Hetze und Rassismus

Bürgermeister erhält Drohungen wegen Lichtermarkt

Der Bürgermeister von Elmshorn wurde zur Zielscheibe von Beleidigungen und Drohungen, da der Weihnachtsmarkt seiner Stadt „Lichtermarkt“ heißt und ein schwarzes Kind zu sehen ist. Es seien Anzeichen für eine drohende „Islamisierung“. Der Markt trägt den Namen aber schon seit zehn Jahren.

02
12
2017
Lichtermarkt
Dieses unschuldige Plakat des "Lichtermarkts" führte zu einem Shitstorm, angefeuert von einer CDU-Politikerin. © Stadtmarketing Elmshorn

Der Bürgermeister von Elmshorn, Volker Hatje, berichtet von Beleidigungen und Drohungen, weil der Weihnachtsmarkt seiner Stadt „Lichtermarkt“ heißt und auf seinem Plakat ein schwarzes Mädchen zeigt. „Mir wurde unterstellt, dass ich den Weihnachtsmarkt in Lichtermarkt unbenannt hätte, als Kapitulation vor dem Islam“, sagte Hatje der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag): „Völliger Schwachsinn, unser Lichtermarkt heißt seit zehn Jahren Lichtermarkt.“ Und seit einem Casting in Elmshorn 2011 sei ein schwarzes Kind als Engel auf den Plakaten abgebildet, ergänzte Hatje: „Auch das stört hier in Elmshorn keinen Menschen.“

Der Ärger habe begonnen mit einem Tweet von Erika Steinbach, der früheren Präsidentin des Bundes der Vertriebenen und ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten. Diese habe das Plakat „als eine Art Untergang des Abendlandes bezeichnet. Danach wurden in bestimmten Veröffentlichungen mein Name mit persönlicher Anschrift, E-Mail und Telefonnummer genannt. Da ging der Shitstorm so richtig los.“

Der Kommunalpolitiker berichtete von Hassmails und Drohungen wie etwa „Sie Volksverräter, auch Sie werden gerichtet werden vom Jüngsten Gericht.“ Oder: „Sie werden sehen, was Sie davon haben, wenn Sie die deutsche Kultur aufgeben und sich dem Islam und dem internationalen Judentum andienen.“ Wenn solche Anrufe und Briefe sogar nach Hause kämen, sei eine rote Linie überschritten. Inzwischen seien Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Mir kann trotzdem keiner erzählen, daß dieses Weihnachtsmarkt-Werbeplakat einschl. "schwarzem Engel" mit riesiger, struppiger Schwarzhaar-Mähne - gültig vom 27.11.-24.12. - besonders passend wäre. Viele Reaktionen zeigen doch, wie das Thema "drohende Islamisierung" viele Menschen beschäftigt oder in Angst oder gar Panik versetzt. Und wenn weltweit eine Religion solche negativen Reaktionen auslöst, dann ist es einzig und alleine der Islam.
02.12.17
14:35
Kritika sagt:
L.S. Erika Steinbach sollte man nicht für ernst nehmen, sie ist schon seit langem Privatperson; vertritt weder den unseligen "Bund der Vertriebenen" noch eine Partei. Was sie sagt oder schreibt ist belanglos. Islamisierung gibt es leider durchaus, wenn auch nicht auf dem Lichtermarkt. Islamisierung ist, zB wenn es Deutsche Gesetze zulassen, dass ein Hochschulprofessor in seinem Vorlesungsraum nicht mehr Hausherr sein kann, sondern sich den KleiderVorschriften importierter, virtueller FantasieFiguren unterwerfen muss. Hoffentlich bereiten unsere Politiker solchen Islamischen Spuck bald ein Ende. Gruss, Kritika
02.12.17
23:47
Dilaver Çelik sagt:
So weit sind wir also schon. Dass der Name eines Weihnachtsmarkts für nationalistische Hysterie sorgt, obwohl es schon seit Jahren (!) jenen Namen trägt. Armes Deutschland.
05.12.17
17:12