Bundesinnenminister

Seehofer will neuen Ansatz für die Islamkonferenz

Bundesinnenminister Seehofer plant eine Umstrukturierung der Deutschen Islamkonferenz. Diese soll ab November wieder aufgenommen werden.

10
09
2018
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Deutsche Islam Konferenz - DIK © Facebook
Deutsche Islam Konferenz - DIK © Facebook

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) will einen neuen Ansatz für die Islamkonferenz. „Wir wollen uns künftig weniger über theoretische und wissenschaftliche Fragen austauschen, sondern vielmehr praktische Fragen der Integration besprechen“, sagte der Minister der „Rheinischen Post“ (Montag). Es solle stärker darum gehen, wie das alltägliche Miteinander zum Beispiel am Arbeitsplatz oder in Sportvereinen funktioniere. „Wir wollen konkret besprechen, was vor Ort einen toleranten Umgang miteinander auf allen Seiten ausmacht und wie dieser gefördert werden kann.“

Konkrete Änderungen in dieser Legislaturperiode betreffen beispielsweise die Mitgliedschaft. Anders als bisher sollen die Teilnehmer der Runde von Mal zu Mal wechseln. Feste Mitgliedschaften soll es voraussichtlich nicht mehr geben. Geplant sind flexible, themenorientierte Zusammensetzungen, die auch variieren können.

Bislang gehörten zu den Mitgliedern auf staatlicher Seite Vertreter der Bundesministerien, der Fachminister der Länder und der kommunalen Spitzenverbände. Auf muslimischer Seite nahmen seit 2013 Vertreter von zehn muslimischen Organisationen und islamischen Religionsgemeinschaften teil. Verbandsfreie muslimische Einzelpersonen waren zuletzt nicht mehr vertreten. Stattdessen wurden Experten und Praktiker zu den konkreten Themen hinzugebeten. Wegen langjähriger Erfahrung bei den Themen Wohlfahrt und Seelsorge wurden auch Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen eingeladen.

Die Deutsche Islam Konferenz (DIK) wurde 2006 von damaligen Bundesinnenminister als zentrale Dialogplattform eingerichtet um nach eigenen Angaben die religions- und gesellschaftspolitische Integration der mehr als 4 Millionen Muslime voranzubringen. Ein zentrales Ergebnis der ersten Phase bis 2009 war die Einigung auf einen Wertekonsens als Bekenntnis zur deutschen Rechtsordnung und zu den Werten des Grundgesetzes.

In der Arbeitsphase zwischen 2009 und 2013 hatte sich die Konferenz mit Fragen der Geschlechtergerechtigkeit, der Einführung von islamischem Religionsunterricht und den Lehrangeboten für islamische Theologie an Universitäten befasst.

In der Arbeitsphase zwischen 2013 und 2017 befasste sich die Konferenz insbesondere mit dem Aufbau von muslimischen Wohlfahrtseinrichtungen, etwa im Bereich Kinder- und Jugendhilfe sowie der Altenhilfe, sowie muslimischer Seelsorge in öffentlichen Einrichtungen wie Gefängnissen und Bundeswehr. Angesichts der Ankunft von zahlreichen Flüchtlingen thematisierte die DIK auch das Engagement der muslimischen Gemeinden in der Flüchtlingshilfe.

Mittlerweile leben in Deutschland nach Schätzungen über 5 Millionen Muslime. Das entspricht mehr als 6 Prozent der Gesamtbevölkerung.

Das Bundesinnenministerium hatte kürzlich angekündigt, dass die Islamkonferenz für November geplant sei. Seehofer sagte der Zeitung, er habe sich mit dem Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, bereits über die Islamkonferenz unterhalten. Weitere Gespräche mit den anderen islamischen Religionsgemeinschaften seien geplant. (KNA/iQ)