Ramadan 2018

Fasten in anderen Religionen

Zur Zeit fasten Muslime im Monat Ramadan. Aber auch in anderen Religionen ist das Fasten ein religiöses Gebot. Hier stellen wir einige davon kurz vor und zeigen: die Rituale sind verschieden, doch das Ziel verbindet.

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06
2018
Vorbereitungen für das gemeinsame Fastenbrechen im Islam (Iftar). Copyright Rajesh_India auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.
Vorbereitungen für das gemeinsame Fastenbrechen im Islam (Iftar). Copyright Rajesh_India auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

In diesen Tagen fasten Muslime in aller Welt täglich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Vier Wochen dauert der jährliche Fastenmonat Ramadan. Er gehört zu den fünf grundlegenden Gottesdiensten im Islam, die jeder erwachsene, gesunde Muslim beachten muss. Auch in anderen Religionen werden bestimmte Fastenzeiten eingehalten.

Fasten im Judentum

Der wichtigste Fasten- und gleichzeitig höchste Feiertag im Judentum ist der Versöhnungstag (Jom Kippur). Er wird zehn Tage nach dem jüdischen Neujahrfest im September oder Oktober gefeiert. Die Fastenpflicht, die für jüdische Frauen ab 12 Jahren und jüdische Männer ab 13 Jahren gilt, geht auf das 3. Buch Mose zurück. Nach jüdischer Überlieferung verzeiht Gott den Menschen an diesem Tag ihre Sünden. Nicht nur die Nahrungsaufnahme, auch Körperpflege (mit Ausnahme der Schmutzbeseitigung) und ehelicher Verkehr sind an diesem Tag untersagt.

Der Versöhnungstag beginnt vor dem Sonnenuntergang am Abend des 9. Tischri mit einem speziellen Gebet und endet am Abend des darauffolgenden Tages. Fromme Juden verbringen fast den ganzen Tag in der Synagoge, wo aus der Thora gelesen und um Vergebung gebeten wird.

Auch am Tischa beAw, dem 9. Tag des Monats Aw, wird in Erinnerung an die Zerstörung des Zweiten Tempels gefastet. Weitere Fastentage im jüdischen Kalender sind die sieben Tage vor dem Pessach-Fest und der Tag vor dem Purim fest. Hier bedeutet Fasten allerdings nicht den völligen Verzicht auf Essen und Trinken, sondern nur auf bestimmte Nahrungsmittel.

Fasten im Christentum

Im Christentum gilt traditionell die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag als wichtigste Fastenzeit im liturgischen Kalender. Während eines Zeitraums von vierzig Tagen sollen sich Christinnen und Christen dem Verzehr von Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Eiern enthalten. Gegessen wird meist nur einmal täglich am Abend.

In der katholischen Kirche wurde das Fastengebot von Papst Paul VI. im Rahmen des Zweiten Vatikanischen Konzils neu geregelt und gelockert. Orthodoxe Christinnen und Christen dagegen praktizieren die „Große Fastenzeit“ vor Ostern weiterhin recht streng. Auch die vierzigtägige Fastenzeit vor Weihnachten wird in Ländern mit orthodoxer Mehrheitsbevölkerung wie z. B. Griechenland von vielen Menschen beachtet. Eine verbindliche Fastenpflicht gibt es im Christentum nicht. Allerdings wird die Einhaltung der Fastenzeiten und das wöchentliche Fasten am Mittwoch und Freitag allen Christen zwischen dem 21. und 60. Lebensjahr empfohlen.

Fasten in den östlichen Religionen

Fastenperioden im Hinduismus und Buddhismus gehen meist nicht auf eine konkrete textliche Überlieferung oder besondere Ereignisse in der Geschichte dieser Religionen zurück.

Sie dienen der Selbsterziehung und Askese und werden oft in die individuelle Meditationspraxis integriert. Es existieren in der Regel keine konkreten Vorschriften, auf welche Lebensmittel und Praktiken wie lange verzichtet werden muss. So können einige Gläubige zur Erfüllung ihres Fastengelübdes nur pflanzliche Nahrungsmittel zu sich nehmen, andere dagegen nur Wasser trinken, usw.

Verschiedene Rituale – Ein Ziel

Das Ramadan-Fasten gehört sicher zu den bekanntesten Formen des religiös begründeten Fastens. Aber auch in allen anderen großen Weltreligionen gibt es Fastenzeiten. So unterschiedlich diese praktisch ausgestaltet sind, haben sie doch alle das selbe Ziel. Menschen sollen für eine bestimmte Zeit aus ihrer Alltagsroutine heraustreten, sich durch den Verzicht auf Bedürfnisse und Triebe von der Welt abwenden und ihren Geist für das Spirituelle öffnen.

 

 

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
„Im Christentum gilt traditionell die Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag als wichtigste Fastenzeit im liturgischen Kalender. Während eines Zeitraums von vierzig Tagen sollen sich Christinnen und Christen dem Verzehr von Fleisch, Fisch, Milchprodukten und Eiern enthalten. Gegessen wird meist nur einmal täglich am Abend.“ Ich habe in meinem ganzen Leben noch keinen einzigen Christen in Deutschland und Österreich kennengelernt, der sich um diese Fastenregelungen auch nur ansatzweise kümmert. Deren Zahl muss mittlerweile im Promillebereich unter der Wahrnehmungsschwellecliegen. Ist die Welt dadurch schlechter geworden? Gewiss nicht!! Daran sieht man, dass religiöse Dogmen abänderbar sind. Dieser Umstand sollte alle Moslems ermutigen auf das Ramadan-Fasten zu pfeifen und sich Wichtigerem und Nützlicherem zu widmen.
03.06.18
21:07
Charley sagt:
Leer laufende Routine?!! - Religionsfolklore! Der "Entsagungsschmerz" ist kein Selbstzweck, sondern ist Begleiteffekt einer Geburt, wie jede Geburt eben mit Geburtwehen verbunden ist. Aber was will der Islam im Ramadan gebären? Sich auf die Schulter klopfen, eine Gottesprojektion erfüllt zu haben ("Fastengebot")? Der Heißhunger, die Genusssucht mit der man dann das nächtliche "Fastenbrechen" angeht (Essensvorbereitung, erfüllte Freude, sich mit Freunden, der Familie in dieser Genusserfüllung zu vereinigen) in der Befriedigung des aufgestauten Heißhungers, ist eher eine Steigerung der Essbegierde als ein Herabdämpfen derselben zum Zweck der "Gotteszuwendung". Zudem ist die Enthaltung von Trinken weder gesund noch geistig produktiv, da das Gehirn erheblich leidet unter dem Wasserentzug. - Nett, wenn man in südlicheren Gefilden Moslem sein darf, heftig, wenn man in (Nord-)Skandinavien das sein muss... aber da ist dann plötzlich Sonnenauf- und -untergang nicht mehr so wichtig (gibts ja auch gar nicht nördlich des Polarkreises), sondern dann hält man sich plötzlich an die Sonnenaufgangs- und -untergangszeiten von Mekka. Hauptsache man macht mit, mit der Folklore. - Im Ramadan fastende Moslems nehmen tendenziell eher zu als ab! - Ein Intervallfasten, wie es die Buddhisten oftmals pflegen (keine Nahrungsaufnahme nach 16:00) ist langfristig viel wertvoller für die Überwindung der Essbegrierde. Gleichfalls kann tatsächlich ein Bemühen um einfache Nahrung viel weiter bringen in der Auflösung der inneren Begierden. Die üppigen Gelage und Festmahle des Fastenbrechens der Moslems sind dafür geradezu eine Karrikatur!
07.06.18
1:43
Andreas B sagt:
@Ute Fabel Sie sind schlecht informiert! Ich kenne viele Christen, die in der Fastenzeit fasten. Allerdings haben sich die Formen des Fastens verändert. Und bei Christen aus den Ostkirchen (z.B. Russisch-Orrthodoxe oder Kopten) wird das Fasten in der ursprünglichen Form noch sehr ernst genmommen und praktiziert. Ihr ständiges Gegenüberstellen von Fasten und "sich etwas Wichtigerem und Nützlicherem zu widmen" ist eher unsinnig. Das eine schließt das andere doch gar nicht aus. Hier einen Gegensatz zu konstruiren hat eher mit Hetze zu tun.
07.06.18
11:42
Charley sagt:
@Andreas: Ja, es gibt auch im Christentum "Fasten". Auch das Sich-Enthalten des roten Fleisches am Freitag (stattdessen Fisch) gehört dazu. Es gibt da viele Traditionen, die aber auch Folklore sind, genau wie im Islam. Es sei denn, man hätte ein Bewusstsein davon, wie sich diese "spirituelle Technik" wirksam in einen Gesamtkanon von anderen Übungen einfügt. Da das in den Religionen, wenn sie nicht unmittelbare esoterische Tradition sind, verloren gegangen ist, ist es doch nur Herumgemache. Wahrhaftiges Fasten entsteht, wenn die innere Entwicklung sich so darstellt, dass man einfach nicht mehr mag.... dass man einfach nicht mehr mag, - sich den Bauch vollzuschlagen, bis der innere Säftemensch kollabiert und man die Voller-Bauch-Matsch-Birne hat, - wenn man erlebt, wie Alkohol schlichtweg die Gebets- und Meditationsfrüchte zerstört und man beständig "auf Start zurück" geworfen wird, - wenn man erlebt, dass bestimmte Speisen einen innerlich lähmen...., wenn man erlebt, dass man im Schlaf ein klareres Bewusstsein hat, wenn man sich nicht vorher den Bauch vollgeschlagen hat.... (gerade in dieser Betrachtungsebene sind die muslimischen Vorgehensweisen für mich schlichtweg unsinnig!). Wenn man nichts erlebt, kann man natürlich noch in überkommenen Traditionen und Folklore herum machen... und sich dann "toll fühlen", weil man ja "zur großen Gemeinde" gehört. .... zur großen Gemeinde der Orientierungslosen, .... auch "Umma" genannt.
07.06.18
18:38
Ute Fabel sagt:
@ Andreas B: „Hier einen Gegensatz zu konstruiren hat eher mit Hetze zu tun.“ Der Gott, an den die Mormonen glauben, hat bestimmte Vorlieben hinsichtlich Unterwäsche, die bis zu den Knien und Ellbogen reichen muss. Der Gott, an den die amischen Christen glauben, liebt hingegen Hosenträger, aber keine Gürtel. Der Gott, an den die Zeugen Jehovas glauben, verabscheut Bluttransfusionen. Die christlichen Flagellanten des Spätmittelalters waren überzeugt davon, dass es öffentliche Selbstauspeitschungen sind, die den Menschen am nähesten zu Gott führen. Natürlich sind all diese Glaubenssätze keine Ausschlussgründe, um nebenbei auch noch Gutes tun zu können, aber wie ich meine ebenso wie das Ramadan-Ritual völlig unnützer Ballast. In unserer Gesellschaft, die auf Meinungsfreiheit beruht, ist es gut und richtig, religiöse Traditionen unverblümt als bescheuert zu bezeichnen. Das ist keine Hetze, sondern die Ausübung eines verfassungsrechtlich geschützten Grundrechts. .
07.06.18
18:56
Charley sagt:
@Ute Fabel: Jedem seine sinnfreie Folklore zum "wohlfühlen"!
11.06.18
23:12