Was wäre wenn?

Phoenix-Doku spielt die Geschichte eines islamischen Europa durch

Eine Phoenix-Dokumentation widmet sich der Frage; was wäre wenn der Islam sich über Europa verbreitet hätte? Ein Islamwissenschaftler ist sich sicher, Europa wäre jetzt toleranter gewesen.

24
12
2017
Der TV-Sender Phoenix
Der TV-Sender Phoenix sendet eine interessante Dokumentation zum Jahresende © Facebook/phoenix

Eine neue Phoenix-Dokumentation stellt die Frage, wie sich Europa entwickelt hätte, wenn im Mittelalter der Islam zur dominierenden Religion geworden wäre. Der Sender zeigt den halbstündigen Film von Martin Carazo Mendez am Donnerstag (28. Dezember, 22.30 Uhr). Ausgangspunkt ist das Jahr 732, als ein fränkisches Heer in der Nähe von Tours seine muslimischen Gegner besiegt. Aber es hätte auch anders ausgehen können. In „Was wäre, wenn … der Islam Europa erobert hätte?“ überlegt Mendez, welche Konsequenzen es gegeben hätte, wenn der muslimische Heerführer Ad dar-Rahman die Schlacht gewonnen hätte.

In Köln wären dann möglicherweise nie Kirchen wie der Dom gebaut worden – stattdessen aber zahlreiche Moscheen im Emirat Frankistan. „Das Ganze ist mehr als eine Gedankenspiel“, so der Dokumentations-Chef des Senders, Jean-Christoph Caron. Solche Was-wäre-wenn-Szenarien erweiterten den Blick auf die Geschichte. In der Doku kommen Experten wie der in Oxford lehrende Historiker Johannes Dillinger, die Mediävistin Claudia Garnier und der Islamwissenschaftler Peter Heine zu Wort. Heine ist überzeugt, die Gesellschaft wäre toleranter gewesen als in der realen Geschichte, wenn sich der Islam über Andalusien hinaus in Europa weiter verbreitet hätte. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Johannes Disch sagt:
Eine reine Spekulation ohne praktischen Wert und ohne praktische Relevanz.
24.12.17
19:02
Frederic Voss sagt:
Leider spielt diese Fiktion heute keine Rolle mehr. Stattdessen aber die Roman-Fiktion "Unterwerfung" von Michel Houellebecq: Frankreich im Jahr 2022 wird ein muslimischer Politiker Staatspräsident und führt die Theokratie, die Scharia, das Patriarchat und die Polygamie ein. Frankreich wird voll islamisiert. Der geistigen Elite werden von Heiratsvermittlern automatisch die schönsten Mädchen zugeführt. Polygamie ist ausdrücklich erlaubt und erwünscht. Nach dem am Erscheinungstag des Romans verübten Anschlag auf das Satiremagazin 'Charlie Hebdo', das Houellebecq sein Titelbild gewidmet hatte, brach der Autor die Promotion für seinen Roman ab. Es ist immer wieder bezaubernd, wie ISLAMIQ.DE süße Illusionen thematisiert und wie einen Sprühnebel verbreitet.
24.12.17
19:38
Johannes Disch sagt:
@Frederic Voss Auch Houellebeqs "Unterwerfung" ist eine Fiktion, wenn auch eine mit aktueller Relevanz. Was die "Phoenix"-Spekulation betrifft, von wegen Europa wäre toleranter geworden durch eine islamische Eroberung: Was hätten wir denn dann alles verpasst?? Renaissance, Aufklärung, etc. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als sollte uns durch diese völlig überflüssige und unnütze "Phönix"-Spekulation eine moderne Islamisierung schmackhaft gemacht werden, nach dem Motto: Was 732 n.C. nicht funktioniert hat, das funktioniert vielleicht in Zukunft? Insofern ist diese "Phönix"-Doku nicht nur unnütz, und unnötig, sondern auch gefährlich. Und dass "Islamiq" glaubt, über diese völlig unnütze Spekulation berichten zu müssen, das könnte man auch bedenklich auslegen. Selten ist bei "Islamiq" ein Artikel erschienen, der unnötiger war als dieser!
26.12.17
18:30
Ute Fabel sagt:
Der Roman "Unterwerfung" von Michel Houllebecq wird derzeit verfilmt. Kinostart wird im Laufe des Jahres 2018 sein.
27.12.17
13:24
Johannes Disch sagt:
@Ute Fabel So, "Unterwerfung" wird verfilmt? Das klingt interessant. Es gibt noch einen anderen Roman, der sich mit dem islamistischen Terror beschäftigt: "Ein gutes Herz" von Leon de Winter. Ausgangspunkt ist der Mord an dem niederländischen Regisseur The van Gogh. Das Buch kann ich nur empfehlen! Wünsche nen "Guten Rutsch" ins Jahr 2018.
28.12.17
14:53
Lynxx sagt:
Eigentlich ist die Frage „Was wäre wenn ...“ im Islam unzulässig, da wir die Zukunft nicht voraussagen können. Es gibt eine Vielzahl von unvorhersehrbaren Faktoren, und je länger die Zeitspanne ist, desto größer ist die Möglichkeit unterschiedlicher Kombinationen, von denen jede zu einer anderen Entwicklung führen kann. Was wäre, wenn ... Napoleon Bonaparte die Schlacht von Waterloo nicht verloren hätte ...? Vielleicht wäre er dann in einer anderen Schlacht geschlagen oder ihm durch den wachsenden Widerstand letztlich der Boden entzogen worden. Was wäre, wenn die Siegermächte des Ersten Weltkriegs die Deutschen nicht durch den Vertrag (das Diktat) von Versailles derart gedemütigt hätten ...? Dann wäre Adolf Hitler nicht an die Macht gekommen ... oder vielleicht doch? Hätten die Muslime die Schlacht bei Tours nicht verloren, ... dann hätten sie vielleicht eine andere Schlacht verloren ... Das Projekt Islam auf der Iberischen Halbinsel scheiterte letztlich nach achthundert Jahren, nicht weil der Islam schlecht ist, sondern weil die Muslime gegeneinander um die Macht kämpften und ein Teil sich mit ihren christlichen Feinden verbündete und ihnen Tribut dafür zahlte, mit ihnen zusammen gegen ihre muslimischen Konkurrenten zu kämpfen. Schließlich gelangte die christlich-abendländische Intoleranz auf einen derartigen Höhepunkt, daß selbst die zwangschristianisierten heimlichen Muslime (Morisken) noch deportiert wurden. Daher kann niemand sagen, was geschehen wäre, wenn weite Teile Europas im Mittelalter islamisch geworden wären. Vielleicht hätte im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit eine ähnliche Muslimvertreibung, bzw. Zwangschristianisierung, stattgefunden wie auf der Iberischen Halbinsel ... oder auch nicht. Es gibt genügend weitere Beispiele aus der Geschichte dafür, wie muslimische Reiche zerfielen und die Muslime von der dominierenden Schicht zur inferioren und verfolgten wurden. ... Vielleicht wegen ihrer zu großen Toleranz den eroberten Völkern gegenüber.
29.12.17
0:01
Lynxx sagt:
Warum die Begeisterung für diesen Michel Houllebecq? Er war niemals Muslim, hat den Islam nicht erfahren und nicht gelebt, kennt den Islam nicht. Wie soll ein muslimischer französischer Präsident in Frankreich eine Theokratie einführen, wo es im Islam gar keine Theokratie gibt? Das sind die krankhaften Hirngespinnste von ignoranten eurozentrischen Menschen, die nicht einmal wissen, was der Begriff „Schari´a“ bedeutet. Solche Leute erinnern mich an die Figur des Titularrats Poprischtschin in Nikolai Wassiljewitsch Gogols „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“, der sich in diesem bereits im Jahre 1835 entstandenen Werk in seinem Verfolgungswahn vor dem „Mohammedanismus“ ergeht.
29.12.17
0:14
grege sagt:
"wo es im Islam gar keine Theokratie gibt" Wie bei anderen Themen auch, gehen hier die Meinungen auseinander. Der Iran ist nach eigenem Selbstverständnis der regierenden eine Theokratie. Daher zählen eher die Taten in der Praxis als Wunschdenken nach dem Motto: "Was nicht sein darf, kann nicht sein" Ebenso ein gute Rutsch
30.12.17
20:51
Johannes Disch sagt:
@Lynxx (Ihr Post vom 29.12.17, 0:14) Houllebeqs Buch ist doch nur ein Roman. Nur eine Fiktion. Und man muss kein Muslim sein-- und auch keiner gewesen sein-- um sich kompetent über den Islam äußern zu dürfen und äußern zu können.
30.12.17
21:20