Zusammenhänge“ zwischen der Ablehnung von Ausländern und der Heimatverbundenheit, schrieben die Forscher. Je wichtiger Heimat sowie die lokale, regionale und nationale Verbundenheit sei, desto häufiger werde eine skeptische bis ablehnende Haltung in der Asylfrage eingenommen. Die Heimatverbundenheit sei in Thüringen besonders ausgeprägt: 95 Prozent der Menschen hätten angegeben, ihnen sei ihre Heimat „sehr wichtig“ oder „eher wichtig“. Bundesweit liegt dieser Wert bei 77 Prozent.

„Ausländer wollen Sozialstaat ausnutzen“

Auch anderen fremdenfeindlichen Positionen stimmen der Studie zufolge immer mehr Thüringer zu. 49 Prozent meinen, dass Ausländer nur hierher kämen, „um den Sozialstaat auszunutzen“. Dieser Wert lag 2017 bei 44 Prozent und 2014, also vor der Flüchtlingskrise, bei 36 Prozent. 68 Prozent der Thüringer fordern zudem, dass „wieder mehr für die Mehrheit der Leute in unserem Land getan werden muss“. Im vergangenen Jahr, als diese Frage das erste Mal gestellt wurde, hatten noch 62 Prozent diese These bejaht.

Trotz der steigenden Ablehnung von Migranten gebe es jedoch keine Zunahme beim Rechtsextremismus. Der Anteil der Thüringer mit rechtsextremistischen Ansichten liege bei 20 Prozent und damit auf dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre. Zu Beginn der Messungen seien es sogar noch bis zu 30 Prozent gewesen. Auch der Anteil der Menschen, die einer neonazistischen Ideologie anhingen, lag demnach unverändert bei etwa 8 Prozent. (dpa, iQ)