Abschiebung

Erneut Familientrennung durch Abschiebung

Ein Drama spielte sich im hessischen Kreis Groß Gerau ab. Der schon seit 10 Jahren in Deutschland lebende Familienvater Tariq M. wurde ohne Vorwarnung nach Pakistan abgeschoben.

08
02
2018
Ein Flugzeug (Symbolfoto) © Matthias Rhomberg auf flickr.com (CC 2.0), bearbeitet by iQ.
Ein Flugzeug (Symbolfoto) © Matthias Rhomberg auf flickr.com (CC 2.0), bearbeitet by iQ

Schon wieder ist es in Hessen zu einer äußerst fragwürdigen Abschiebung gekommen: Gestern Abend gegen 22 Uhr wurde Tariq M. aus dem Kreis Groß Gerau überraschend zu Hause abgeholt und nach Pakistan abgeschoben.

Er lebte schon seit zehn Jahren in Deutschland und hat gemeinsam mit seiner deutschen Partnerin zwei kleine Töchter im Alter von fast einem und zwei Jahren. Aufgrund dieser Tatsache steht ihm auch eigentlich ein Aufenthaltsrecht in Deutschland zu, die Familie war gerade dabei, dies rechtlich zu klären. Durch die Abschiebung ist die Familie jetzt auf unbestimmte Zeit getrennt, es können Jahre vergehen, bis die Mädchen ihren Vater wiedersehen können. Auch die Mutter, die in Darmstadt Germanistik studiert, weiß nicht, wie sie jetzt ihr Studium fortsetzen soll – war es doch der Vater gewesen, der sich um die beiden Mädchen kümmerte während sie die Vorlesungen besuchte.

„Hier wurde wieder eine Familie auseinandergerissen, und das obwohl der Mann als Vater zweier deutscher Kinder eigentlich in Deutschland bleiben darf. Das grundgesetzlich geschützte Recht auf Ehe und Familie wurde hier völlig ignoriert“ empörte sich Timmo Scherenberg, Geschäftsführer des Flüchtlingsrates, über die Abschiebung. „Das neue Mantra der Behörden scheint ‚Abschieben um jeden Preis‘ zu lauten, ‚Kollateralschäden‘ dieser Politik werden einfach hingenommen.“

Zusammen mit Tariq M. sind nach unseren Informationen noch 22 weitere Personen mit einem von der EU-Grenzschutzagentur Frontex koordinierten Sammelcharter nach Pakistan abgeschoben worden, darunter auch Personen aus anderen EU-Staaten. Dies war nach Kenntnis des Hessischen Flüchtlingsrates die erste Frontex-Sammelabschiebung von Frankfurt aus, im Dezember hatte es allerdings eine ähnliche EU-Charterabschiebung nach Pakistan über Berlin gegeben.

Leserkommentare

tapu sagt:
es ist nicht zu verstehen! Andere die hier sich nicht an unser Gesetz + Ordnung halten, straffällig wurden, steckt man ins Gefängnis, auf kosten der Steuerzahler. Dort geht es ihnen meist besser als dort, wo sie her gekommen sind! Diese sollten ratz fast dort hin, wo sie herkommen! Nicht noch groß Anwalt auf unsere Kosten!
10.02.18
20:17
Ute Fabel sagt:
Der Sachverhalt wurde in dem Artikel doch stark zurechtfrisiert. Verschwiegen wurde, dass der Mann ursprünglich bewusst einen falschen Namen und ein falsches Alter angegeben hat. Damit hat er sich den Status eines unbegleiteten Minderjährigen hinterlistig erschlichen. Unverfroren zu lügen darf sich nicht länger lohnen! Es wäre keine zukunftsträchtige Asylpolitik, wenn Frechheit letztlich siegen würde. Das ist unfair gegenüber den ehrlichen Asylwerbern, die dadurch auf der Strecke bleiben. Eine Eheschließung nach irgendeinem staatlich anerkanntem Recht lag ebenfalls nicht vor. Nur eine nach der Scharia, die aber in keinem zivilisierten Land Gesetzesrang hat. Das war allen Beteiligten klar. Der Staat soll sich auch nicht dadurch erpressen lassen, wenn durch Schwangerschaften in Kenntnis eines fehlenden Aufenthaltsstatus vollendete Tatsachen geschaffen werden sollen. Das ist kein unverschuldeter soziale Härtefall. Ich bin grundsätzlich dafür, legale Einwanderungsmöglichkeiten zu erweitern. Darunter verstehe ich auch umfangreichere Ausbildungsprogramme für Menschen aus anderen Kontinenten in Europa, da ich darin weit mehr Chancen als Risiken für Europa und die Herkunftsländer sehe. Ich bin aber gegen ein Faustrecht, wo sich diejenigen durchsetzen, die am skrupellosesten schwindeln. Bedauerlich finde ich, dass viel NGOs sich gerade für solche Leute in die Bresche schlagen.
11.02.18
17:27
Johannes Disch sagt:
@tapu Völlig richtig. Das ist tatsächlich nicht zu verstehen und zeigt die Absurdität des deutschen Asylrechts und der deutschen Asylpraxis.
12.02.18
13:35