Freitagspredigten, 29.06.2018

Verwandtschaftsbande und islamische Erziehung

Die Hutba (Freitagspredigt) wird beim wöchentlichen Freitagsgebet der Muslime gehalten und behandelt sowohl religiöse, als auch gesellschaftliche Themen. Jede Woche liefert IslamiQ einen Überblick.

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Gebetsketten
Muslimische Gebetsketten in einer Moschee © by Beggs auf flickr.com (CC BY 2.0), bearbeitet IslamiQ

In der Freitagspredigt der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) wird das Thema Verwandtschaft als Segen und Prüfung thematisiert. Der Mensch sei ein soziales Wesen, mit dem Bedürfnis nach zwischenmenschlicher Beziehung und Nähe. Die Ehe zwischen Mann und Frau beispielsweise stelle im Islam eine besondere und gleichzeitig sehr natürliche soziale Beziehung dar. Aber auch die Beziehung zu Verwandten werde im Islam als Segen und Verantwortung betrachtet. Im Koran heißt es dazu: „Ich bin Rahmân (der Barmherzige), und habe die Verwandtschaftsbeziehung (Rahîm) geschaffen und sie nach mir benannt. Wer ein gutes Verhältnis zu seinen Verwandten hat, den werde ich segnen, und wer mit seinen Verwandten bricht, mit dem werde ich brechen.“ (7:137)

Die Pflege der Verwandtschaftsbande sei daher die Pflicht eines jeden Muslims. Die Beziehung zu Verwandten ginge nicht nur mit Glück einher, sondern erfordere auch viel Geduld und Nachsicht. Daher sei die Verwandtschaft für jeden Muslim Segen und Prüfung zugleich.

Verwandtschaftsbande pflegen

In der Freitagspredigt der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) geht es diese Woche ebenfalls um das Thema Verwandtschaft und die Pflicht die Beziehung zu pflegen. Der Mensch sei mit bestimmten Verantwortungen und Pflichten gegenüber seinem Schöpfer, sich selbst und seinen Mitmenschen erschaffen worden. Eine dieser Pflichten seinen Mitmenschen gegenüber sei die Pflege der Verwandtschaftsbande. Dies werde definiert als: „Verwandtschaft entsteht durch ‎Blut-/Familienzugehörigkeit und ‎Eheschließung. Die Verwandtschaftspflege ‎wird verwirklicht durch Aufrechterhaltung ‎der Beziehungen mit den Verwandten, ‎durch Fortführung der Beziehung mit der ‎Verwandtschaft, durch das Sorgen um sie, ‎durch Hilfsleistung für sie und durch ‎Besuch von ihnen.“

In der Moderne werde die Pflege der Verwandtschaftsbande zunehmend erschwert. Soziale Beziehungen würden zu Kontakten in sozialen Netzwerken verkommen. Das soziale Leben spiele sich zu oft nur noch in einer virtuellen Welt ab, anstatt im wirklichen Leben. Deshalb sollten Muslime sich auf ihre Werte zurückbesinnen und ihre Verwandten aufsuchen.

Islamische Erziehung

Die Freitagspredigt des Verbandes der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) handelt von der islamischen Erziehung und Bildung von Kindern. Die religiöse Bildung und Entwicklung von Kindern sei in hohem Maße von dem Verantwortungsbewusstsein und dem Engagement ihrer Eltern abhängig. Die negativen Einflüsse, denen Kinder und Familien zunehmend ausgesetzt seien, erschweren die religiöse Erziehung allerdings. Deshalb sei es wichtig, die Sorgen und Bedürfnisse von Kindern ernst zu nehmen, sich auf sie einzulassen und ihnen mit Liebe und Nachsicht zu begegnen. Nur so könne ein gutes Fundament für eine gute Entwicklung aufgebaut werden.

Für die religiöse Erziehung von Kindern sei besonders das Erlernen des Koran von großer Bedeutung. Dabei werd eempfohlen schon im frühen Kindesalter damit zu beginnen. In einem Ausspruch des Propheten heißt es: „Erzieht eure Kinder mit diesen drei Charaktereigenschaften: Mit der Liebe zu eurem Gesandten, der Liebe zu seiner Ehl-i Beyt und mit der Lektüre des Kuran-ı Kerim.“ Deshalb bieten die Moscheen des VIKZ in den Ferien Koran-Kurse für Kinder an.

Jeden Freitag blickt die IslamiQ-Redaktion auf die Freitagspredigten der muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland und gibt einen Überblick.