Berlin

Privatschulen offen für Lehrerin mit Kopftuch

Das katholische Canisius-Kolleg in Berlin stellte eine Lehrerin mit Kopftuch ein. Die Einstellung sorgte bundesweit für Aufsehen. Nun verteidigt die Arbeitsgemeinschaft „Freie Schulen Berlin“ diese Entscheidung.

12
07
2018
Lehrerin mit Kopftuch © Perspektif, bearbeitet by iQ.
Lehrerin mit Kopftuch © Perspektif, bearbeitet by iQ.

Die Arbeitsgemeinschaft „Freie Schulen Berlin“ hat die Einstellung einer Kopftuch tragenden muslimischen Lehrerin am Canisius-Kolleg verteidigt. Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft, Andreas Wegener, wandte sich am Mittwoch auf Anfrage dagegen, „Lehrkräfte aufgrund ihres Erscheinungsbildes auszuschließen“. Entscheidender sei deren „wirkliche Haltung zu ihrem Beruf“.

Mit der Einstellung hatte das Jesuitengymnasium im vergangenen Jahr bundesweit Aufsehen erregt. An staatlichen allgemeinbildenden Schulen verbietet das Berliner Neutralitätsgesetz den Lehrkräften, religiös geprägte Kleidungsstücke im Dienst zu tragen. Wegener betonte, diese Vorschriften gälten nicht automatisch für Schulen freier Träger. Nach seinen Angaben ist die Entscheidung des Canisius-Kollegs jedoch offenbar ein Einzelfall geblieben. In der Hauptstadt lernt gut jeder zehnte Schülern an einer der über 120 allgemeinbildenden Schulen in freier Trägerschaft.

Wie eine Schule mit religiös begründeten Konflikten umgehe, sei eine Frage des pädagogischen Konzepts, so Wegener weiter. Dann könne ein Kopftuch „als Anstoß zur Toleranz anstatt als abstoßendes Beispiel einer Unterstützung von Terrorismus“ genutzt werden. Als Pädagogin ungeeignet wäre jedoch, wenn eine Muslimin vollverschleiert unterrichten und Schülern nicht die Hand geben wollte.

Begründet hatte Canisius-Rektor Tobias Zimmermann die Einstellung als „Dienst, den wir als Christen der Gesellschaft tun“. Der Jesuitenpater sprach sich für „einen offenen Diskurs mit dem Islam über den Umgang mit Symbolen“ aus. Die Integration von Zuwanderern am Kopftuch festzumachen, bezeichnete er als „albern“. Überdies habe die gebürtige Berlinerin unter den Kandidaten am meisten überzeugt. „Wenn mir jemand im Bewerbungsgespräch gegenüber sitzt, selbstbewusst und frei, absolut kein unterdrücktes Wesen, und mir glaubhaft versichert, sich vom Kopftuch nicht unterdrückt zu fühlen, dann will ich das glauben“, so Zimmermann. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
„Dann könne ein Kopftuch „als Anstoß zur Toleranz anstatt als abstoßendes Beispiel einer Unterstützung von Terrorismus“ genutzt werden“; Nach dieser völlig vertrackten Logik müsste es dann auch wünschenswert und ein Beitrag zum Nahost-Frieden sein, syrische Lehrer und Schüler aufzunehmen, die im Unterricht das Hemd der Baath-Partei tragen. Ein syrischer Bekannter hat mir kürzlich ein Klassenfoto aus Damaskus gezeigt, wo alle in diesem Outfit zu sehen sind. Wäre das dann nicht auch ein Beitrag zur Vielfalt? Nein, genauso wenig wie Kopftuch und Salafistenbart! Meine Überzeugung ist klar: Religiöse, politische und weltanschauliche Kleidungsstücke gehören ins Privatleben und haben in Schulgebäuden nichts verloren.
15.07.18
21:38
Johannes Disch sagt:
Es ist schlicht falsch, dass religiöse Symbole ins Privatleben gehören. Wir sind ein säkularer Staat, der das religiöse Bekenntnis auch im öffentlichen Raum erlaubt, auch durch gewisse Kleidung wie beispielsweise das Kopftuch. Und dass Kopftücher in Schulen sehr wohl etwas zu suchen haben, das hat das Bundesverfassungsgericht 2015 unmißverständlich festgestellt, als ein Kopftuchverbot für Lehrerinnen als verfassungswidrig deklariert hat.
16.07.18
3:12
Manuel sagt:
@Johannes Disch: Und man darf auch in unserem Staat gegen das Kopftuch sein, auch das sollten Sie nicht vergessen!
20.07.18
18:19