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Herder startet Mammut-Projekt eines Koran-Kommentars

Der Herder Verlag hat auf der Frankfurter Buchmesse ein Koran-Kommentar vorgestellt. Es soll das erste Band von insgesamt 17 sein. Ein Mammutprojekt mit Fragezeichen.

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2018
koran
Der Koran © IslamiQ

Der Herder-Verlag hat auf der Frankfurter Buchmesse den ersten Band eines historisch-kritischen Koran-Kommentars vorgestellt. Das wissenschaftliche Mammut-Projekt ist auf insgesamt 17 Bände angelegt und wird vom Münsteraner Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide herausgegeben. Er ist seit 2010 Professor für islamische Religionspädagogik an der Universität Münster und dort inzwischen auch Leiter des Zentrums für Islamische Theologie. In der Vergangenheit wurde er aber von vielen Kollegen für seine Auslegung des Korans kritisiert. 

Das Projekt  verbinde die Methoden der historisch-kritischen Bibel-Analyse mit der literarischen Analyse der Arabistik und Islamwissenschaft und der islamischen Kommentartradition, sagte der zuständige Lektor des Verlags, German Neuendorfer, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Der Koran werde als Glaubensbuch verstanden, aber in seinen historischen Kontext eingeordnet. Die Reihe richte sich in erster Linie an Fachleute, solle aber auch ein breites Publikum zur Auseinandersetzung mit dem Islam ermutigen. Übersetzungen – auch ins Arabische – sind bislang nicht geplant.

„Gottes Offenbarung im Menschenwort“

Das vom Bundesforschungsministerium geförderte Projekt erschließt die heilige Schrift der Muslime nicht fortlaufend nach Suren. Es beschäftigt sich vielmehr mit übergreifenden Themen wie der Rolle der Frauen, der Scharia oder dem Gottesbild im Koran. Jedes Jahr sollen ein bis zwei Bände erscheinen. Band eins befasst sich mit „Gottes Offenbarung im Menschenwort“. Untersucht wird, wie weit die historisch-kritische Methode der Bibel-Auslegung ohne Verstehensverluste auch auf den Koran angewendet werden kann.

Neuendorfer sagte, die westliche Auseinandersetzung mit dem Koran sei häufig davon geprägt gewesen, die Heilige Schrift zu diskreditieren. Umgekehrt seien viele fromme Muslime gegen eine historisch-kritische Einordnung; für sie sei der Koran wortwörtlich Gottes Wort. Zugleich werde das Projekt aber zeigen, dass es auch in der Geschichte des Islam sehr unterschiedliche Auslegungstraditionen gegeben habe, so der Lektor. „Der Islam ist gar nicht so einheitlich, wie heute vielfach dargestellt wird.“ (KNA, iQ)

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Ein Mammutprojekt mit Fragezeichen? Islam und Koran sind voller Fragezeichen & Widersprüche. Der Islam ist eine Konstruktion aus irgendwelchen Texten, Fantasien, Träumen & Träumereien, Interpretationen, Legenden, Meinungen, Wunschvorstellungen & Deutungen, verordneten Lebensregeln und gläubiger Unterwerfung. Irgendwelche Zweifel sind in der islamischen Kultur & Religion nicht vorgesehen. Die absolute Wahrheitsverkündung ist da Programm. Bei fast allen führt das zu ausgeprägten Symptomen von Angst, bei vielen zu einer aggressiven Ambivalenz gegenüber der westlichen Kultur. "Die arabische Seele ist schlecht auf die Verunsicherungen der Globalisierung eingestellt. Zweifel hat sich tief in die muslimischen Seelen eingefressen, darf aber nicht formuliert werden, sondern findet in Form von Angst oder deren Verkehrung ins Gegenteil, sprich Aggression, seine Abfuhr. Denn der Glaube bleibt für den strenggläubigen Muslim auch in weltlichen Fragen letzte Autorität." So beschreibt der Psychotherapie-Arzt Dr. Burkhard Hofmann das Psychogramm der arabischen Seele. Wie Muslime unter ihrer Religion leiden, konnte er über mehrere Jahre in seiner Tätigkeit unter Muslimen - besonders auch in arabischen Ländern - feststellen. Sein ganz neues Buch "Und Gott schuf die Angst" zu diesem Thema könnte ein Bestseller der Aufklärung werden. Religiös begründete Angst war noch nie ein guter Lehrmeister. Sie hat ein großes Gefahrenpotential, das schon sehr viel Leid verursacht hat.
14.10.18
12:35
Kritika sagt:
- - Und wo sind nun die Fragezeichen?? Die Muslims könnten doch froh sein, dass jemand überhaupt einmal ihren Koran ernst nimmt, und ihn nicht im Ganzen als Hanebüchenen Nonsense ab tut, ( wie es Kritika macht ). Gruss, Kritika
15.10.18
0:14
Dilaver Çelik sagt:
Die DITIB muss dieses Projekt beaufsichtigen und kritisch begleiten. Genau dafür ist die DITIB ja auch da. Ein Korankommentar zu verfassen ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, wie es manche Islamwissenschaftler z.T. leichtfertig tun, und braucht äußerste Sorgfalt, um eventuelle Fehlinterpretationen zu vermeiden.
16.10.18
12:19