Ramadan

Das Tarâwîh-Gebet: Spiritualität gemeinsam erleben

Während des Ramadans wird in vielen Moscheen das Tarawîh-Gebet verrichtet. Warum dieses besondere Nachtgebet eine spirituelle Bereicherung darstellt, erklären wir hier.

09
06
2018
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Symbolbild: Tarawîh © by DVIDSHUB auf Flickr (CC BY - 2.0), bearbeitet islamiQ
Symbolbild: Tarawîh © by DVIDSHUB auf Flickr (CC BY - 2.0), bearbeitet islamiQ

Eine wesentliche Besonderheit im islamischen Fastenmonat Ramadan ist das Tarâwîh-Gebet, das aus 20 (nach anderen Überlieferungen mindestens acht) Gebetsabschnitten besteht. Es wird während des gesamten Monats nach dem letzten Pflichtgebet des Tages verrichtet.

Ursprünge des Tarâwîh-Gebets

Das Wort „Tarâwîh“ bedeutet „sitzen“ oder „sich ausruhen“. Der Name leitet sich von der Praxis ab, nach jeweils vier Gebetsabschnitten kurz zu pausieren.

Seinen Ursprung hat das Gebet in einigen vom Propheten Muhammad (s) überlieferten Taten und Aussagen. Einem von Abû Hurayra (r) überlieferten Hadith zufolge empfahl der Gesandte Gottes das Tarâwih-Gebet in den Ramadannächten zu beten und sagte diesbezüglich: „Wer aus reinem Glauben und den Lohn von Gott erwartend die Nächte im Ramadan mit Gottesdiensten verbringt, dem werden seine vergangenen Sünden vergeben.”[1] Abû Hurayra (r) berichtet, dass der Prophet im Ramadan eine Gruppe von Muslimen während der Nacht gemeinsam beten sah und sagte: „Das machen sie richtig, welch schöne Tat.“ [4]

In seiner heutigen Form als Gemeinschaftsgebet in den Moscheen wurde das Tarâwîh-Gebet in der Zeit des zweiten Kalifen Umar ibn al-Hattâb (r) eingeführt und von seinen beiden Amtsnachfolgern, Usmân (r) und Ali ibn Abî Tâlib (r), beibehalten. Nach dem Status des Tarâwîh-Gebets befragt, sagte Imam Abû Hanîfa: Das Tarâwîh-Gebet ist zweifellos eine regelmäßige Sunna (Sunna al-muakkad). Umars (r) Anordnung, das Gebet in der Gemeinschaft mit 20 Gebetsabschnitten zu verrichten, ist keine Neuerung (Bid‘a) und geschah auch nicht aus persönlichen Beweggründen. Vielmehr ist diese Anordnung auf eine Empfehlung Muhammads (s) zurückzuführen.“

Eine besondere Atmosphäre

Das Tarâwîh-Gebet ist kein Pflichtgottesdienst, sondern eine Sunna. Trotzdem legen viele Muslime – Männer und Frauen – großen Wert darauf, das Gebet in der Moschee zu verrichten.

Gerade in Ländern mit überwiegend nichtmuslimischer Bevölkerung tritt vor allem hier die gemeinschaftliche Dimension des Ramadan hervor.

Wer tagsüber arbeiten muss, zur Universität oder in die Schule geht, hat jetzt die Gelegenheit, mit anderen Menschen in der Moschee zusammenzukommen und an der feierlichen Atmosphäre teilzuhaben, die dort den ganzen Monat über herrscht.

In den Sommermonaten beginnt das Tarâwîh-Gebet in Deutschland und anderen europäischen Ländern recht spät. Imame sollten hierauf natürlich Rücksicht nehmen, aber trotzdem darauf achten, die Verse, die während des Gebets rezitiert werden, möglichst langsam und deutlich zu rezitieren. Ziel ist es oft, im Verlauf des Monats den Koran einmal komplett vorzutragen. Ansonsten können auch kürzere Suren gewählt werden, um die Konzentration der Gemeinde nicht zu strapazieren und Fehler bei der Rezitation zu vermeiden.

Gerade in dieser Umgebung wird das Tarâwîh-Gebet als spirituelle Bereicherung erlebt. Eltern sollten wenn möglich ihre Kinder mit dieser schönen Tradition des gemeinsamen spirituellen Erlebens vertraut machen.