Istanbul

Islamische Gebete in Hagia Sophia bleiben vorerst verboten

Die Hagia Sophia in Istanbul zählt zu den bekanntesten Wahrzeichen der türkischen Metropole. Beim türkischen Verfassungsgericht wurde eine Klage eingereicht, mit dem Ziel das islamische Gebet im Museum zu erlauben. Die Klage wurde abgelehnt.

15
09
2018
Hagia-Sophia in Istanbul © ( Berk Özkan - Anadolu Agency )
Hagia-Sophia in Istanbul © ( Berk Özkan - Anadolu Agency )

Islamische Gebete in der Hagia Sophia in Istanbul bleiben weiter untersagt. Das türkische Verfassungsgericht lehnte die entsprechende Klage eines privaten Vereins ab, wie türkische Medien am Freitag berichteten. Die Richter erklärten sich am Donnerstag für nicht zuständig. Der Verein drängt den Staat seit 2004, die Hagia Sophia für islamische Gebete und Gottesdienste zu öffnen, scheiterte damit jedoch regelmäßig. Gleichwohl bekundete die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan mehrfach ihre Sympathie für einen solchen Schritt.

Die 537 unter dem oströmischen Kaiser Justinian geweihte Hagia Sophia war bis zur Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 das größte Gebäude der Christenheit und ein Zentrum des orthodoxen Christentums. Sultan Mehmet II. wandelte sie zur Moschee um. 1934 machte der säkulare Staatsgründer Kemal Atatürk daraus ein Museum. Seitdem fordern viele Muslime immer wieder eine Rückumwandlung des Gebäudes in eine Moschee. Für orthodoxe Christen ist das Gebäude nach wie vor ein kultureller Fixpunkt.

Im Juni 2017 sorgte eine anlässlich des Fastenmonats Ramadan vom türkischen Religionsministerium veranstaltete Koranlesung in der Hagia Sophia für scharfe Kritik von christlichen Vertretern. Auch die griechische Regierung protestierte gegen die Veranstaltung. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Dilaver Çelik sagt:
Der Status der Hagia Sophia als Museum symbolisiert die Gefangenschaft der islamischen Welt und die Zurückwandlung als Moschee symbolisiert die Befreiung der islamischen Welt von der westlichen Hegemonie. Was christliche oder sonstige nichtmuslimische Vertreter in diesem Sachverhalt sagen und meinen, ist irrelevant, gegenstandslos und fällt deshalb nicht ins Gewicht. Dass die Hagia Sophia ursprünglich als Kirche gebaut wurde, gehört ein für allemal der Vergangenheit an. De jure ist die Hagia Sophia nach wie vor eine Moschee und kein Museum. Wer der Hagia Sophia den Status einer Moschee verwehrt und die Verwehrung befürwortet, der sollte sich vor dem Fluch von Fatih Sultan Mehmet fürchten, den er gegen diejenigen ausgesprochen hat, welche die Hagia Sophia anderweitig umwidmen sollten als eine Moschee. Wenn Erdoğan mutig wäre, würde er per Dekret der Hagia Sophia den Status einer Moschee zurückgeben. Die Macht dazu hat er und es würde ihn in der Türkei populärer machen. Dass er sich dennoch nicht traut, zeigt doch nur, dass seine Strippenzieher woanders verortet sind und im Hintergrund andere Interessen mit im Spiel sind als bloß nur die Umwidmung eines historischen Gebäudes. Erdoğan wird es vielleicht nicht gelingen, der Hagia Sophia den Status einer Moschee zurückzugeben. Seinem demokratischen Nachfolger, der stärker sein wird, wohl eher. Aber ich bin zuversichtlich, dass die Hagia Sophia wieder als Moschee fungieren wird. Das steht nicht zur Diskussion. Denn: Was sowieso eintreffen wird, kann auf Dauer ohnehin nicht verhindert werden. Auch nicht durch Gerichtsurteile. Das sollte auch der letzte Depp endlich begreifen, der sich aufgeklärt gibt.
15.09.18
16:41
Dilaver Çelik sagt:
"Gleichwohl bekundete die Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan mehrfach ihre Sympathie für einen solchen Schritt." Erdoğan hat gut reden. Wenn er den Mumm hat, soll er der Hagia Sophia den Status einer Moschee zurückgeben und damit den historischen Fehler der Kemalisten korrigieren. Was zu bezweifeln ist, wenn man bedenkt, dass die AKP und der Kemalismus von Anfang an Hand in Hand gehen. "Im Juni 2017 sorgte eine anlässlich des Fastenmonats Ramadan vom türkischen Religionsministerium veranstaltete Koranlesung in der Hagia Sophia für scharfe Kritik von christlichen Vertretern. Auch die griechische Regierung protestierte gegen die Veranstaltung." Solange die Hagia Sophia de facto ein Museum ist, so lange werden jene o.g. Kräfte sich einbilden, dass sie da was zu melden hätten. Der einzige Weg, jene Kräfte zum Schweigen zu bringen ist die Rückwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee. Damit schafft man klare Verhältnisse. Anfängliche Proteste jener Kräfte werden nach einiger Zeit von selbst verstummen.
15.09.18
17:14
Kritika sagt:
L.S Die Blaue Moschee ist dicht bei, fasst ebenfalls viele Muslims. Die Islamisierung der Hagia Sophia ist daher überflüssig und wäre gleichzeitig ein Affront gegenüber deren Erbauer, die Christen. Türkei und Islam werden auch so bereits als sehr negativ wahrgenommen. Eine Islamische Inbesitznahme würde dieses Image noch weiter verstärken und könnte eine Feindschaft gegenüber Türkei und Islam auslösen. Man wird das hoffentlich so lassen wie es ist und wie es Jahrzehntelang war. Gruss, Kritika
16.09.18
1:15
Emanuel Schaub sagt:
Mich erinnert das an einen "Vorfall" ,den ich vor sehr vielen Jahren in einer kath.Kirche mitbekommen habe, Mieditierende der TM Bewegung wurden vom zuständigen ...Priester aufgefordert dies zu unterlasssen...! bekanntlich "hört" ja nur der Meditant die Silbe -ja und vielleicht auch der Liebe Gott... Für meinen Teil glaube ich rep. hoffe ich ,dass der/das/Aressat nicht Anstoss daran nimmt, dass in diversen Lokalitäten(Pardon) ortsunüblich gebetet wird!! Wie meint meine Tante immer so tiefsinnig ;das "Boden Personal" ist nicht ganz so auf der Höhe...(ethisch gesehen) gruss emanuel
19.09.18
13:55