Belgien

Jüdische Gemeinschaft klagt gegen Schächtverbot

Die jüdische Gemeinschaft klagt gegen das Schächtverbot in Belgien. Die freie Religionsausübung von Juden und Muslimen sei eingeschränkt.

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2018
Symbolbild: Schächten im Schlachthof © flickr, CC 2., dierk schaefer.

Die jüdische Gemeinschaft in Belgien klagt gegen ein geplantes Verbot koscheren und halal Schlachtens. Dieses verletze die Religionsfreiheit, erklärten die jüdische Dachorganisation CCOJB und die US-Unterstützergruppe The Lawfare Project am Dienstag.

Die Klage richtet sich gegen ein voriges Jahr beschlossenes Gesetz im Landesteil Flandern. Bereits im November hatte der Dachverband einen Antrag gegen ein ähnliches neues Gesetz in der Wallonie gestellt. Ziel ist, die Vorgaben noch vor dem Inkrafttreten 2019 zu kippen.

Die Vorgaben würden die Produktion von koscher beziehungsweise halal hergestelltem Fleisch in Belgien unterbinden, argumentierten die Kläger. Damit könnten religiöse Minderheiten eine wichtige Säule ihres Glaubens nicht mehr leben. Das verstoße gegen EU-Recht, aber auch gegen die belgische Verfassung.

„Wenn dieses Gesetz jemals Gültigkeit erlangt, wäre dies ein schwarzer Tag für die Freiheit in Belgien“, warnte CCOJB-Präsident Yohan Benizri. Die Kläger erinnerten daran, dass die deutschen Nationalsozialisten 1933 koscheres Schlachten verboten hätten.

Tierschützer kritisieren das sogenannte Schächten, weil die Tiere mit einem Schnitt durch die Kehle getötet werden und ausbluten. Nach religiösen Vorgaben des Islam und des Judentum soll kein Blut verzehrt werden. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Dieses belgische Gesetz, durch das alle Bürger gleich behandelt werden, sollte als positiver Impuls betrachtet werden, ewig gestrige, religiöse Dogmen zu entrümpeln. Heute wissen wir vieles, was man vor 1.700 und 2.500 Jahren noch nicht gewusst hat. Die damaligen Wüstennomaden meinten fälschlicherweise, dass Blut und Fleisch völlig unterschiedliche Materien seien, die es zu trennen gilt. Wer nur ein bisschen etwas vom menschlichen und tierischen Stoffwechsel weiß, muss sich eingestehen, dass das nicht gar nicht möglich ist und außerdem das Fleisch durch das im Blut transportierte Substanzen überhaupt aufgebaut wird. Im Altertum im heißen Klima gab es vielleicht die Beobachtung, dass gut ausgeblutetes Fleisch besser haltbar ist. In der Zwischenzeit wurden Desinfektionsmittel und Gefriertruhen erfunden. Ich finde es wirklich geschmacklos, dass Herr Benizri des banale Tierschutzgesetz in Verbindung dem NS-Regime bringt, nur weil er die Augen vor der Realität verschließt und einen rückständigen Aberglauben um jeden Preis fortleben will.
17.01.18
14:13
Rosa sagt:
Ist es für Moslems Pflicht, Fleisch zu essen? Wenn nicht, können sie ihre Religion doch weiterhin frei ausüben, wenn sie einfach auf den Konsum von Fleisch verzichten.
17.01.18
16:10
Frederic Voss sagt:
Wer sich Filme über das widerliche Schächten angeschaut hat, kann nur Abscheu über dieses religiös begründete, altertümliche Schlachtgemetzel empfinden. Tierschutz hat absolut Vorrang vor "frei-religiöser Tier-Schlacht-Schächtungs-Metzelei", Europa braucht derartige Schlacht-Praktiken im Namen herbeigeredeter Religionsfreiheit definitiv nicht. Egal aus welcher Richtung und verkündet von Gottespredigern jeglicher Couleur. Und wer kein Blut trinken oder verzehren mag, muß ggfs. auf tierische Körperteile & Organe auf seinem Speisezettel eben verzichten.
17.01.18
18:29