ISLAMISCHE BESTATTUNGEN

Die letzte Reise: Muslimische Bestattungsvereine in Deutschland

Wie arbeiten muslimische Bestattungsdienste? Mit welchen Schwierigkeiten sind diese Dienste konfrontiert? IslamiQ hat ihre Erfahrungen zusammengetragen.

02
09
2018
Symbolfoto: Islamische Bestattung, Beerdigung
Symbolfoto: Islamische Bestattung, Beerdigung

Ein Großteil der in Europa lebenden Muslime zieht es vor, nach dem Tod in ihrem Herkunftsland beigesetzt zu werden. Deshalb haben islamische Religionsgemeinschaften in zahlreichen europäischen Ländern sogenannte Bestattungshilfevereine gegründet. Deren Aufgabe ist es, Angehörige bei allen Fragen rund um die Bestattung eines Verstorbenen zu unterstützen. Die Dienstleistungen der Vereine umfassen die Waschung und Einkleidung des Verstorbenen nach islamischem Ritus, die Organisation des Totengebets, die Erledigung behördlicher Angelegenheiten sowie (wenn der Verstorbene ins Ausland überführt werden soll) den Transport und die Übergabe des Toten am Zielort.

Besonders viele Bestattungshilfevereine gibt es in Deutschland, wo aktuellen Zahlen zufolge die meisten Migranten leben. Eine davon ist der Bestattungshilfeverein UKBA e. V. der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG). Auch die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB) und der Verband der Islamischen KulturzentrenVIKZ bieten Bestattungshilfe an. Den Wunsch vieler Migranten, in ihrem Heimatland begraben zu werden, begründet der Vorsitzende des Islamischen Bestattungsinstituts NRW, Moustapha El-Founti, in einem Interview mit der Deutschen Welle mit ihrer engen Bindung an ihr Herkunftsland. „Sie möchten dort bestattet werden, wo ihre Vorfahren gelebt haben.“

Laut Ali Özdemir, Vorsitzender des DITIB Zentrums für Soziale Unterstützung, seien noch bis vor wenigen Jahren jährlich etwa 2.000-3.000 Verstorbene aus Europa in die Türkei überführt worden. Inzwischen seien es jährlich etwa 5.000 Überführungen. Gleichzeitig sei aber auch die Zahl derjenigen gestiegen, die in Europa bestattet werden. Der Anteil liege mittlerweile bei zehn Prozent, Tendenz steigend.

Wie arbeiten Bestattungshilfevereine?

Die Dienstleistungen des Bestattungshilfevereins UKBA können Mitglieder und unter bestimmten Bedingungen auch deren direkte Angehörige in Anspruch nehmen. Die Mitglieder stammen aus über 30 Nationen, der größte Teil aus der Türkei. „Jeder Muslim soll von unserem Angebot profitieren können“, sagt UKBA-Vorsitzender Mustafa Uyanık. „Unser Ziel ist es, Muslime in Europa in einer persönlich schwierigen Zeit psychologisch und bei der Erledigung behördlicher Formalitäten zu unterstützen, und Bestattungen nach islamischen Riten durchzuführen.“

Verantwortlich für den Ablauf eines Bestattungsverfahrens bei UKBA ist Emrullah Yayla. Er ist der erste Ansprechpartner für die Angehörigen eines Verstorbenen. „Wenn uns ein Angehöriger des Verstorbenen anruft, versuchen wir die Person am anderen Ende der Leitung zu beruhigen. Wir erklären, dass wir in kürzester Zeit das Überführungsunternehmen an ihn verweisen werden, und dass er in diesem Zeitraum telefonisch erreichbar sein soll“, erklärt Yayla. „Auch wir sind ständig erreichbar, falls irgendwelche Probleme auftreten sollten.“ Nach dieser ersten Kontaktaufnahme werde dann das Verfahren für die Bestattung eingeleitet. 

Je nachdem, wo der Tod eingetreten ist, wird ein Totenschein ausgestellt und ggf. eine Obduktion abgewartet. Liegt die Freigabebescheinigung der Rechtsmedizin vor, wird beim zuständigen Standesamt eine Bestattungserlaubnis (für Begräbnisse in Deutschland) bzw. ein sogenannter Leichenpass für eine Überführung beantragt. Dazu werden die persönlichen Unterlagen des Verstorbenen wie der Reisepass, Personalausweis, die Todesbescheinigung und ggf. das Familienbuch in deutscher Übersetzung vorgelegt. War der Tote türkischer Staatsbürger, müssen die Unterlagen der deutschen Behörden dem türkischen Konsulat übergeben werden, damit der Todesfall auch dort registriert werden kann. Die Ausstellung der notwendigen Dokumente kann, besonders wenn der Tod an einem gesetzlichen Feiertag eingetreten ist, bis zu zehn Tage dauern. Währenddessen wird der Tote in den Leichenhallen des Unternehmens gelagert.

Nach Abschluss der behördlichen Verfahren wird der Verstorbene nach islamischem Ritus gewaschen und in ein Leichentuch gewickelt. Das anschließende Totengebet findet in der nächstgelegenen Moschee statt. Sofern der Tote in das Herkunftsland überführt werden soll, wird er in einem speziellen Sarg für internationale Überführungen an den Flughafen und von dort ins Zielland transportiert. In der Türkei übernimmt ein Partnerunternehmen des Bestattungshilfevereins den Leichnam und bringt ihn an die von den Angehörigen genannte Adresse.

Hohe Qualitätsstandards

UKBA arbeitet europaweit mit vierzehn Bestattungsunternehmen vertraglich zusammen. Diese werden nach bestimmten Qualitätskriterien ausgesucht. „Ein respektvoller, sensibler Umgang mit dem Verstorbenen und dessen Familie ist Voraussetzung“, erklärt Emrullah Yayla. „Mit dem Tod wurde die Schwelle ins Jenseits überschritten. Dessen sind wir uns bei unserer Arbeit bewusst.“

Daneben müsse auch auf technische und hygienische Standards geachtet werden. Klimatisierte Transportfahrzeuge seien z. B. ein Muss, sagt Yayla. „In Europa sind die Sommer inzwischen auch sehr heiß. Da kann man einen Leichnam nicht länger als drei bis vier Stunden im Wagen lassen.“ Wenn den Verein eine Todesnachricht erreicht, bemühe man sich, die Verfahren im Sinne der Angehörigen so schnell und gewissenhaft wie möglich einzuleiten.

Bestattungsverfahren in Deutschland

Bestattungshilfevereine kümmern sich nicht nur um Überführungen, sondern auch um die sensible Frage einer angemessen Bestattung für Muslime in Europa. Inzwischen gibt es in zahlreichen Kommunen muslimische Gräberfelder. Deren Existenz mache vielen Muslimen der Entscheidung für eine Beisetzung in Deutschland leichter, meint Yayla. In einigen Bundesländern sei inzwischen auch die unbedingte Sargpflicht etwas gelockert worden.  

Bestattungshilfevereine bieten wichtige Dienstleistungen an, um den Bestattungsprozess zu vereinfachen. Trauernden Angehörigen bieten sie eine wertvolle Unterstützung bei der Abwicklung behördlicher Formalitäten und religiöser Riten. Dies erleichtert immer mehr Muslimen die Entscheidung für eine Bestattung in Deutschland. 

Leserkommentare

Emanuel Schaub sagt:
So wichtig die Erleichterung bei der "technischen" Abwicklung eines Sterbefalls ist... Das Entsetzen einer Mutter in Remscheid ,die vom Begräbnis in der Türkei ihres Vaters zuhaus vom Tod ihres Sohnes bei einem Motorrad Unfall ist damit sicher nicht wenger geworden! Umso wichtiger ist es einzusehen ,dass Missachtung und Hass wegen Religions Unterschieden dass Leben hier auf Erden noch schwerer werden lassen ! gruss emanuel
03.09.18
10:24