Studie

„Islamfeindliche Beiträge im Vergleich radikaler“

Einer aktuellen Studie zufolge sind Islamfeindlichkeit und religiös motivierter Fundamentalismus eng miteinander verknüpft und verstärken sich gegenseitig. Dies zeigt sich besonders im Internet.

03
07
2018
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Symbol: Volksverhetzung im Netz © dolphfyn / Shutterstock.com
Symbol: Volksverhetzung im Netz © dolphfyn / Shutterstock.com

Feindlichkeit gegen Muslime und religiös motivierter Extremismus sind eng miteinander verknüpft und verstärken sich gegenseitig. Mobilisierungs- und Radikalisierungsstrategien beider Lager ähneln sich und auch ideologisch gibt es Gemeinsamkeiten. Dies zeigt sich besonders in der Internetpropaganda in sozialen Netzwerken. Zu diesen Ergebnissen kommt eine in Berlin vorgestellte neue Studie unter dem Titel „Hassliebe“ des Jenaer Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Londoner Institut für Strategischen Dialog, die vom Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert wurde.

Hierzu wurden über 10.000 religiös motivierte und rechtsextreme Facebook-Inhalte und mehr als eine Million deutschsprachige muslimfeindliche Twitter-Beiträge aus dem Zeitraum zwischen 2013 und 2017 analysiert.

Die Analyse religiös motivierter und rechtsextremer Beiträge in sozialen Netzwerken zeigt, dass die Themen der beiden radikalisierten Milieus miteinander interagieren. Wechselseitige Bezüge dienen der Behauptung einer durch die jeweils andere Gruppe bedrohten Opferidentität. Der Studienautor und Politikwissenschaftler Maik Fielitz stellt fest: „Extreme Rechte und ´Islamisten´ lehnen Freiheit, Pluralismus und Liberalismus ab. .

Islamfeindliche Beiträge im Vergleich radikaler

Linguistische Analysen der Beiträge islamistischer und rechtsextremer Konten zeigen, dass religiös motivierte Netzinhalte von den sozialen Netzwerken effektiver entfernt als rassistische und rechtsextreme Botschaften werden. Die Londoner Extremismusexpertin Julia Ebner hebt hervor, dass das Ausmaß offen rechtsextremer und muslimfeindlicher Inhalte übertreffe das Ausmaß religiös motivierte Inhalte bei Weitem. Vor allem im Nachgang von Terroranschlägen steige die Zahl antimuslimischer Beiträge in den Sozialen Medien an und neue Begriffe zur pauschalen Abwertung von Muslime werden in das Vokabular der Rechtsextremen übernommen.

Islamfeindlichkeit und Antisemitismus gemeinsam begegnen

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass beide Seiten in einem wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnis stehen, um ihren extremistischen Narrativen Glaubwürdigkeit und ihren Aktivitäten Legitimität zu verleihen. Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung, fordert, dass antimuslimischer Rassismus und Antisemitismus zusammengedacht und gemeinsam begegnet werden müssen.