Schweden

Sozialdemokraten wollen religiöse Schulen verbieten

Medienberichte zufolge plane die schwedische Sozialdemokratische Arbeiterpartei christliche, muslimische und jüdische Schulen in rein säkulare Einrichtungen umzuwandeln. Dieser Vorstoß sorgt für Kritik.

22
03
2018
Symbolbild: Religion
Symbolbild: Religion © Perspektif, bearbeitet by iQ.

In Schweden sorgt ein Vorstoß der regierenden Sozialdemokraten gegen konfessionelle Schulen für Aufruhr. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei von Ministerpräsident Stefan Löfven plant laut Medienberichten, christliche, muslimische und jüdische Schulen in rein säkulare Einrichtungen umzuwandeln. „In unseren Schulen sollten Lehrer und Direktoren die Entscheidungen treffen, nicht Priester und Imame“, zitierte die US-amerikanische Nachrichtenagentur Catholic News Agency am Mittwoch (Ortszeit) die Ministerin für gymnasiale Bildung und Weiterbildung, Anna Ekström.

Konfessionelle Schulen förderten die Segregation und Geschlechtertrennung der Schüler und vermittelten keine demokratischen Werte, hieß es aus der Partei. Im Fall ihrer Wiederwahl im September wollten die Sozialdemokraten das Verbot religiöser Schulen umsetzen. Derzeit regieren sie in einer Koalition mit den Grünen. In Schweden existieren laut CNA 71 religiöse Schulen – 59 christliche, elf muslimische und eine jüdische.

Aus katholischen Kreisen kam scharfe Kritik an dem Vorstoß. Die Direktorin der Schule Notre Dame in Gothenburg, Paddy Maguire, erklärte gegenüber CNA, die angesprochenen Missstände wie antidemokratische Haltung und strenge Geschlechtertrennung beträfen zwar nur islamische Schulen, die Sozialdemokraten seien aber „zu feige, das zuzugeben“.

Die Pressesprecherin der Diözese Stockholm, Kristina Hellner, sagte, anstatt sich auf die islamischen Schulen zu konzentrieren, wolle die Regierung nun das Kind mit dem Bade ausschütten und alle religiösen Schulen abschaffen. Davon wären 10.000 Schüler christlicher Einrichtungen betroffen, weil die Schulen durch das angedrohte Gesetz in schwere finanzielle Schwierigkeiten geraten würden. Sie kündigte an, der Stockholmer Kardinal Anders Arborelius werde gemeinsam mit den Vertretern der anderen christlichen Kirchen gegen das Vorhaben der Sozialdemokraten protestieren.

Leserkommentare

f sagt:
Der Artikel zeigt wieder einmal, daß das eigentliche Problem der Islam und die islamischen Schulen mit ihren Imamen sind. Die WELT berichtete erst gestern; Seyran Ates - die Grunderin der liberalen Berliner Ibn-Rushd-Goethe-Moschee - befürchtet Erziehung zu "feindlichem Islam". Sie sagte konkret: "Wenn ich mir den islamischen Religionsunterricht anschaue, fürchte ich eher, dass unseren Kindern ein sehr distanzierter, vielleicht sogar feindlicher Islam anerzogen wird." Frau Ates kritisierte u.a. auch, dass Deutschland meine, "unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit alles zulassen zu müssen, was die islamische Religionsfreiheit fordert." Hier werde Gruppen mit sehr viel Toleranz begegnet, die selbst alles andere als tolerant seien. Vielfach werden islamische Hardliner zu sehr hofiert - so die Beurteilung der Lage von Seyran Ates. Und all dem schließe ich mich voll und ganz an.
22.03.18
22:10
Ute Fabel sagt:
Ein guter und mutiger Vorstoß! Bildung ist Staatsache, Religion ist Privatsache! Lernen in der Schule, beten zu Hause - und nicht umgekehrt. Auch wenn wir uns daran gewöhnt haben: Dass Religionsgemeinschaften Regelschulen betreiben, ist ungefähr genauso absurd, wie wenn das politische Parteien täten. Eltern, die ihre Kinder im Sinne einer Religion oder Weltanschauung erziehen wollen, können ihren Nachwuchs in der Freizeit in Jugendorganisationen wie Katholische Jugend, Jusos oder Muslimische Jugend schicken. Staatliche Schulen verbinden, konfessionelle Schulen trennen.
23.03.18
7:28
Manuel sagt:
Bravo!!!! Endlich eine sozialdemokratische Partei, die wieder weiß was Säkularismus ist und sich nicht wie die deutsche SPD vor tiefreaktionären Dogmen hinkniet. Wäre ich Schwede, ich würde wieder mit Freude die Sozialdemokratie dort wählen.
24.03.18
12:29