Wer oder was ist „liberaler Islam“?

„Liberaler Islam“: Ein Projekt voller Fragezeichen

Der sog. “liberale Islam“ will als säkulare und humanistische Alternative zum “konservativen Islam“ dienen. Welche Probleme ein liberal-islamisches Denken birgt und was er bedeutet, erklär IslamiQ-Chefredakteur Ali Mete.

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2017
Wer oder was ist der "liberale Islam"? © shutterstock
Wer oder was ist der "liberale Islam"? © shutterstock

Immer öfter wird von einem „liberalen Islam“ gesprochen. Sogenannte „praktizierende Muslime“ wie auch „Kulturmuslime“, die sich als liberale, humanistische, säkulare usw. Muslime bezeichnen, melden sich vermehrt zu Wort. In diesem Beitrag sollen Positionen zum liberalen Islam und Probleme liberal-islamischen Denkens dargestellt werden.

Forderungen 

„Liberale Muslime“, so die gängige Bezeichnung, möchten ein humanistisches, modernes und aufgeklärtes Islamverständnis im zeitgemäßen Kontext“ fördern. Sie fordern u. a. eine moderne, historisch-kritische Lesart des Korans, eine humanistische, individualisierte Theologie, geschlechtergemischte Gebete ohne Bekleidungsvorschriften und mit Predigten auf deutsch, aber mit der Möglichkeit, das diese von „Imaminnen“ geleitet werden. „Liberale Muslime“ fordern zudem die Einbindung in die Vertretungsstrukturen der Muslime in Deutschland, einen „humanistisch orientierten“ islamischen Religionsunterricht und mehr Einsatz im Kampf gegen Gewalt und Extremismus.[1] Ferner gehören auch Themen wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Akzeptanz und Inklusion Homosexueller in die muslimische Gemeinschaft zum Grundbestand liberal-islamischer Anliegen.[2]

Daten und Fakten 

Wie viele „liberale Muslime“ es gibt, ist in der Gesamtheit nur schwer festzustellen. Bekannt ist, dass der 2010 gegründete Liberal-Islamische Bund (LIB) und damit der älteste der wenigen Vereine und Gesprächsgruppen des „liberalen Islams“ deutschlandweit lediglich 350 Mitglieder hat.[3] Gemeinden gibt es in Köln, Frankfurt und Berlin, während in Stuttgart, Hamburg und im Raum Ennepe-Ruhr einzelne Gruppen bestehen.[4] Zum Vergleich: Die vier größten islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland[5] vertreten ca. 85 Prozent der 2500 Moscheegemeinden in Deutschland und damit einen großen Teil des muslimischen Gemeindelebens.[6] Die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) mit Sitz in Köln, um ein Beispiel zu nennen, ist nur ein, wenn auch das größte Mitglied des Islamrates. Sie besteht mit ihren Vorgängerorganisationen seit den 70er Jahren, hat 36 Regional-/Landesverbände (davon 16 in Deutschland), mehr als 2300 Ortsgemeinden, 613 Moscheen, über 20.500 ehrenamtliche Funktionäre und rund 146.000 Mitglieder weltweit.[7] 

Von liberal-muslimischen Akteuren ist des Öfteren zu hören, sie würden der „schweigenden Mehrheit der Muslime“ eine Stimme geben, nämlich jener, die sich nicht durch die etablierten islamischen Religionsgemeinschaften vertreten fühle. So schreibt Lamya Kaddor: „Doch wir liberalen Muslime, wir, die schweigende Mehrheit, müssen sie (die „Orthodoxen“, AM) davon überzeugen, das ein bisschen mehr Machtverteilung, ein bisschen mehr Ausgleich und Kompromissbereitschaft am Ende allen guttun werden.“[8] Doch um welche Macht geht es hier? Die bestehenden islamischen Religionsgemeinschaften haben die Aufgabe und den Anspruch, für ihre Gemeinschaften zu sprechen und sich für ihr Islamverständnis stark zu machen – nicht mehr und nicht weniger. Die Gemeinschaften stehen für keinen Islam, der von oben herab „etabliert“ wird.

Der inzwischen medial präsente Abdel-Hakim Ourghi, Mitglied der Interessengruppe „Säkulare Muslime“ und Verfasser des Buches „Reform des Islam“ sieht das anscheinend anders. Er setzt einen Gegensatz zwischen Konservatismus und Modernismus/Humanismus voraus und schreibt, dass „die muslimischen Dachverbände nicht in die geeigneten Ansprechpartner des Staates und der beiden Kirchen sind“, da sie „einen konservativen Islam vertreten“ und daher „keine Garantie für die Etablierung eines modernen und humanistischen Islam“ seien.[9] Ihm schwebt vielmehr ein Rat vor, „der sich aus Mitgliedern konservativer Verbände sowie Mitgliedern eines reformierten liberalen Islams zusammensetzt“.[10]

Öffentliches Auftreten

Die Politik unterstützt liberale Bestrebungen, um die Vielfältigkeit des Islam“ zu fördern.[11] Nur einige Beispiele: Die Gründungsversammlung des Verbands Demokratisch-Europäischer Muslime (VDEM) fand 2010 mit Unterstützung des Aachener Oberbürgermeisters Marcel Philip statt.[12] Das Muslimische Forum Deutschland (MFD) wurde mit finanzieller und organisatorischer Unterstützung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung gegründet.[13] Der Kölner Friedensmarsch #Nichtmituns[14], welcher von der LIB-Gründerin Lamya Kaddor und dem Aktivisten Tarek Mohamad initiiert und organisiert wurde, fand einen großen und prominenten Unterstützerkreis aus der Politik und Gesellschaft[15]. Trotzdem haben am Ende nach Polizeiangaben lediglich bis zu 1000 Personen teilgenommen.[16]

Entgegen der unverhältnismäßigen Präsenz und Förderung liberaler Muslime vonseiten der Politik und der Medien ist die Zahl der Veröffentlichungen liberaler Vereine qualitativ und quantitativ recht überschaubar. Auf der Homepage des 2010 gegründeten LIB befinden sich insgesamt sieben recht kurze und teilweise rudimentäre und so gut wie gar nicht mit Quellen belegte Positionspapiere, denen man bestenfalls ansatzweise liberal-islamische Positionen und Ideen entnehmen kann, sowie knapp 40 größtenteils frei geschriebene „Freitagsgedanken“. Die jüngste auf der Seite auffindbare Pressemitteilung ist von Ende 2015, der letzte Medienbeitrag von Mitte 2016.[17] Auf den Internetpräsenzen anderer, noch kleinerer Gruppen sieht es nicht besser aus.

Etwas mehr findet man auf dem deutschsprachigen Buchmarkt, auch wenn es sich hierbei um Werke von Einzelpersonen und Einrichtungen handelt und es in diesen Büchern nicht systematisch um „den liberalen Islam“, sondern eher um einzelne Aspekte und Perspektiven eines „zeitgemäßen Islams“ geht. Hierzu gehören z. B. Lamya Kaddors Muslimisch – weiblich – deutsch! – Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam“ (2010), Hilal Sezgins „Mohammed und die Zeichen Gottes – Der Koran und die Zukunft des Islam“ (2008) oder Mouhanad Khorchides Gott glaubt an den Menschen – Mit dem Islam zu einem neuen Humanismus“ (2015), „Scharia – der missverstandene Gott. Der Weg zu einer modernen islamischen Ethik“ (2013) und „Islam ist Barmherzigkeit. Grundzüge einer modernen Religion“ (2012).

Probleme „liberal-islamischen“ Denkens

Muslime und islamische Vereinigungen, die sich über Label wie „liberal“, „säkular“, „humanistisch“ usw. definieren, beanspruchen für sich, eine in den Hintergrund gedrängte, vergessene Strömung des Islams zu repräsentieren, die „über Jahrhunderte hinweg von vielen muslimischen Denkern weitergetragen“[18] worden sei. Aus dieser Position ergeben sich einige Probleme.

Der politische Begriff „liberal“

Das erste Problem ist der Name: „liberaler Islam“. Der Begriff „liberal“ ist ein moderner politischer (Kampf)Begriff und lebt von der Abgrenzung. Denn „(e)ine politische oder soziale Handlungseinheit konstituiert sich erst durch Begriffe, kraft derer sie sich eingrenzt und damit andere ausgrenzt und d. h. kraft derer sie sich selbst bestimmt.“[19] Dessen scheint sich zumindest der LIB bewusst zu sein, da er sonst nicht klarstellen würde, dass „das Wort ‚liberal’ kein auf den politischen Kontext begrenzter Begriff“ sei und „nichts anderes als ‚freiheitlich (gesinnt)’ und ‚vorurteilsfrei’“ bedeute.[20] Aber trotzdem vergleicht LIB-Gründerin Lamya Kaddor das Verhältnis von „Orthodoxie“ und „liberaler Auffassung“ mit „unserem funktionierenden politischen System“: „Wir können darin die verschiedenen Grundeinstellungen zwischen Konservatismus, Liberalismus und Sozialismus beobachten.“[21]

Jedoch ganz und gar nicht vorurteilsfrei versuchen „liberale Muslime“ oft, sich begrifflich, politisch und theologisch von anderen Muslimen und deren Gemeinschaften abzugrenzen, wobei deren Selbstbezeichnung „islamische Religionsgemeinschaft“ tunlichst gemieden wird. Diese oft drastische, bei liberalen Akteuren wie Abdel-Hakim Ourghi fast schon kriminalisierende Art der Profilierung durch Abgrenzung beruht nicht auf Gegenseitigkeit. Während etwa Ourghi islamischen Religionsgemeinschaften fast jedwede Befugnis und das Existenzrecht abspricht[22], haben Vertreter und Vertreterinnen der etablierten islamischen Religionsgemeinschaften liberale Aktivitäten bisher kaum wahr- oder ernstgenommen und berechtigterweise nur wenig Bedarf verspürt, sich abzugrenzen. Sie haben früh erkannt, dass es sich um eine Scheindebatte handelt und sich nicht auf die „politische Denkschablone“ liberal-konservativ eingelassen.[23]

Die Suche nach einer Anbindung an die Tradition

Die Abgrenzung liberaler Muslime von den Vertretern eines traditionellen Islams steht in einem Spannungsverhältnis zum Versuch, ihr Denken in der islamischen Tradition zu verankern, allein schon deshalb, um den Anschein, ein Kind der Moderne zu sein, zu vermeiden, was ja schon der zeitgenössische Begriff „liberal“ nahelegt.

Um diesen Eindruck zu vermeiden wird nach Anknüpfungspunkten in der islamischen Tradition gesucht. Hierbei fallen die Namen von Strömungen wie der Mutazila und Gelehrten wie Ibn Hazm (gest. 1064), Ibn Ruschd (gest. 1198), Ibn Arabî (gest. 1240), Schâtibî (gest. 1388), Dschamal ad-Dîn al-Afgâni (gest. 1897), Muhammad Abduh (gest. 1905) und Muhammad Ikbal (gest. 1938). Denn dem LIB zufolge ist der liberal-islamische Ansatz weder eine Erfindung des Abendlands noch eine der Moderne“: Zu allen Perioden der islamischen Geschichte hat es wichtige spirituelle Vorbilder (z. B. Ibn Arabi, 1165-1240), Gelehrte (z. B. Muhammad Abduh, 1849-1905) und reformatorische Bewegungen (z. B. die Mu’tazila ab dem 8. Jhd.) gegeben, die den Islam in seinen freiheitlichen Aspekten betonten.[24

Es bleibt bei der bloßen Nennung dieser Personen. Eine tiefergehende Erörterung, inwiefern die Mutazila und die genannten Gelehrten für ein liberal-islamisches Verständnis stehen, gibt es von Seiten der liberalen Vereine nicht. Lediglich Mouhanad Khrochide behandelt in seinen Büchern diese und ähnliche Frage, jedoch nur oberflächlich und nicht in gebotener akademischer Manier, da die Bücher laut eigenen Angaben auf eine „auch für Laien verständliche Weise“[25] geschrieben wurden.

Ohnehin ist fraglich, inwieweit eine zu ihrer Entstehungszeit wichtige Bewegung wie die Mutazila, für teilweise salopp daherkommende liberale Bestrebungen herhalten kann. Allein die Betonung der Vernunft bei der Mutazila als gemeinsames Merkmal hinzustellen, ist zu kurz gegriffen. Dies wird der Mutazila nicht gerecht, die u. a. aus dem Bedarf heraus entstanden ist, den islamischen Glauben angesichts der Glaubenslehren systematisch zu erklären bzw. zu verteidigen, weshalb sie besonders in den damaligen Metropolen Kufa und Basra stark vertreten war.

Die Vernunft bzw. Ratio (Akl) war ein – zentrales und wichtiges – Mittel der Mutazila, aber kein Selbstzweck. Unter ihren folgenden fünf zentralen Prinzipien befindet sich kein „Prinzip der Vernunft“: 1. die Einheit Allahs (Tawhîd), 2. die Gerechtigkeit Allahs (Adl), 3. die Verheißung und Drohung (al-Wad wa al-Waîd), 4. die Zwischenstellung zwischen zwei Aufenthaltsorten (al-Manzila bayn al-Manzilatayn) und 5. das Gebieten des Guten und das Verbieten des Verwerflichen (al-Amr bil-Maruf wan-Nahy anil-Munkar).[26]

Die starke Bezugnahme auf die Mutazila bei heutigen liberalen Muslimen hinterlässt den Eindruck als wären alle anderen Denkschulen gegen den Einsatz rationaler Argumente und würden sich ausschließlich an den Wortlaut halten. Dieser verengte und vermutlich auch dem aktuellen Image des Islams geschuldete Blick ist nicht zutreffend, jedoch aufschlussreich hinsichtlich der Vorstellung vermeintlich liberal denkender Muslime. Denn so einflussreich die Mutazila auch war, im Zuge von zahlreichen Disputen durchgesetzt haben sich mit der Aschariyya und der Maturidiyya zwei Theologieschulen, die ihre Aufgabe darin sahen, dem rationalistischen Gedankengebäude der Mutazila eine ebenfalls auf rationalistischen Argumenten beruhende Verteidigung der islamischen Glaubensfundamente entgegen zu stellen. Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime folgt – bewusst oder unbewusst – der Maturidiyya, da diese unter Hanafiten traditionell vorherrschend ist.[27]

Ähnlich verhält es sich mit der Bezugnahme auf bestimmte Gelehrte. Im LIB-Positionspapier zur Homosexualität wird auf Ibn Hazm verwiesen, demzufolge die Überlieferungen zu homosexuellen Akten „allesamt als gänzlich zweifelhaft und unzuverlässig“ seien. „Liwat galt Ibn Hazm als Form von außerehelicher Sexualität als sündhaft, er erkannte jedoch ihre von anderen Gelehrten betriebene weitere Kriminalisierung nicht an und betrachtete eine solche als nicht im Einklang mit den eigentlichen Quellen des Islams.“[28] Nun muss man aber wissen, dass der andalusische Rechts- und Hadithgelehrte Ibn Hazm einer der bekanntesten Vertreter der kleinen und kurzlebigen Zâhiriyya war. Das Hauptmerkmal dieser Rechtsschule war ihr unbeirrbares Festhalten an dem Wortlaut der Quellen, weshalb z. B. Schâtibî die Zahiriyya stark kritisierte und Ibn Hazm in die Nähe der Hâridschiten rückte, die wiederum so gar nicht freiheitlich-liberal waren. Vor diesem Hintergrund ist verwunderlich, dass sich das Positionspapier auf Ibn Hazm bezieht und kann nur mit Mangel an Alternativen bzw. fehlender Expertise erklärt werden.

Individualisierung und Methodenlosigkeit in theologischen Fragen

Ein Kennzeichen bzw. Problem liberal-islamischen Denkens ist die ambivalente Haltung gegenüber dem Idschma und den Hadithen mit gleichzeitiger Betonung des Idschtihads. Einerseits ist diese Haltung nachvollziehbar, denn ohne die Infragestellung von Hadith und Idschma wären viele Positionen und Wünsche liberaler Muslime gar nicht mehr islamisch-theologisch begründbar. Die Gefahr der ausartenden Individualisierung und der damit verbundenen Methodenlosigkeit bei der Urteilsfindung in theologischen Fragen ist groß. Denn Idschtihad heißt nicht einfach nur, dass man von seinem Verstand Gebrauch macht und vom Wortlaut der deutschen Koranübersetzung seinen Glauben und seine religiöse Praxis ableiten könnte.

Vor diesem Hintergrund ist auffällig, dass sich keiner der liberal-islamischen Gruppen damit auseinandersetzt, unter welchen Bedingungen, von wem und mit welchen Qualifikationen ein Idschtihad heute vorgenommen werden kann. Einfach nur theologisch bewandert zu sein, reicht – vor allem angesichts der heutigen komplexen Lebensrealität – bei weitem nicht aus.

Welche Folgen eine theologische Individualisierung gepaart mit Methodenlosigkeit haben kann, kann anhand einiger Beispiele verdeutlicht werden.

In einem „Freitagsgedanken“ des LIB macht sich Katharina F. Gedanken über das Opfern und Spenden. Sie kommt zu dem Ergebnis: Meiner Ansicht nach muss heutzutage nicht unbedingt ein Tier geopfert werden, sondern es geht hauptsächlich darum etwas von sich für andere zu geben bzw. andere am Opfer teilhaben zu lassen. Und ob ich nun Geld spende, damit irgendwo auf der Welt ein Tier geschlachtet und dessen Fleisch an Bedürftige verteilt wird oder ob ich es spende damit die bereits erwähnten Hilfsgüter verteilt werden, ist eigentlich egal. Ich denke, dass beides als Opfergabe von Gott angenommen wird.[29]

Ein anderer Text derselben Verfasserin beschäftigt sich mit der Frage der Sprache beim Gebet und kommt zum Schluss: Wo steht im Koran geschrieben, dass das Gebet auf Arabisch Pflicht ist? Nirgends. Ein solches Gebot existiert nicht. Das Argument mancher Muslime, dass man auf Arabisch beten müsse, weil der Koran auf Arabisch offenbart wurde, ist falsch. Man kann ohne Bedenken auch auf Deutsch oder jeder anderen Sprache beten.[30]

Damit hat Katharina F. quasi aus dem Stegreif heraus zwei tief verwurzelte religiöse Praktiken problematisiert und in wenigen Sätzen einer für sich selbst plausiblen Lösung zugeführt. Man kann, wenn man die nötige Qualifikation dazu hat, den Idschma kritisieren und auch Hadithkritik betreiben. Das ist das Tagesgeschäft muslimischer Gelehrter und Akademiker. Aber schreit das Vorgehen wie es hier geschildert wird, nicht gerade nach dem Vorwurf der Beliebigkeit, den liberale Muslime strikt von sich weisen? Denn mit derselben Logik könnte ohne Weiteres das fünfmalige Gebet auf zwei oder drei reduziert, das Fasten auf den Verzicht von einigen wenigen Genüssen und Gewohnheiten abgestuft oder das Kopftuch abgeschafft werden, wie es Lamya Kaddor ja bereits getan hat: „Gott verlangt sittsames Verhalten. […] Das Kopftuch spielt in meinem Deutschland des 21. Jahrhunderts keine Rolle mehr.“[31]

Es drängt sich der Verdacht auf, liberalen Muslimen gehe es darum, bestimmte Lebensentwürfe theologisch zu begründen. In einem Schweizer Papier wird das deutlich: „Die Reformziele […] umfassen die Anpassung des Islam an die Erfordernisse des heutigen gesellschaftlichen Lebens, die Konformität mit den UNO-Menschenrechtsdeklarationen und den Willen, als BürgerInnen und MuslimInnen einen Beitrag zur Bewältigung der Zukunftsprobleme der Menschheit zu leisten.“[32] In der Religion wird somit nicht mehr etwas Wesentliches gesehen, dass das Leben ordnet, sondern als etwas, das beliebig und zum eigenen Vorteil geordnet werden kann und muss.

Ausblick

Der Islam ist nie statisch gewesen, schon gar nicht so wie ihn vermeintlich liberal denkende Menschen sehen möchten, um ihn gemäß ihren Vorstellungen neu zu ordnen. Selbstverständlich gab und gibt es Muslime, die Fehler machen, ein verzerrtes Verständnis ihrer Religion haben oder Erlaubtes für verboten und Verbotenes für erlaubt erklären. Doch schon immer hat es Bewegungen und Gelehrte gegeben, die mit Wissen, Demut und Hingabe versucht haben, diese Missstände zu korrigieren, indem sie aus der unendlichen Fülle koranischer und prophetischer Weisheit und der Methoden, die im Laufe der Jahrhunderte entwickelt wurden. In diesem Rahmen können Muslime ihre Religion reflektieren und praktizieren. Der Islam bedarf keiner Pseudoreform, schon gar nicht einer vermeintlich liberalen, denn der Islam ist immer und überall lebbar.

 

[1] http://saekulare-muslime.org/freiburger-deklaration/

[2] https://lib-ev.jimdo.com/wir-%C3%BCber-uns/

[3] http://www.badische-zeitung.de/deutschland-1/heftige-angriffe-gegen-liberale-muslime–138705010.html

[4] http://www.liberale-muslime-deutschland.de/

[5] Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB); Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland (IRD); Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) und Verband islamischer Kulturzentren (VIKZ)

[6] http://www.deutsche-islam-konferenz.de/DIK/DE/Magazin/Gemeindeleben/BekanntheitOrg/bekanntheit-org-mld-node.html

[7] Tätigkeitsbericht bei der 9. Hauptversammlung der IGMG, S. 39, https://www.igmg.org/wp-content/uploads/2016/05/IGMG_Genel-Kurul_Inhalt_160509_mudu.pdf

[8] „Muslimisch – weiblich – deutsch! – Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam“, Lamya Kaddor, München 2010, S. 85.

[9] „Der Islam und die Muslime in Deutschland“, in: „Islam und Staat“, Gerda Hasselfeldt, Ursula Männle (Hrsg.), Berlin 2017, S. 16.

[10] http://saekulare-muslime.org/freiburger-deklaration/index.html

[11] So NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) in einem Bericht auf RP ONLINE. In der gleichen Nachricht hießt es ironischerweise: „Wichtig sei, dass sich keine religiöse Gemeinschaft vor einen politischen Karren spannen lasse, ganz gleich aus welcher Himmelsrichtung.“ http://www.rp-online.de/nrw/landespolitik/nrw-unterstuetzt-liberale-moscheen-nach-dem-vorbild-der-ibn-rushd-goethe-moschee-in-berlin-aid-1.7000328

[12] http://www.vdem.eu/, 9.8.2017

[13] http://www.islamiq.de/2015/10/08/zweiter-anlauf-eines-fragwuerdigen-projekts/

[14] http://www.ramadan-friedensmarsch.de/

[15] http://www.ramadan-friedensmarsch.de/seiten/unterzeichnerinnen.html

[16] https://www.landtag.nrw.de/Dokumentenservice/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMD17-280.pdf

[17] https://lib-ev.jimdo.com/medien-presse/pressemitteilungen-archiv/

[18] „Liberaler Islam“ – Positionspapier des Liberal-Islamischen Bundes e.V., https://lib-ev.jimdo.com/inhalte-und-ziele/positionspapiere/, S. 1.

[19] „Zur historisch-politischen Semantik asymmetrischer Gegenbegriffe“, Reinhart Koselleck, in: „Positionen der Negativität“, Harald Weinrich (Hg.), München 1979, S. 65.

[20] „Liberaler Islam“, ebd.

[21] „Muslimisch – weiblich – deutsch!“ S. 87.

[22] „Der Islam und die Muslime in Deutschland“, S. 11 ff.

[23] „Islam ohne Seele oder alles nur PR?“, Muhammad Sameer Murtaza, http://islam.de/20577

[24] „Liberaler Islam“, S. 2.

[25] „Islam ist Barmherzigkeit. Grundzüge einer modernen Religion“, Mouhanad Khorchide, Freiburg im Breisgau 2012, S. 27.; „Scharia – der missverstandene Gott. Der Weg zu einer modernen islamischen Ethik“, Mouhanad Khorchide, Freiburg im Breisgau 2013, S. 22.

[26] „Mu’tezile“, TDV İslam Ansiklopedisi, Bd. 31, S. 391 ff., http://www.islamansiklopedisi.info/dia/pdf/c31/c310262.pdf

[27] „Mâtürîdiyye“, TDV İslam Ansiklopedisi, Bd. 28, S. 165 ff., http://www.islamansiklopedisi.info/dia/pdf/c28/c280089.pdf

[28] „Homosexualität im Islam“ – Positionspapier des Liberal-Islamischen Bundes e.V., https://lib-ev.jimdo.com/inhalte-und-ziele/positionspapiere/

[29] „2016_09_02: „Opferfest und Spenden““, von Katharina F., https://lib-ev.jimdo.com/freitagsgedanken/

[30] „2016_04_08: „Darf man auf deutsch beten?““ v. Katharina F., https://lib-ev.jimdo.com/freitagsgedanken/

[31] „Muslimisch – weiblich – deutsch!“ S. 56.

[32] http://www.forum-islam.ch/de/reformbewegungen/index.php

Leserkommentare

Johannes Disch sagt:
@Ali Mete "Ein Artikel voller Fragezeichen", möchte man eine Entgegnung darauf betiteln. Die Einwände gegen den Artikel sind wohl nicht in einem Post unterzubringen. Fangen wir aber einfach mal mit den offensichtlichen Fehlern an. -- "Die vier größten islamischen Religionsgemeinschaften in Deutschland..." (Ali Mete) Dazu zählt er die DITIB, den IRD, den ZMD und den VIKZ. Werter Herr Mete, die aufgezählten Verbände sind juristisch betrachtet keine Religionsgemeinschaften, sondern (politische) Organisationen, die nach dem deutschen VEREINSRECHT organisiert sind. Ironisch formuliert könnte man sagen, die vier aufgezählten Organisationen sind rechtlich dasselbe wie jeder provinzielle Hühnerzüchter-Club oder jeder Fußball-Club, nämlich einfach Vereine. Die zweite Nebelkerze, die Herr Mete wirft, liegt in einem statistischen Taschenspielertrick. Die vier Organisationen würden 85% der Moschee-Vereine repräsentieren. Wow, denkt sich da der Laie. Da müssen diese vier Organisationen doch für die überwiegende Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime sprechen. Diesen Eindruck wollen die Verbände-- allen voran der ZMD-- immer vermitteln. Er ist aber falsch. Moschee-Verein ist nicht gleichbedeutend mit der individuellen Zahl von Muslimen. Verbandsstrukturen sind dem Islam fremd und die meisten Muslime haben damit nix am Hut. Nur ca. 15% der hier lebenden Muslime sind in einem Moschee-Verein / in einer der vier großen Verbände organisiert. Und schon relativiert sich die auf den ersten Blick beeindruckende Zahl von Herrn Mete. Die korrekte Zahl lautet aber nicht 85%, sondern 15%. Nur für diese 15% der hier lebenden Muslime sprechen die 4 Verbände. Noch ein Wort zu einem Literaturhinweis, den Herr Mete gibt: -- "Mohammed und die Zeichen Gottes." Er gibt als Verfasserin Hilal Szezgin an. Entweder er hat den hauptsächlichen Verfasser dieses lesenswerten Islam-Reformbuchs bewusst unterschlagen oder er kennt ihn nicht. Beides würde nicht für ihn sprechen. Verfasst wurde das Buch von ABU ZAID. Hilal Szezgin stellte ihm nur die Fragen! (Das Buch ist in Interview-Form entstanden). ABU ZAID (verstorben 2010) war einer der größten zeitgenössischen kritischen Islamwissenschaftler, weshalb ihn die ägyptische Orthodoxie auch ins Exil zwang. Und ABU ZAID war auch einer der größten Kritiker eines konservativen Islam in Europa. Kann es sein, dass Herr Mete den Namen ABU ZAID hier deshalb "vergessen" hat, weil er in seinem Artikel versucht, den Ansatz eines liberalen Islam zu diskreditieren? Er tut es intellektuell und rhetorisch geschickt. Nichtsdestotrotz scheint eine gewisse Herablassung durch gegen einen liberalen Reform-Islam, nach dem Motto: Der Islam war und ist ja so dynamisch, dass er sich schon immer von selbst reformiert hat und keine Ratschläge von außen braucht. Der Duktus des Artikels von Herrn Mete erinnert stark an einen erst kürzlich hier erschienen Artikel: "Der Diskurs über Islam und Reform ist ein Selbstgespräch." Ich habe schon in meinen Posts zu diesem Artikel gezeigt, dass das nicht stimmt und dass der Islam-- will er in Europa integriert werden-- sehr wohl grundlegende Reformen braucht. Man mag zu den von Herrn Mete genannten liberalen Organisationen von Lamya Kaddor und Ahmad Mansour und zu Kritikern wie Qurghi und Seyran Ates stehen, wie man will: Sie legen oft den Finger in Wunden und können Anstöße geben zu einem konstruktiven Dialog. Es geht hier auch gar nicht um theologische Feinheiten, die Herr Mete gekonnt ausbreitet. Und es geht auch gar nicht um Etiketten, wie "liberal", etc. Es geht um einige grundlegende Dinge, die Muslime akzeptieren müssen, wollen sie hier leben. Das Grundrecht auf Religionsfreiheit gilt nur für die "5 Säulen" des Islam. Alle anderen Sonderwünsche und theologischen Raffinessen über Auslegungen von Suren, den Hadithen, den angeblich richtig ausgelegten und richtig gelebten Islam,etc. ist was für den akademischen Elfenbeinturm, hat aber in der Praxis nix verloren. Es gibt einige grundlegende islamische Doktrin, die Muslime in Europas ad acta legen müssen: Dazu gehören u.a.: -- Das Konzept der Islamisierung der Welt durch "Hidjra" ("Migration") und "Dawa" ("Missionierung zum Islam"). -- Die Vorstellung, der Islam wäre die überlegene und einzig wahre Religion. -- Die Praxis des "Takfir" (Jemanden zum "Ungläubigen" erklären) -- Die Zweiteilung der Welt in ein "Dar-Al-Harb" ("Haus des Krieges") und ein "Dar-Al-Islam" ("Haus des Friedens") Nach diesem Verständnis begehen immer nur die Anderen Krieg, da sie noch nicht zum "Haus des Islam" geworden sind. "Weltfriede" ist nach diesem Verständnis erst erreicht, wenn die ganze Welt zum "Dar-Al-Islam" ("Haus des Islam") geworden ist. Die zum Schluss geschilderte Doktrin ist keineswegs eine exotische Außenseiter- Position. Sie ist bis heute geltende Lehrmeinung im islamischen Völkerrecht. (Siehe: Najib Al-Armanazi: "al schar al duwai" / "Völkerrecht im Islam", 1930, jüngste Neuauflage Kairo 1990) Glücklicherweise tickt die Welt nach dem Völkerrecht der UNO, und nicht nach dem islamischen "Völkerrecht." Es geht also nicht um theologische Spitzfindigkeiten, ob die "Liberalen" die Mutaziliten richtig verstehen oder sonstigen akademischen Islam- Rabulismus. Ob die "Liberalen" den Islam richtig verstehen oder ob es einzig und allein Ali Mete ist oder der ZMD Es geht um die unverhandelbaren Kernwerte unserer Demokratie. Die haben Vorrang vor jeglicher Islam-und Koran.-Interpretation. Genauer: Jede Auslegung und vor allem jede religiöse Praxis hat mit unserer Verfassung kompatibel zu sein! DAS ist der entscheidende Punkt!
12.11.17
20:10
Muslim sagt:
Die Aussage des "L.I.B." zu Ibn Hazm scheint so ziemlich an den Haaren herbei gezogen zu sein, vor allem weil sie extrem wirr und widersprüchlich scheint. Also laut dieser betrachtet Ibn Hazm nur außerehelichen Rektalverkehr unter Männern als Sünde, also innerehelicher sei erlaubt? !! Und wenn er außerehelichen Rektalverkehr wie außerehelichen heterosexuellen Verkehr betrachtet, warum betrachtet er dies als angeblich nicht "weiter zu kriminalisieren", wo doch Ibn Hazm kaum die bekannte Strafe für diese Form der Unzucht ablehnt, wo er doch aufgrund seiner Strenge in die Nähe der Khawarij gerückt wurde? Fragen über Fragen. ..
13.11.17
0:09
Muslim sagt:
Im vorletzten Satz ist mit dieser "Form der Unzucht" heterosexueller außerehelicher Verkehr gemeint. Es stellt sich also die Frage, warum diese Form der Unzucht kriminalisiert ist, homosexueller außerehelicher Verkehr hingegen angeblich nicht. Auf der Homepage dieses Vereins wird etwa auch behauptet, dass die Verse über Lot - Heil und Segen auf ihm - beweisen, dass angeblich nur männliche Homosexualität sündhaft sei. Es ist absolut lächerlich.
13.11.17
0:16
Charley sagt:
Genauso wie es schwer ist, festzustellen, wie viele "liberale Muslime" es gibt, so ist es noch schwerer festzustellen, wie viele Muslime es gibt, noch schwerer wie viele dann also "nicht-liberale Muslime" es gibt. Denn nicht jeder, der als Muslim geboren ist, ist heutzutage noch Muslim. Wird aber schnell "dazu gezählt"! Ich bin aus der "Kirche" ausgetreten, sehe mich aber als Christ. Wo werde ich wohl dazu gezählt? Wer spricht hier für wen? Dass die islamischen Religionsgemeinschaften für "ihre" Gemeinschaften sprechen, ist ein netter Anspruch, wird hier auf islamiq aber immer wieder aufgelöst, wenn "der Islam" dargestellt wird. Dass Herr Abdel-Hakim Ourghi nun reklamiert, dass die Islamverbände mit ihrem "konservativen Islam" keinerlei Gewähr bieten "für die Etablierung eines modernen und humanistischen Islam" kann doch unabhängig von jeglichen Mitgliederzählungen wahr sein, oder? Also, was soll das, Herr Mete? In der Erörterung von "liberal" steht nun: "Diese oft drastische, bei liberalen Akteuren wie Abdel-Hakim Ourghi fast schon kriminalisierende Art der Profilierung durch Abgrenzung beruht nicht auf Gegenseitigkeit." Das merkt man deutlich an der Art, wie vielfältig die Ibn-Rushd-Moschee in Berlin kalt gestellt wird!! rofl und - grundsätzlicher - die real aufgeworfenen Fragen der "Liberalen" igoniert oder mit fundamentalistischen Argumenten ausgeschlossen werden... zum Zwecke der Etablierung einer Parallelgesellschaft. Man fragt sich, ist das ernst gemeint von Hrn. Mete: "Sie haben früh erkannt, dass es sich um eine Scheindebatte handelt". Ich bitte den Beitrag von Johannes Disch zu lesen in http://www.islamiq.de/2017/10/31/der-diskurs-ueber-reform-und-islam-ist-ein-selbstgespraech/#comments Beitrag vom 01.11.17 17:18 Angesichts der Lebensbestimmung, die "wissende Imame" heutzutage in Form eines fundamentalistischen Dogmatismus festlegen ist Ali Metes Aussage "Sie haben früh erkannt, dass es sich um eine Scheindebatte handelt" wirklich "humorvoll". Man schaue nur auf die taglang laufenden Flimmerkisten in muslimischen Familien im Zusammenhang mit dem Bilderverbot des Islam! Die Gedanken zum "Opfer" von Katharina F. finde ich großartig! Der Opferbegriff, den ihc hier vielfältig auf islamiq gefunden habe, erscheint mir so oberflächlich, dass ich mich frage: Wie flach muss ein religiöses Denken sein, dass mit diesem Opferbegriff leben kann! Das einzig sinnvolle Opfer ist das "Selbstopfer", indem die eigene Existenz versucht wird, zum Ausdruck der Göttlichkeit zu machen. Das eigene Seelische zum Ausdruck der göttlichen Geistigkeit machen, .. in aller Bescheidenheit! Da heraus ergeben sich dann "Spenden" usw.. von selbst! In welcher Sprache beten? Wenn man dem Gebetstext nicht lautmantrischen Gehalt unterstellt, ist jede andere Sprache möglich, da ein Gebet in Gedanken beginnt, diese sind aber mehr als die Worte, die hoffentlich Gedanken ausdrücken. "Der Finger, der auf den Mond zeigt, ist nicht der Mond" sagt dazu der Zen-Buddhismus. Darum lässt sich dass Vater-Unser auch ohne weiteres übersetzen, weil es ein Gedankenmantram ist. Lautmantren haben ihre Bedeutung erst in einer sehr weit fortgeschrittenen geistigen Entwicklung, die für 99,99% aller Menschen in den Sternen steht! Aber Herr Mete vertritt hier vermtl. die dogmatische, traditionelle (spirituell komplett unsinnige!) Meinung, dass Gabriel arabisch gesprochen hätte! rofl Ja, Herr Mete hat Angst vor Beliebigkeit und stürzt daher, Halt suchend, in den Fundamenatlismus, den Traditionalismus zurück. Nur... Herr Mete, genau DAS ist das Kriterium der Moderne, dass man IN SICH Halt finden muss! Traditionen sind illusionärer Halt! Und da Sie Angst haben vor dem Verlust der 5 Säulen... denken Sie an Al-Halladsch: Da er Gott überall erlebte, wurde es ihm - der 2mal die Hadsch gemacht hatte - fragwürdig, warum man nach Mekka reisen sollte. (Anders herum, wie viele fahren nach Mekka und haben Gott dort nicht gefunden?). Leider kostete das Al-Halldsch das Leben! ... bestialisch zu Tode gebracht von den "Rechtgeleiteten". Sehr geehrter Herr Mete, vielleicht auch zu Ihnen sagte Al-Halladsch: Gott möge dir das Äußere des Religionsgesetzes verhüllen und dir das wahre Wesen des Unglaubens enthüllen. Denn das Äußere des Religionsgesetzes ist verborgener Unglaube, und das wahre Wesen des Unglaubens ist deutliche Erkenntnis.
13.11.17
12:22
Frederic Voss sagt:
Es lebt sich wirklich viel leichter und gesünder ohne sich ständig mit islamischem Gedankengut, Interpretationen, Konstruktionen & autoritären Verordnungen durch Anführer und Aufrührer zu befassen. Ein freier Mensch braucht all das nicht; er wird auch nicht verdammt werden. Wenn es im Tod einen Übergang in andere Realitäten gibt, dann spielt es überhaupt keine Rolle, ob Kopftücher und Fußwaschungen das Leben bestimmt haben. Davon bin ich überzeugt; ich habe mich nämlich mehrere Jahrzehnte intensiv mit diesen Lehren und Meinungen beschäftigt. Dieses ganze Projekt voller Fragezeichen sollten Sie am besten ersetzen durch die wahre Identität in uns: wir sind endloses Bewußtsein.
13.11.17
22:43
Muslim sagt:
Johannes Disch: Der Islam ist selbstverständlich die einzig wahre Religion und anderen Religionen überlegen und alle anderen Religionen sind falsch und selbstverständlich werden Muslime weiterhin von ihrem Recht und ihrer religiösen Pflicht Gebrauch machen, für den Islam zu werben. Soweit kommt es noch, dass wir darauf verzichten, während zudem Christen die gesamte Welt mit ihren penetranten Missionen belästigen! Das ist völlig indiskutabel und das werde ich auch nicht diskutieren.
14.11.17
7:52
Charley sagt:
@ Johannes Disch, @ Ali Mete: ist dieser Muslim tatsächlich existent oder ist er einfach ein Fake-Account um hier eine muslimische Realsatire vorzuführen? ... die einzig wahre Religion... hoffentlich gibts auch jemanden, der die versteht! ...allen anderen überlegen.... in Selbstherrlichkeit und im Fanatismus, yeah! ... alle anderen sind falsch.... außer Muslim höchst persönlich mit seinen Ansichten.... (merke: it´s lonley at the top (Randy Newman))... ... penetrant.... ist die Dümmlichkeit des prähistorischen Dogmatismus von Muslim! Glücklicherweise wird Muslim das auch nicht mehr diskutieren... puuh, werden wir wenigstens auf diesem Gebiet nicht mehr von seiner Dummheit belästigt!
14.11.17
14:36
Marlies sagt:
Das Anliegen der liberalen Moslems ist ein Gutes. Leider sind diese liberalen Moslems allerdings wohl tatsächlich nicht, wie sie von sich selbst behaupten, Repräsentanten irgendeiner schweigenden Mehrheit, sondern gnadenlos in der Unterzahl gegenüber den mittelalterlich orientierten Moslems. Der Islam ist, wie er ist. Und das ist nun einmal nicht liberal und aufgeklärt, sondern mittelalterlich und menschenverachtend. Der liberale Islam ist ein Hirngespinst einer kleinen Minderheit unter den Moslems, die sich den Islam schönreden wollen.
14.11.17
15:03
Ute Fabel sagt:
@ Muslim: Was macht sie eigentlich so sicher, dass gerade der Islam die einzig richtige Religion ist? Die Bahai glauben, dass der Prophet Baha‘u‘llah im 19. Jahrhundert göttliche Offenbarungen gehabt hat. Die Mormonen glauben dasselbe von Joseph Smith. Anhänger von diesen Religionen haben noch nie Anschläge verübt, Eroberungskriege geführt oder Religionsdiktaturen errichtet. Mormonen glauben nicht, dass sich Gott Kopftücher wünscht. Sie glauben an Untewäsche, die bis zu den Ellbogen und Knien reicht, als göttlichen Auftrag. Teetrinken mag ihr Gott auch nich, Allah scheint sich an diesem Getränk nicht zu stören.
14.11.17
16:00
Dilaver sagt:
Der sogenannte "liberale Islam" ist nichts anderes als eine Systemkriecherei, was lediglich scheinbar ein paar weltliche Vorteile bringt. Mehr aber auch nicht. Davon mal ganz zu schweigen, dass er als irregeleitete Sekte keine Alternative ist. Muslime sollen allen Schwierigkeiten zum Trotz, welche die heutige Zeit mit sich bringt, das Wohlgefallen Gottes im Diesseits als auch im Jenseits anstreben, anstatt sich auf Kosten ihrer Religion ein paar weltliche Vorteile zu erhaschen. Es reicht vollkommen aus, sich dabei an den islamischen Religionsgemeinschaften DITIB, VIKZ, Islamrat und ZMD, in welchen 85% der Moscheevereine organisiert sind, zu orientieren.
14.11.17
16:40
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