Bundeswehr

Militärbischof für muslimische Seelsorge

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck plädiert für eine islamische Militärseelsorge für die rund 1500 muslimischen Soldaten in der Bundeswehr.

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01
2018
Symbolbild: Bundeswehr, Oberleutnant
Symbolbild: Bundeswehr, Oberleutnant © by Dirk Vorderstraße auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck setzt sich für eine Seelsorge der etwa 1.500 bekennenden Soldaten muslimischen Glaubens ein. Seiner Meinung nach sollte sichergestellt werden, dass eine entsprechende Seelsorge auch für diese Gläubigen möglich werde, sagte er im Interview dem Bonner „General Anzeiger“ (Donnerstag).

„Ungeachtet dessen möchte ich natürlich auch Menschen anderen Glaubens helfen, dass sie ihren Glauben leben können, ohne dass ich mich ihnen hierbei aufzwängen will“, erklärte der Essener Bischof. Beispielsweise trage er mit dafür Sorge, dass diese Menschen mit einem Vertreter ihrer Religionsgemeinschaft in Kontakt treten könnten.

Laut Overbeck muss es aber klar sein, dass diese entsprechenden Religionsvertreter auch den deutschen Standards entsprechen – „mit Blick auf Grundgesetztreue, Friedensverbundenheit oder Gleichberechtigung der Geschlechter“. Das sicherzustellen, sei Aufgabe des Staates. „Die Umsetzung wird vermutlich einige Herausforderungen mit sich bringen; ähnlich wie bei der Organisation des muslimischen Religionsunterrichts“, so der Militärbischof. Die Kirchen hätten auch lange vor Gründung der Bundesrepublik eine Lerngeschichte hinter sich gebracht. „Diese steht manch anderen Glaubensgemeinschaften noch bevor“, sagte Overbeck. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Sinnvoller, besser, zukunftsorientierter wäre grundsätzlich eine allg. spirituelle Seelsorge-Hilfe und menschliche Begleitung - unabhängig von einengendem religiösen Spartendenken mit jeweiligem Anspruch auf absolute Wahrheitsmonopole. Das gilt für alle Kirchenbetreiber und Islam-Varianten aller Art. Die Standards hierbei: Allg. Menschenrechte, gegenseitige Wertschätzung unabhängig von Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung, Hautfarbe, ethnischer Herkunft, Alter, Behinderung. Ohne jede Dogmen-Hoheit, Zwangsbelehrung, Autoritäten-Herrschaft, Religions-Manipulation und ähnlichem mehr. Für eine freie Spiritualität in freier Entfaltung und Entwicklung.
11.01.18
16:11
Ute Fabel sagt:
Die Bundeswehr ist eine staatliche Einrichtung. Dort haben Religionsvertreter nichts zu suchen, ganz egal ob katholisch, muslimisch oder Zeugen Jehovas. Die Trennung von Staat und Religionen ist ernst zu nehmen und weiter zu entwickeln. Jedem gläubigen Soldaten steht es frei, in seiner Freizeit eine Kirche, Moschee oder Tempel aufzusuchen. Angeboten solle beim Militär professionelle psychische Betreuung.
11.01.18
21:53
Dilaver Çelik sagt:
@Ute Fabel Wer sich beharrlich weigert, an Gott und an das Jenseits zu glauben, der ist in der Regel auch der erste, der Fahnenflucht begeht, wenn es darauf ankommt, sein Land unter Einsatz des eigenen Lebens zu verteidigen. Und Fahnenflucht ist bekanntlich Landesverrat. Von daher hat Religion im Militär sehr wohl was zu suchen, so wie in allen Lebensbereichen auch. Für gläubige Menschen ist das eine Selbstverständlichkeit. Auch wenn das den Atheisten nicht passt - was aber vollkommen irrelevant ist.
12.01.18
15:47
Dilaver Çelik sagt:
Diejenigen hier, welche gegen Muslime die ganzen Zeit den Oberpatrioten spielen, wären die ersten, welche Deutschland an die Feinde verkaufen, hätten wir hier eine militärische Invasion feindlicher Mächte. Möge Gott uns alle davor bewahren.
12.01.18
15:59
Ute Fabel sagt:
Auf den Koppelschlössern der Wehrmachtssoldaten stand „Gott mit uns“. Dieser Spruch wurde ab 1936 einfach mit dem Hakenkreuz gepaart. Dieser Gottesbezug hat genau Null dazu beigetragen Deutschland vor diesem menschenverachtenden Regime zu bewahren. Schade, dass es damals nicht mehr Desserteure gegeben hat, die nicht bereit waren, einen Angriffskrieg „mit Gott“ in alle Himmelsrichtungen zu führen. Auf den Koppelschlössern der Bundeswehr steht seit 1962 „Einigkeit, Recht, Freiheit“ ohne Gottesbezug. Gut so! Nichts ist gefährlicher als eine Armee, die sich nicht auf Werte beruft, sondern für sich in Anspruch nimmt Gott auf ihrer Seite zu haben.
13.01.18
18:37
Muhammed Acar sagt:
@Ute SIe haben keine Ahnung von Seelsorge
15.01.18
16:20
Ute Fabel sagt:
@Muhammed Acar: Der Blick von innen macht leicht betriebsblind. Der Blick von außen erweitert hingegen die Perspektive."Seelsorge" besteht praktisch daraus, dass Religionsangehörige ohne anerkannte psychologische Ausbildung je nach eigener Persönlichkeitsstruktur aus der Bibel oder Koran das herauslesen, was sie gerne herauslesen wollen. Wie wir wissen, gibt es bei der Auslegung dieser alten Texte unklarer Autorenschaft einen sehr großen Interpretationsspielraum. Jedem gläubigen Soldaten steht es völlig frei, in seiner Freizeit eine Kirche, Moschee oder Tempel auszusuchen und auf eigene Kosten der Religionsgemeinschaft diese Art von Betreuung in Anspruch zu nehmen, dessen Qualität höchst fragwürdig erscheint. Ich persönlich halte "Seelsorge" für Scharlatanerie. Auf Staatskosten sollte beim Militär aber nur professionelle psychologische Betreuung auf Grundlage klarer Qualitätsstandards angeboten werden.
16.01.18
10:39