Bayern

Modellversuch „Islamischer Religionsunterricht“ läuft aus

In Bayern läuft der erfolgreiche Modellversuch „islamischer Religionsunterricht“ aus. Die Landesregierung plant keine flächendeckende Ausweitung des Schulfaches.

09
07
2018
Symbolbild: Schule © shutterstock, bearbeitet by iQ.
Symbolbild: Unterricht © shutterstock, bearbeitet by iQ.

In Bayern wird seit fast zehn Jahren islamischer Religionsunterricht sehr erfolgreich als Modellversuch angeboten. An etwa 350 bayerischen Schulen wird islamischer Religionsunterricht als Schulfach unterrichtet. 15 Prozent der muslimischen Schüler in Bayern nehmen daran teil. Die Resonanz fällt sehr positiv aus. Das Modellprojekt läuft allerdings im nächsten Jahr aus. Ob das Projekt weitergeführt wird, ist noch unklar, wie die Onlinezeitung „nordbayern“ berichtete.

Die Landesregierung hat noch keinen Beschluss gefasst. In einem Jahr, wenn das Projekt ausgelaufen ist, soll erst die Evaluation erfolgen. Eine Entscheidung ist also erstmal nicht in Sicht. Die Evaluation soll durch das Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung (ISB) durchgeführt werden. Das ISB hat auch schon die Zwischenevaluation des Modellversuchs im Jahr 2014 durchgeführt und sehr gute Ergebnisse attestiert. Die Akzeptanz von islamischem Religionsunterricht bei Schülern, Lehrern sowie Eltern wurde als „sehr hoch“ eingestuft und die Qualität des Unterrichts mit „sehr gut bis gut“ bewertet.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat den flächendeckenden Ausbau von islamischem Religionsunterricht aber bereits abgelehnt. Stattdessen schlägt er Sprachklassen mit Werteunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund vor. Auch Kultusminister Minister Bernd Sibler (CSU) spricht sich für einen Werteunterricht anstelle von islamischem Religionsunterricht aus.

Professor Tarek Badawia vom Lehrstuhl für Islamisch-Religiöse Studien der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) bedauert diese Debatte. Er wünsche sich ein „eindeutiges Ja“ zum islamischen Religionsunterricht „ohne hätte, könnte oder sollte“, so der Professor gegenüber „nordbayern“. Die erfolgreiche Umsetzung von IRU in den letzten zehn Jahren dürfe nicht zerredet werden.

Auch Professor Manfred Pirner vom FAU-Lehrstuhl für evangelische Religionspädagogik spricht sich für die Fortsetzung des Modellversuchs aus. Der Mehrwert von islamischem Religionsunterricht sei nicht mit dem eines Werteunterrichts vergleichbar. Religiöse Gefühle und Vorstellungen von muslimischen Schülern würden hier ernst genommen werden.

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Für den konfessionellen Religionsunterricht sprechen eigentlich nur Macht- und Lobby-Interessen der Religionsverbänden. Er unterstützt auf Staatskosten deren Anliegen auf Frühkind-Indoktrination. Anstatt religionsunmündige Minderjährige nach dem Religionsbekenntnis ihrer Eltern auszusortieren und in unterschiedliche konfessionelle Unterrichtsfächer zu stecken, sollte der viel integrativere gemeinsame Ethikunterricht für alle ausgebaut werden. Der konfessionelle christliche Religionsunterricht an staatlichen Schulen auf Staatskosten ist ein Relikt aus einer Zeit, in welcher das Christentum einzige Staatreligion war. Er sollte nach französischem Vorbild abgeschafft werden. Derzeit gibt es hier sicher verfassungsrechtliche Hindernisse. Angestaubte grundgesetzliche Bestimmungen sind allerdings nicht in Stein gemeißelt, sondern können jederzeit geändert werden. Gut finden würde ich einen bundesweiten Volksentscheid zu diesem Thema wie in Berlin im Jahr 2009, der zugunsten des verbindenden Ethikunterricht und gegen den schubladisierenden Religionsunterricht ausgegangen ist.
10.07.18
7:46
M.Al-Faruqi sagt:
Interessant ist doch folgendes: Frau Fabel nimmt ihre Abneigung für den Islam und Muslime zum Anlass und will Artikel 7, Absatz 3 streichen, der da lautet: "Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach. Unbeschadet des staatlichen Aufsichtsrechtes wird der Religionsunterricht in Übereinstimmung mit den Grundsätzen der Religionsgemeinschaften erteilt." Und die AfD nimmt ihre Abneigung für den Islam und Muslime zum Anlass und will Artikel 16 a streichen, der da lautet: "Politisch Verfolgte genießen Asylrecht." Das GG ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn wir aber so weitermachen wie in den vergangenen Jahren, mit 52 Änderungen seit 1949, dann bleibt bald nicht mehr viel übrig von unserem GG.
10.07.18
13:58
Frederic Voss sagt:
Ein besonderer Werteunterricht - mit Thematisierung islamischer Weltbilder & Interpretationsvarianten - ist sehr zu begrüßen. Auch Aufklärung über verschiedenste Religionsmodelle und Sichtweisen ist dringend notwendig. Politisch motivierte Frühindoktrination über religiöse Fremdbestimmung und einseitige Erziehung zur Gehorsamkeit gegenüber predigenden "Führern" haben 2018 in Europa nichts mehr verloren.
11.07.18
10:58
Ute Fabel sagt:
„Frau Fabel nimmt ihre Abneigung für den Islam und Muslime zum Anlass und will Artikel 7, Absatz 3 streichen,“ Falsch! Ich bin für eine generelle Streichung des konfessionellen Religionsunterricht in Schulen, des christlichen, islamischen und jüdischen gleichermaßen. Die Jugendgruppen der Religionsgemeinschaften stehen allen Eltern offen, die ihren Nachwuchs religiös erziehen wollen. Sie können ihre Kinder in ihrer Freizeit dorthin schicken. Die schwedischen Sozialdemokraten haben im Falle ihres Wahlsiegs im Herbst 2018 die Abschaffung der konfessionellen Schulen versprochen. Die regierenden Sozialisten in Spanien haben in ihrem Wahlprogramm die Aufkündigung des privillegierenden Konkordats mit der katholischen Kirche. Mit der linken Podemos und der liberalen Ciudadanos gibt es für dieses berechtigte politische Anliegen eine breite Mehrheit. Religion ist Privatsache. Kirchen und Staat sind konsequent zu trennen. Das sichert die Gleichheit aller Religionen und Weltanschauungen vor dem Gesetz und damit die Wahrung der positiven und negativen Religions- und Weltanschauungsfreiheit optimal.
11.07.18
16:05
Kritika sagt:
L.S. Die Indoktrination unserer Kinder mit Islamisches Getue ist schädlich. Wir brauchen weder Koranschulen noch Islam Indoktrination-SOFT an unseren Schulen. Wir brauchen an unseren Schulen die Überzeugung: IslamUnterricht ist schädlich und verwerflich weil der Islam unsere Demokratie untergräbt und auf Nonsense beruht. Gruss, Kritika
12.07.18
1:18