Repräsentative Untersuchung

„Wo kommst du eigentlich her?“

Wer keine weiße Haut hat, Kopftuch oder Sari trägt, wird oft gefragt, wie lange er oder sie denn schon in Deutschland sei. Das ist vor allem dann diskriminierend, wenn man sein ganzes Leben in Neuss oder Berlin-Wedding verbracht hat.

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01
2018
Diskriminierung
"Wo kommst du wirklich her?" Eine Frage, die Menschen mit einem Migrationshintergrund oft hören. © by ITU Pictures auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Wer sich durch seine Hautfarbe, ein Kopftuch oder andere äußerliche Merkmale von der Mehrheitsbevölkerung abhebt, erlebt weitaus häufiger Diskriminierung als andere Menschen mit Migrationsgeschichte. Das geht aus einer am Dienstag veröffentlichten repräsentativen Untersuchung des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) hervor.

Die von den Betroffenen empfundene Diskriminierung reicht von Gewalt, beleidigenden Äußerungen, Benachteiligungen bei der Job- und Wohnungssuche bis hin zu Handlungen, die vom Gegenüber vielleicht gar nicht unbedingt negativ gemeint sind. Dazu zählt aus Sicht vieler Zuwanderer die oft ohne böse Absicht gestellte Frage, „Wo kommst Du denn eigentlich her?“. Ein Tourist würde sich darüber wohl nur in den seltensten Fällen empören. Ein 50-jähriger Deutscher, der akzentfrei spricht und einen Afroamerikaner zum Vater hat, reagiert aber vielleicht mit Recht genervt, wenn ihm diese Frage einmal pro Woche von Menschen, die er zum ersten Mal trifft, gestellt wird. Seit dem Beginn der sogenannten Flüchtlingskrise 2015 sei dieses „immer wieder neu ankommen“ noch häufiger geworden, erzählen Betroffene.  

Von den Zugewanderten, die ihr eigenes Aussehen in der SVR-Befragung als „typisch deutsch“ beschrieben, gaben rund 17 Prozent an, sie fühlten sich aufgrund ihrer Herkunft benachteiligt. Von den Studienteilnehmern „mit sichtbarem Migrationshintergrund“ berichteten dagegen 48 Prozent von Diskriminierungserfahrungen. Wenn Menschen aus dieser Gruppe der „phänotypisch Differenten“ außerdem mit Akzent Deutsch sprachen, stieg dieser Wert sogar auf 59 Prozent an.

Einen großen Effekt hat aber auch die Religionszugehörigkeit von Menschen mit ausländischen Wurzeln. Den Angaben zufolge fühlen sich 55 Prozent der zugewanderten Muslime diskriminiert. Unter den Christen mit Migrationshintergrund sind es 29 Prozent, unter den Zuwanderern ohne Glaubenszugehörigkeit 32 Prozent.

Die von der Stiftung Mercator geförderte Studie trägt den Titel: „Wo kommen Sie eigentlich ursprünglich her? Diskriminierungserfahrungen und phänotypische Differenz in Deutschland“. Ihr Autor, Alex Wittlif, weist darauf hin, dass das subjektive Erleben der Befragten nicht mit objektiver Diskriminierung gleichzusetzen sei. Denn einerseits sei nicht jede Benachteiligung für die Betroffenen erkennbar. Andererseits könnten Zuwanderer auch bestimmte Situationen fälschlicherweise als diskriminierend einstufen.

Wer gebildeter ist und sich selbst als besonders gut integriert empfindet, hat zudem oft einen höheren Anspruch in Sachen Akzeptanz und Chancengleichheit als Menschen mit niedrigem Bildungsniveau. Das könnte auch erklären, weshalb die in Deutschland ansässigen Türkeistämmigen mit hoher Bildung besonders häufig über Benachteiligungserfahrungen klagen. Der Studie zufolge hat jeder zweite Türkeistämmige mit niedriger Bildung nach eigener Aussage schon Diskriminierung erlebt. Unter den Befragten mit hoher Bildung lag der Anteil sogar bei fast 62 Prozent.

Bei den Spätaussiedlern ergibt sich ein umgekehrtes Bild. In dieser Gruppe fühlen sich die Menschen mit niedriger Bildung (40,4 Prozent) stärker diskriminiert als die Spätaussiedler mit hoher Bildung (28,7 Prozent). (dpa, iQ)

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind doch nichts neues. Das demonstrative Tragen religiös motivierter Kopfverhüllungs-Tücher durch islamisch geprägte Glaubenslaien überall im öffentlichen Raum ist in Deutschland unüblich und entspricht nicht der deutschen Kultur. Im aufgeklärten Europa wirken mittelalterliche Glaubensvorstelllungen unter einer Zwang ausführenden Führerschaft eher bedrohlich und können daher keinesfalls auf tolerantes Verständnis von allen Seiten hoffen. Die sich diskriminiert fühlenden zugewanderten Muslime sollten unbedingt darauf achten, daß sie selber nicht homosexuell orientierte Menschen diskrminieren und verfolgen.
26.01.18
21:49
Ute Fabel sagt:
In diesem Artikel wird gleich zu Beginn die Hautfarbe mit einem mittelalterlichen, geschlechtsspezifischen Bekleidungsdogma in einem Atemzug genannt, das in islamischen Relgionsdiktaturen wie Saudi-Arabien oder dem Iran Frauen aufgezwungen wird. Das ist unangebracht! Jemanden allein aufgrund seines Teints nicht zu mögen, ist in der Tat verwerflich. Kopftuchtragen bescheuert zu finden, Salfistenbärte, Burschenschafter-Couleur oder Mao-Anzüge nicht zu mögen und das auch öffentlich sagen zu dürfen, ist hingegen Ausdruck des verfassungsrechtlich geschützten Grundrechts auf Meinungsfreiheit.
27.01.18
7:39
Johannes Disch sagt:
@Frederic Voss (Post vom 26.01.18, 21:49) So, islamische Kleidung entspricht nicht der "deutschen Kultur?" Was ist das denn, die sogenannte "deutsche Kultur?" Wir leben in einem pluralistischen Land, das unterschiedliche Lebensstile zulässt, die sich individuell ausdrücken dürfen, auch in der Kleidung. Richtschnur sind unsere (westlichen) Werte. Und nicht die "deutsche Kultur." Da soll die historisch unselige Deutschtümelei als "deutsche Kultur" wohl wieder Auferstehung feiern...- Gott bewahre!
31.01.18
12:30
Frederic Voss sagt:
Wenn in islamischen Religionsdiktaturen pluralistische Lebensstile akzeptierend willkommen sind, können wir gerne detaillierter über Deutschtümelei und Korantümelei reden. Ich trage dann auch garantiert bayerische Kurzlederhosen-Tracht in Theheran oder in Dubai um mich dort individuell auszudrücken, Herr Oberlehrer Johannes Disch.
04.02.18
3:09
Andreas sagt:
@Frederic Voss: Sie können nicht den deutschen Muslimen ihre Grundrechte vorenthalten, weil in anderen Ländern Menschenrechte nicht eingehalten werden. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland macht die Einhaltung der Grundrechte in Deutschland nicht davon abhängig, dass auch andere Staaten die Menschenrechte achten.
05.02.18
16:39
Johannes Disch sagt:
@Andreas (Ihr Post 05.02.18, 16:39) Danke. Sie bringen in ihrer Antwort auf "Frederic Voss" die Dinge prima auf den Punkt.
06.02.18
13:42
grege sagt:
Die Muslime mit Migrationshintergrund, die die hiesige Lebenskultur dämonisieren, den Islam glorifizieren, sollten schon mit der Frage konfrontiert werden, warum sie in diesem Land leben. Solche Leute vom Kaliber eines Dilavers gehören dieser Kategorie von Menschen an und bestätigen die Minderwertigkeit dieser Religion im Hier und Jetzt.
10.02.18
11:34
Der Hammer sagt:
Komisch diese Jammerei. Ich zum Beispiel bin ein relativ dunkler häutiger Deutscher mit schwarzem Haar usw. Ich werde komischerweise nur sehr selten gefragt wo ich herkomme. Aber wenn dann zum Beispiel: ob ich Grieche oder Italiener sei. Ich empfinde diese Fragen nicht als rassistisch oder schlimm. Sondern es ist immer eine nette Art mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Beispiel Dialog: Hey wo kommst Du her ? Ich komme aus Berlin Nee wirklich Du siehst so italienisch aus. Nein wirklich ich komme aus Berlin und Du woher kommst Du? Aus Pirmasens. Ach da will ich immer gerne mal in den Urlaub fahren, da kommt doch das leckere Bier her? Ja stimmt das trinke ich auch gerne. ...etc. etc pp So ähnlich geht das. Also grow some balls und reagiert bitte nicht wie kleine Prinzessinen. Es gibt vieeeel schlimmere Dinge im Leben. z.B. echte Diskriminierung
12.02.18
16:46
Frederic Voss sagt:
Wenn in Deutschland fanatisierte Islamanhänger die deutsche Toleranz ausnutzen und im Namen gewährter Religionsfreiheit das deutsche Politsystem immer mehr in Richtung Islam-Scharia-Diktatur verändern wollen, dann ist einfach Schluß mit lustig. Politiker wie Söder & Co. werden da hoffentlich kantige Schranken setzen.
15.02.18
21:23