NACHGEFRAGT

„Rechtspopulisten verklären die Vergangenheit“

Autoren schreiben problemlos hunderte Seiten, doch was passiert, wenn sie ihr Buch auf seine Essenz herunterbrechen müssen? Unsere Serie „Nachgefragt“ liefert Antworten und stellt sowohl Buch als auch den Autor vor. Heute mit Daniel Bax.

27
10
2018
Nachgefragt - "Die Volksverführer" von Daniel Bax.
Nachgefragt - "Die Volksverführer" von Daniel Bax.

IslamiQ: Wem würden Sie ihr Buch gerne schenken und warum?

Daniel Bax: Vielleicht Thomas Krüger, dem Leiter der Bundeszentrale für politische Bildung, damit er es über seine Institution vertreibt? Grundsätzlich aber jedem, der sich aufgrund der aktuellen Entwicklung Sorgen macht, der sich fragt, wie wir in diese Situation geraten konnten und, wie wir da wieder heraus kommen.

Infobox:
Daniel Bax
Die Volksverführer
Westend Verlag
ISBN: 978-3-864891-78-6
288 Seiten
August 2018

IslamiQ: Warum ist die Thematik im Lichte aktueller Debatten wichtig? 

Bax: Weil wir gegenwärtig einen globalen Rechtsruck erleben. Trump in den USA, Putin in Russland, Erdogan in der Türkei oder Victor Orban in Ungarn: sie alle vertreten eine Politik der harten Hand und einen nicht selten religiös eingefärbten Nationalismus und Autoritarismus. Am Erfolg des Hindu-Nationalisten Narendra Modi in Indien und Law-and-Order-Populisten wie Rodrigo Duterte auf den Philippinen und Jair Bolsenaro in Brasilien zeigt sich, dass wir es mit einem globalen Phänomen zu tun haben. 

IslamiQ: Beim Lesen guter Bücher wächst die Seele empor. Warum trifft dieses Zitat von Voltaire auf Ihr Buch zu? 

Bax: Ich denke, das gilt für Literatur. Sachbücher sollten einen vor allem klüger machen. Ich hoffe, das trifft auf mein Buch zu – zum Beispiel darüber, warum Demokratien grundsätzlich für Populismus anfällig sind. Rechtspopulisten bedienen sich ja der Mittel der Demokratie, um diese auszuhöhlen. Mehrheiten haben stets das Potential, gegenüber Minderheiten tyrannisch sein. Rechtspopulisten nutzen das aus, indem sie die niedrigen Instinkte und verbreitete Ressentiments einer potentiellen Mehrheit ansprechen. Zur Demokratie gehören aber nicht nur Wahlen, das Votum der Mehrheit, sondern unabdingbar die Gewaltenteilung, eine unabhängige Justiz und unabhängige Medien dazu. Diese müssen wir verteidigen. 

IslamiQ: Ihr Buch, in drei Wörtern zusammengefasst?

Bax: Ein gutes Buch. 

IslamiQ: In Ihrem Buch zeigen Sie die aktuellen Gründe für den Erfolg der Rechtspopulisten auf. Wie kam es überhaupt so weit?  

Bax: Wir leben in einer Zeit großer Verunsicherung – und dass, obwohl – oder vielleicht gerade, weil? – es vielen Menschen auf der Welt heute so gut geht wie nie zuvor. Aber viele Menschen haben Angst, etwas zu verlieren. Denn aufgrund von Globalisierung, Digitalisierung, der Emanzipation von Frauen und Minderheiten und dem demographischem Wandel sind viele Gesellschaften im Umbruch begriffen. Alte Gewissheiten gelten nicht mehr. Rechtspopulisten antworten darauf, indem sie einfache Antworten auf komplexe Herausforderungen geben. Sie bedienen die Sehnsucht nach einer Rückkehr zu den vermeintlich geordneteren Verhältnissen und Hierarchien. Rechtspopulisten verklären die Vergangenheit. Was wir brauchen, sind aber positive Utopien für die Zukunft. 

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Es gehört zum Wesen der Demagogie, die Wissenslücken sowie mangelndes Wissen der einfachen Bevölkerung, der eine differenzierte Sichtweise oft nicht zugänglich ist, für sich auszunutzen. Mit anderen Worten: Anfällig für Demagogie sind Menschen, welchen Mangel Wissens nicht die Fähigkeit besitzen, eine differenzierte Sichtweise zu entwickeln sowie komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge zu verstehen. Und das trifft auf die Mehrheit der Menschen zu, um den Erst der Situation mal zu verdeutlichen. Vereinfachende populistische Konzepte sind da attraktiver als sachliche Erklärungen komplexer Zusammenhänge. Das sieht man auch hin und wieder bei Politikern der "politischen Mitte", um auf Stimmenfang zu gehen. Um Demagogen jeglicher Art den Boden zu entziehen, müssen alternative Konzepte entwickelt werden, welche eine sachlich differenzierte Sichtweise haben. Unter den Umständen jedoch, wie heutige Politiker sich asozial verhalten, wird das schwierig sein. Man darf aber die Hoffnung nicht aufgeben.
27.10.18
17:55
Kritika sagt:
L.S. Daniel Bax: " Mehrheiten haben stets das Potential, gegenüber Minderheiten tyrannisch sein. " Recht hat'er, der Bax aber er kommt nicht darauf, dass das in einer besonders ausgeprägten Form auf die ~ 50 bereits vom Islam beherrschten Länder schon zutrifft. Deshalb ist es äusserst wichtig, den Islam in Deutschland so klein und unbedeutend wie möglich zu halten. " Wehret den Anfängen " sagten schon unsere Vorfahren, Sie meinten: Wehret Kopftücher, Minaretten, Islam Unterricht. Islam hat in Deutschland ebenso ein Platz, wie die anderen Sekten, im einstelligen % -Bereich. Vorausgesetzt der Islam ist ebenso mit einer unbedeutende %- Rolle zufrieden, wie die anderen einstelligen %- Sekten. Gruss, Kritika.
08.11.18
0:50