ISLAM-INSTITUT IN BERLIN

Umstrittener Vertrag bekommt weitere Unterstützung

Das geplante Institut für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität (HU) bekommt weitere Unterstützung. Während der Zentralrat (ZMD) den Vertrag unterzeichnet, wird die Islamische Föderation in Berlin (IFB) ihre Mitglieder befragen.

16
04
2018
Islam-Institut an der Humboldt Universität in Berlin
Islam-Institut an der Humboldt Universität in Berlin © mjaysplanet auf flickr, bearbeitet by IslamiQ

Das Institut für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität (HU) kann vorerst nicht wie geplant eingerichtet werden. Wie der Berliner Senat und die Universität am Freitag nach einem Treffen mit den islamischen Religionsgemeinschaften bekannt gaben, haben bislang nur die Islamische Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) und der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) der Kooperationsvereinbarung zugestimmt. Zudem wolle die Islamische Föderation in Berlin ihre Mitglieder innerhalb einer Woche befragen.

„Der Vertragsentwurf greift in Teilen in das Selbstverwaltungs- und Organisationsrecht der Religionsgemeinschaften ein. Und zwar nicht nur in das Recht der IFB, sondern auch in das Recht der IFB-Mitgliedsgemeinden. Deshalb werden wir den Vertragsentwurf mit unseren Mitgliedsgemeinden beraten und gemeinsam über die Unterzeichnung entscheiden“, erklärt Murat Gül, Vorsitzender der Islamischen Föderation Berlin (IFB).

Der ZMD wolle trotz der Bedenken eine islamische Theologie an der Humboldt Universität Berlin nicht gefährden. „Obwohl wir Bedenken haben, was die Umsetzung der religionsverfassungsrechtlichen Vorgaben betrifft, haben wir uns zu diesem Schritt entschlossen, um dieses wichtige gemeinsame Ziel, eine Islamische Theologie an der Humboldt Universität Berlin zu errichten, nicht zu gefährden,“ so Lydia Nofal, stellvertretende Landesvorsitzende des ZMD Berlin. 

Berlins Wissenschafts-Staatssekretär Steffen Krach (SPD) hatte die muslimischen Vertreter zu einer Abschlussrunde über eine Teilnahme am Beirat eingeladen. Bisher hat nur die IGS dem Beitritt zugestimmt. Krach hatte betont, dass das Institut, an dem Wintersemester 2018/19 Imame und Religionslehrer ausgebildet werden sollen, auf jeden Fall kommen werde.

Zusammensetzung des Gremiums

Als Hintergrund für die zögerliche bis ablehnende Haltung der Muslime wurde Uneinigkeit über Abstimmungsmodalitäten in dem Gremium angenommen, dem auch vier externe Hochschullehrer und zwei HU-Vertreter angehören sollen. Das Gremium entscheidet unter anderem über die Berufung von Hochschullehrern für das Institut mit. Laut Kooperationsvertrag muss in diesen Fällen der Beirat mit Zweidrittelmehrheit zustimmen. Dem Gremium werden auch vier muslimische Professoren angehören, die von der HU bestimmt werden. Für den Fall, dass die vorgesehenen Religionsgemeinschaften nicht zur einer Mitarbeit auf der Grundlage des ausgearbeiteten Vertrages bereit sind, hatten Senat und Universität angekündigt, andere Verbände zur Mitwirkung einzuladen.

Islamische Religionsgemeinschaften als Arbeitsgeber

Der Beauftragte für die Institutsgründung, Michael Borgolte, hatte die Einladung der bisher vorgesehenen islamischen Religionsgemeinschaften mit dem Argument begründet, dass vor allem sie Träger von muslimischen Einrichtungen seien und damit als Arbeitgeber infrage kämen. Im Islam-Institut sollen die Absolventen eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung erhalten, die sie zu einem Einsatz als Imame oder Religionslehrer qualifiziert. Gegenwärtig werden diese Stellen in der Regel mit Theologen besetzt, die im Ausland ausgebildet wurden. (dpa, KNA, iQ)

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S « Das Institut für Islamische Theologie an der Berliner Humboldt-Universität (HU) kann vorerst NICHT wie geplant eingerichtet werden.» Eine prima - gute Nachrichten von Islamiq! ►Ein sinnloses Grab Deutscher Steuergelder wird vermieden Eine Aufwertung der unsympatischten Sekte Islam in Deutschland enfällt. ►Unterrichtung in unsinnige, fiktiver FantomGötter findet nicht statt. ►Der Honorige Name ' Humbold' wird künftig nicht durch Islamischer Quatsch in den Dreck gezogen. Gruss, Kritika.
17.04.18
0:22
Frederic Voss sagt:
Ein Institut für Religionsforschung & Aufklärung wäre bestimmt sinnvoller und zielführender. Unterschiedlichste Glaubensrichtungen und Religionsvarianten könnten dann alle berücksichtigt, thematisiert und verglichen werden. Eine wahre Fundgrube zur großen Vielfalt religiöser Ansichten und Bestrebungen.
17.04.18
10:05
Johannes Disch sagt:
@Kritika ---"...der unsympathischen Sekte Islam..." (Kritika) Der Islam ist keine Sekte, sondern eine Weltreligion und Weltzivilisation. Er ist mit ca. 1,6 Milliarden Gläubigen aktuell die zweitgrößte Weltreligion.
17.04.18
15:19
Andreas B sagt:
@Frederic Voss Wenn Sie ein Institut für Religionsforschung & Aufklärung wünschen, können Sie das doch versuchen umzusetzen. Mit etwas Glück finden Sie Unterstützer.
18.04.18
10:21
Ute Fabel sagt:
@Johannes Disch: "Der Islam ist keine Sekte" Große intellektuelle Unterschiede zwischen dem Mormonentum, nach dem der Prophet Joseph Smith Anfang des 19. Jahrhunderts mit dem Engel Moroni kommuniziert und Goldtafeln mit ewigen Wahrheiten erhalten haben soll, und dem Islam, nach dessen Glaubenslehre sich ganz Ähnliches zwischen dem Propheten Mohammed und dem Engel Gabriel im 7. Jahrhundert abgespielt haben soll, kann nicht erkennen. Die Mormonen haben halt keine bewaffneten Glaubenskriege geführt und auch nicht durch eine Strafsteuer Andersdenkende unsanft zum Konvertieren gedrängt. Der Umstand, dass viele Leute an etwas glauben oder glauben müssen, macht die Idee dahinter noch nicht edler. Im Römischen Reich bis ins 3. Jahrhundert war der Glaube an Jupiter & Co Staatsreligion und Massenphänomen, was den Wahrheitsgehalt aber nicht erhöht hat.
19.04.18
14:01