Nordrhein-Westfalen

Mehr konfessionslose SchülerInnen in NRW

Neben christlichen Kindern und Jugendlichen gibt es zunehmend mehr konfessionslose und muslimische SchülerInnen. Das hat auch Auswirkungen auf den Religionsunterricht.

29
08
2018
SchülerInnen, Religionsunterricht
Symbolbild: SchülerInnen © shutterstock, bearbeitet by iQ.

In Nordrhein-Westfalen können sich katholische und evangelische SchülerInnen künftig in einer gemeinsamen Lerngruppe mit den Themen Christentum, Glaube und Kirche befassen. Dabei handelt es sich aber nicht um eine ökumenische Religionslehre. Die Rede ist von einem konfessionell-kooperativen Religionsunterricht, der ab diesem Schuljahr eingeführt wird. 184 der fast 5.700 allgemeinbildenden Schulen starten mit diesem neuen Angebot – eine Antwort auf die rückläufige Zahl konfessionsgebundener Schüler.

Hatte es laut Schulministerium im Jahr 2004/05 noch 1,99 Millionen Teilnehmer am katholischen und evangelischen Religionsunterricht gegeben, waren es im vergangenen Schuljahr mit 1,54 Millionen rund ein Viertel weniger – bei wachsender Schülerzahl insgesamt. Entsprechend ist der Anteil der Schüler an der konfessionellen Religionslehre von 85 Prozent vor 14 Jahren auf rund 62 Prozent gesunken.

Religionsunterricht verliert immer mehr an Interesse

Eine Folge ist nach Erkenntnissen von Schulpraktikern, dass evangelischer oder katholischer Religionsunterricht vielfach unter Nichtbeachtung der gesetzlichen Regelungen im Klassenverband erteilt wird. Im Einzelfall droht zudem die Situation, dass nicht genügend Schüler für den katholischen oder evangelischen Religionsunterricht zusammenkommen. Doch für die betroffenen SchülerInnen soll das Fach nicht einfach unter den Schultisch fallen. Deshalb haben die Kirchen darauf reagiert und das Modell des konfessionell-kooperativen Religionsunterrichts, kurz KoKoRu, entwickelt.

Bei dieser Kooperation sollen die konfessionellen Grenzen aber auf keinen Fall verwischt werden. Ein verpflichtender Wechsel zwischen katholischen und evangelischen Fachlehrern soll gewährleisten, dass die SchülerInnen beide konfessionelle Perspektiven kennenlernen. Der kooperative Unterricht kann an Schulen eingeführt werden, wo es bereits Religionsunterricht beider Konfessionen gibt. Zudem müssen beteiligte Pädagogen eine Fortbildung absolvieren.

Als Vorteil des KoKoRu wird auch genannt, dass Schüler der anderen Konfession authentisch begegnen und sich der eigenen bewusster werden können. Auf das Modell haben sich die drei evangelischen Landeskirchen (Rheinland, Westfalen, Lippe) und die vier katholischen Bistümer Aachen, Essen, Münster und Paderborn verständigt. Das vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki geleitete Erzbistum Köln beteiligt sich nicht daran. In der Erzdiözese sei weiterhin mehr als jeder dritte Schüler katholisch, so dass kein Handlungsbedarf für alternative Modelle bestehe, heißt es zur Begründung.

„Es stärkt den christlichen Religionsunterricht in einer pluralistischen Schullandschaft“

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) lobte das neue Angebot als „vielversprechend“. Es stärke den christlichen Religionsunterricht in einer pluralistischen Schullandschaft – „vor allem dort, wo im Laufe der Zeit weniger bekenntnisangehörige Schülerinnen und SchülerInnen zur Schule gehen“.

Während die Zahl der christlichen SchülerInnen sinkt, ist aufseiten der Lehrer eine gegenläufige Entwicklung zu beobachten. 2004/05 gab es laut Statistik 29.252 Pädagogen mit Lehrbefähigung in evangelischer und katholischer Religionslehre. Im vorigen Schuljahr waren es 37.625, also über ein Viertel (28,6 Prozent) mehr. An Haupt-, Real-, Sekundar- und Gesamtschulen liegt die Lehrkräftekapazität der christlichen Religionslehrer deutlich über dem Bedarf. Ausgeglichener ist die Situation an den Gymnasien und Gesamtschulen, wo sich Bedarf und Lehrkräftekapazität nahezu decken.

Übrigens: Um der wachsenden religiösen Vielfalt gerecht zu werden, setzt die schwarz-gelbe Koalition in Düsseldorf wie die rot-grüne Vorgängerregierung auf den Ausbau des islamischen Bekenntnisunterrichts. Als erstes Bundesland führte NRW das Fach vor sechs Jahren ein. Seitdem erfährt es ein stetiges Wachstum – allerdings auf einem niedrigen Niveau. Zu Beginn wurde der Unterricht an 33 Grundschulen für rund 1.800 Schüler erteilt. Im vorigen Schuljahr erhielten ihn 19.400 Schüler an 234 Schulen. Das ist aber nach wie vor nur ein Bruchteil der etwa 400.000 SchülerInnen muslimischen Glaubens in NRW. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
"Neben christlichen Kindern und Jugendlichen gibt es zunehmend mehr konfessionslose und muslimische Schülerinnen" Korrekterweise müsste dieser Satz lauten: Neben Kindern und Jugendlichen, die christliche Eltern haben, gibt es zunehmend mehr Schüler und Schülerinnen mit konfessionslosen oder muslimischen Eltern. Es gibt auch keine AfD-Kinder und SPD-Schüler, sondern nur solche, die AfD-Wähler oder SPD-Wähler als Eltern haben. Viele Religionsgemeinschaften vereinnahmen leider bereits Minderjährige ohne eigenes Urteilsvermögen für sich. Das ist unanständig und ein wirklich respektloser Umgang mit Kindern! Nach Berliner Vorbild sollte in allen Bundesländern dem verbindenden, konfessionsübergreifenden Ethikunterricht Vorrang eingeräumt werden.
29.08.18
12:29
Emanuel Schaub sagt:
Um Himmels willen... wie sollten Glaubens überzeugte Eltern es anstellen ,Ihre Kinder bis zum "Entscheidungs Alter" vom Glauben unbeeinflusst aufwachsen zu lassen. Und das mit dem Urteilsvermögen...meine Entscheidung für den Wert Idealismus habe ich aus Einsicht über den Un-Frieden ,der duch fanatische !! Vertreter der...Religionen in der Welt Geschichte aufgetreten ist (um es gelinde auszudrücken!!!) Dennoch masse ich es mir nicht an alle Religionen "verbieten" oder oder in Bausch und Bogen zu verurteilen. Was ich an ethisch WERT vollem (besonders an den einzelnen Menschen!! in meine Lebens Anschaung passt....nehme ich dankbar zu Kenntnis. gruss emanuel
30.08.18
12:23