Militärseelsorge

Muslimische Vertreter fordern Militärimame

Immer mehr Muslime leisten ihren Dienst in der Bundeswehr. Bei der geplanten Einführung einer muslimischen Seelsorge in der Bundeswehr hat sich nichts bewegt. Muslimische Vertreter sprechen von einem Versäumnis.

27
02
2018
Symbolbild: Militär , Bundeswehr
Symbolbild: Militär , Bundeswehr © by John Morgan auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels hatte in seinem Jahresbericht unlängst die Bundesregierung kritisiert: „Nach mehr als sechs Jahren ergebnislosen Prüfens macht sich langsam Ernüchterung breit.“ Als Vorbild nannte der Wehrbeauftragte Österreich, wo das Bundesheer inzwischen über einen Militär-Imam verfügt. Muslime fordern die Einführung einer islamischen Seelsorge in der Bundeswehr schon seit Jahren.

Der Vorsitzende des Islamrates sieht die Regierung in der Pflicht. „Trotz langjährigen Beratungen hat das Verteidigungsministerium es versäumt ernsthafte Schritte für die Einführung einer islamischen Seelsorge in der Bundeswehr zu tun“, erklärt Kesici gegenüber IslamiQ.

Die Notwendigkeit werde durch muslimische Soldaten ständig geäußert. „Die Wünsche müssen ernst genommen werden. Gerade für Soldaten mit Auslandseinsätzen sei eine seelsorgerische Betreuung unabdingbar. „Wir wissen nicht, was für seelische Probleme ohne professionelle Betreuung entstehen können. Die Aufnahme eines muslimischen Vertreters in den Beirat der inneren Führung würde der erste Schritt in die richtige Richtung sein“, so Kesici weiter.

Auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland fordert den Einsatz von Imamen in der Bundeswehr gefordert. „Es ist eine Schande, dass wir in Deutschland nach so vielen Anläufen und Anstrengungen über fast sechs Jahre nicht mal einen dringend benötigten muslimischen Militärseelsorger installieren konnten“, sagte der Verbandsvorsitzende Aiman Mazyek der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag). Er kritisierte, dass „die Politik jedes Mal Bürokratie als Grund dafür vorschiebt“.

„Bundeswehr ist Spiegelbilder unserer Gesellschaft“

Vor Jahren hatte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) angekündigt, den Bedarf an Imamen in der Truppe zu prüfen und zu klären, wie deren Einsatz organisiert werden könne. Schätzungsweise 1.500 Bundeswehrsoldaten sind Muslime. Mazyek: „Die Bundeswehr ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, und solch ein Schritt hätte eine starke integrationspolitische Signalwirkung.“

Fehlende Rechtliche Grundlagen

Auch in anderen europäischen Ländern wie Norwegen, den Niederlanden, Frankreich oder Großbritannien sind muslimische Militärseelsorger im Einsatz. In Deutschland existiert einstweilen lediglich eine Ansprechstelle für Soldaten anderer Glaubensrichtungen beim Zentrum Innere Führung. Das Verteidigungsministerium verweist auf noch zu diskutierende, rechtliche Grundlagen.

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck sagte kürzlich in einem Interview, dass er die direkt Verantwortlichen, also Politik, Bundeswehr und Vertreter der Muslime am Zug sehe. Zugleich verwies er auf noch zu lösende praktische Fragen; so seien die vergleichsweise wenigen Muslime bei der Bundeswehr auf viele verschiedene Standorte verteilt. Da gelte es auszuloten, wie überhaupt „muslimische Seelsorge“ gehe. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Johannes Disch sagt:
Es gibt christliche Militärseelsorger. Also wäre es nur recht und billig, würde es auch islamische geben.
27.02.18
22:26
Frederic Voss sagt:
Muslimische Forderungen ohne Ende. Wie war das mal schön in Deutschland, als derlei Islam-Problematik völlig unbekannt war. Die muslimische Forderungs-Penetranz ist nie beendet. Es geht immer weiter. Oder aber alle sagen endlich mal: Jetzt reicht es.
28.02.18
0:48
Ute Fabel sagt:
Ein Ausbau der professionellen psychologischen Betreuung für alle wäre weit besser als die Förderung religiösen Sektierertums, der nur einen Keil zwischen die Soldaten treibt.
28.02.18
9:40
Johannes Disch sagt:
@Frederic Voss (Ihr Post vom 28.02.18, 0:48) -- "Muslimische Forderungen ohne Ende." (Frederic Voss) Na, und weiter? Es gibt viele andere Gruppen in diesem Land, die etwas fordern: Gewerkschaften wollen höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten. Arbeitgeber wollen genau das Gegenteil. Etc. Muslime gehören zu unserer Gesellschaft und es ist völlig legitim, dass sie ihre Interessen formulieren, so wie es viele andere Gruppen auch tun. Auf den konkreten Sachverhalt-- die Forderung nach islamischer Seelsorge bei der Bundeswehr-- gehen sie erst gar nicht ein. Sie stört es bereits, dass Muslime ein Interesse formulieren.
28.02.18
13:01
Wolf D. Ahmed Aries sagt:
Den ersten Heeresimam ernannte Friedrich der Große. Er war bei Schwarzen Husaren in Schlesien stationiert. Und die ersten Gespräche zur Frage der Heeresimame in den gegenwärtigen Streitkräften fanden in den achtzigern statt. Die militärische Führung begrüßte die Möglichkeit eines Imames. Weitere Gespräches zeigten dann die massiven juristischen Probleme, zu deren Lösung die Bundesregierung und das Parlament Zeichen setzen müssen. Dies ist zur Zeit nicht machbar, was keine Böswilligkeit ist. Es geht um Sachprobleme.
28.02.18
13:08
Frederic Voss sagt:
Hallo Herr Disch, sind Sie auch für buddhistische, hinduistische, tibetische, scientology-konforme oder auch konfuzianistische, jüdische, daoistische Militärseelsorger? Wäre das alles nur recht und billig? Viel besser wäre doch eine einheitlich psychologisch-religiös-spirituelle Betreuung, die nicht spaltet.
28.02.18
15:55
Moritz Liebermann sagt:
Herr Voss, im deutschen Militär gab es bereits Imame und ihre Aussage disqualifiziert sich durch Inkorrektheit. Kriegsführung gemeinsam mit Muslimen ist in Deutschland ein altes, wie kontroverses Thema.
28.02.18
17:00
Johannes Disch sagt:
@Frederic Voss (Ihr Post vom 28.02.18, 15:55) Konfuzianismus, Taoismus und Buddhismus kennen keine Seelsorge im Sinne der monotheistischen Religionen. Ein Rabbi hinsichtlich des Judentums wäre angebracht, falls Menschen jüdischen Glaubens in unserer Armee dienen sollten und das wünschen. Es geht um Gleichheit. Der Staat muss alle Religionen gleich behandeln. Da es bei der Bundeswehr christliche Seelsorger gibt, ist der Anspruch der Muslime auf islamische Seelsorge absolut gerechtfertigt.
01.03.18
18:54
Ute Fabel sagt:
@Johannes Disch: Jeder Soldat kann in seiner Freizeit eine Kirche, einen Tempel, eine Synagoge oder Moschee aufsuchen. Das Militär sollte im Sinne der Trennung von Staat und Kirche mit Religion nicht verquickt werden. „Gott mit uns“ war auf den Gürtelschnallen der Wehrmachtsldaten im 2. Weltkrieg geprägt. Darunter sollte ein Schlusstrich gezogen werden.. Daher weg auch mit christlichen Seelsorgern!
02.03.18
21:41
grege sagt:
Die Forderung ist legitim und nachvollziehbar. Allerdings dürfen hier Absprachen nur mit Vertretern von Islamorganisationen, bei denen keine Vorwürfe wegen Extremismus im Raum stehen. Die üblich verdächtigten Islamverbände würden hier wieder ausscheiden, so dass die Frage hier im Raum steht, wer die Muslime denn vertreten würde.
04.03.18
8:20