Studie

Muslime werden bei Jobsuche benachteiligt

Eine aktuelle Studie des WZB hat gezeigt, dass Muslime und Menschen mit Wurzeln in Afrika auf dem Arbeitsmarkt besonders häufig diskriminiert und bei der Jobsuche benachteiligt werden.

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2018
Bewerbung als © auf https://www.flickr.com/photos/dskley/14692470997/in/photolist-oojKKt-25nRU7M-uLpWpa-p3sYT4-216PdJG-22g9xq2-eoS36N-jSFZrV-aW8BSD-aW8Dq8-aW8Dnc-aW8Btk-jSFZRH-aW8DFP-aW8D6c-aW8CJ8-aW8DbH-aW8BL6-h3FKsP-aW8DKZ-7TAKPe-aW8DSV-aW8CAx-aW8D3M-g1WTsB-22xQPGy-gXy9d3-22g9AbH-nemjKs-aW8DV8-aW8D2k-aW8Dup-aW8BNp-aW8BFn-aW8BcK-aW8BfD-aW8BTX-aW8BkM-aW8CDn-aW8DWT-aW8BHv-aW8DXP-aW8BRM-aW8BUX-aW8Cii-aW8BuB-aW8CgZ-nem6p8-aW8Byc-gXz3TT by Dennis Skley https://www.flickr.com/photos/dskley/, bearb. iQ.

Laut einer Studie variiert ethnische Diskriminierung auf dem deutschen Arbeitsmarkt je nach Herkunftsland stark. Dies sei auch der Fall, wenn die Bewerber in Deutschland geboren seien, heißt es in der am Mittwoch vorgestellten Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB).

Viele junge Menschen mit Migrationshintergrund, deren Eltern etwa aus europäischen oder ostasiatischen Ländern stammen, haben danach kaum Nachteile. Dagegen seien die Chancen für Menschen mit Wurzeln in Afrika oder in muslimischen Ländern weitaus schlechter. Als Hauptgrund für ethnische Diskriminierung nennen die Autoren kulturelle Distanz, die zur Ablehnung führe. Ein Forscherteam des WZB untersuchte eigenen Angaben zufolge erstmals detailliert für 34 Herkunftsländer die Ursachen von Diskriminierung.

In dem Feldexperiment verschickte ein Forscherteam nach eigenen Angaben von 2014 bis 2016 über 6.000 fiktive Bewerbungen für acht Ausbildungsberufe auf reale Stellenausschreibungen. Neben dem Herkunftsland der Eltern der Bewerberinnen und Bewerber – Deutschland oder eines von 34 anderen Ländern – , ihrem phänotypischem Erscheinungsbild – schwarz, weiß oder asiatisch – und ihrer Religionszugehörigkeit – keine Religion, christlich, muslimisch oder buddhistisch/hinduistisch – wurden weitere Merkmale der Bewerbungen variiert wie das Geschlecht oder der Notendurchschnitt.

Während danach 60 Prozent aller Bewerber ohne Migrationshintergrund eine positive Rückmeldung erhielten, war dies nur bei 51 Prozent der Bewerber mit Migrationshintergrund der Fall – trotz gleicher Qualifikation. Die Analysen der WZB-Studie zeigten erstmals detailliert, dass Bewerber aus manchen Herkunftsländern erheblicher Arbeitsmarktdiskriminierung ausgesetzt seien, während sich die Chancen anderer Gruppen nicht wesentlich von denen der Bewerber ohne Migrationshintergrund unterschieden. Bewerber mit spanischen Wurzeln würden sogar bevorzugt behandelt.

Arbeitgeber stützten ihre Auswahlentscheidung weniger auf Leistungs- und Produktivitätsunterschiede zwischen Gruppen, sondern eher auf Kultur und Werte, die sie mit der Gruppenzugehörigkeit verbinden. Bewerber mit Migrationshintergrund würden nur dann benachteiligt, wenn die Werte der Menschen im Herkunftsland stark von denen der Deutschen abwichen. Bewerber, die aus Ländern mit Werten stammten, die den deutschen Durchschnittswerten ähnlich seien, würden dagegen kaum diskriminiert. Auch die Diskriminierung von Bewerbern mit einem schwarzen Phänotyp und von Muslimen lasse sich besser über Werteunterschiede als über Leistungsdifferenzen erklären.

Muslimische Bewerber und Bewerber mit schwarzer Hautfarbe erhielten sieben Prozent weniger positive Rückmeldungen auf ihre Bewerbungen im Vergleich zu weißen und christlichen Bewerbern. Dagegen gebe es keine Hinweise auf Diskriminierung von Menschen mit einem asiatischen Aussehen oder einer hinduistischen oder buddhistischen Religionszugehörigkeit. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S. Auch "negative Diskrininierung" soll die Studie aufgedekt haben: Bewerber aus den Niederlanden und der Schweiz sollen -- bei gleicher Qualification -- anderen Landsleuten vorgezogen worden sein. -- Kritika freut sich natürlich. Ein verantwortungsvoller Abteilungsleiter stellt hohe Anforderungen an der Teamfähigkeit seiner Abteilung: lieber jemand mit guten Noten und Zeugnissen abweisen als später menschliche Konflikte zu bekommen. (zB spontan Handschlag verweigern, mit Kopftuch beim Kunden erscheinen usw. ) Jemand entlassen zu müssen birgt heute grosse Schwierigkeiten. In diesem Punkt kommen natürlich Muslims mit einem selbstgewählten Handycap (nicht zu verwechseln mit Vorurteil) daher. Kritika hat einmal eine prima geeignete aber aufgetakelte Bewerbering gebeten, sich noch einmal aber dann 'abgetakelt' vorzustellen. Sie ging darauf ein, ich habe sie eingestellt : sie wurde eine gute Mitarbeiterin. Was in diesem Beitrag als 'Vorurteil' dargestellt wird, das wird der Abt.Leiter eher als ein "ausgewogenes Werten der Eigenschaften des Bewerbers unter Berücksichtigen der RisikoGruppen" sehen. Gruss, Kritika
08.06.18
23:36
Karsten sagt:
Wie kommt es dann, dass ich so viele muslimische Kollegen habe, deren Eltern aus der Türkei bzw. Marokko kamen?
11.06.18
10:08
Johannes Disch sagt:
@Karsten Schön, dass Sie so viele muslimische Kollegen haben. Dass Muslime allerdings benachteiligt werden, ist schon länger ein Fakt und wurde schon durch viele Studien untermauert. Bei gleicher Qualifikation müssen ein Ali und eine Hatice etwa zehn Mal mehr Bewerbungen schreiben, um eine Stelle z bekommen als ein Alfred oder eine Heidi.
12.06.18
18:16
grege sagt:
Vielleicht sollte man auch überlegen, welche Fehler und Missstände innerhalb der muslimischen Community liegen, bevor hier blindlings wieder mit dem Rassismusstempel hantiert wird...
21.06.18
18:53