Deutschland, deine Umma!

„Mein Ziel: die richtige Seite des Islams zeigen“

In Deutschland leben mehr als fünf Millionen Muslime. Wie viele kennen Sie? In der neuen Serie stellen wir querbeet Menschen vor, die eine Gemeinsamkeit teilen: Sie sind Teil der Umma Deutschlands. Heute der Olympiasieger und Fußballweltmeister Furkan Altun.

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10
2017
Furkan Altun
Furkan Altun © www.altunfurkan.de

Furkan Altun trägt Titel, die nicht viele ihr eigen nennen können:  Olympia-Sieger und Weltmeister. Mitte des Jahres hat er mit der deutschen Nationalmannschaft an den World Darf Games in Kanada teilgenommen und die Fußballweltmeisterschaft der kleinwüchsigen Athleten gewonnen. Von den 41 deutschen Toren während der Meisterschaft, gingen ganze 25 Treffer und damit mehr als die Hälfte der Tore auf Altuns Kappe. Außerdem gewann er Gold in seiner Klasse in 100 Meter und 200 Meter Sprint. In den Disziplinen Tischtennis und Volleyball holt er Bronze-Medaillen nach Deutschland. Ohne den Sport fühle sich der Mediendesigner aus Brühl krank und sein Glaube sei dabei seine größte Kraftquelle. Mit seinen 26 Jahren zählt er zu einem großen Vorbild in der Umma Deutschlands. Im Interview lernt ihr ihn kennen: Furkan Altun.

 

IslamiQ: Haben Sie sich bewusst für diesen Weg als Sportler entschieden? Wie kam es dazu?

Furkan Altun: Schon seit meiner Kindheit treibe ich Sport. Sechs Tage in der Woche Sport? Ich denke schon, dass ich mich bewusst entschieden habe. Mit 17 Jahren habe ich mit Kickboxen angefangen und trainierte in meiner Freizeit Kinder und Jugendliche. Außerdem spiele ich erst seit meinem 22. Lebensjahr in einer Fußballmannschaft und bin Stammspieler dort.

IslamiQ: Können Sie sich an eine Situation erinnern, in der Sie erstmals mit der Identitätsfrage konfrontiert waren?

Altun: Nicht direkt. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, vielleicht hatte ich deswegen keine direkte Konfrontation. Ich muss erwähnen, dass ich viele Lebensstile und -ereignisse in Deutschland mit meiner Religion in Verbindung bringe. Alleine die deutsche Pünktlichkeit ist ein sehr wichtiges Beispiel dafür.

IslamiQ: Welche Hobbies haben Sie? Wie gestalten Sie ihre Freizeit am liebsten?

Altun: Mein Hobby ist mein Job. Als Mediendesigner hat man eine sehr vielfältige Arbeit. Das Fotografieren und der Sport sind meine großen Leidenschaften. 

IslamiQ: Was bedeutet Familie für Sie?

Altun: Familie ist die Basis für das Leben. Man kann es eigentlich wie das Spiel „Jeng“ (Wackelturm) betrachten. Man baut zuerst das Fundament auf (die Familie); die Steine, die aus dem Turm gelöst werden, sind sowohl die positiven als auch die negativen Lebensereignisse, die man zusammen mit der Familie erlebt und bis Ende des Lebens mitnimmt. Die gelösten Steine werden nicht weggeworfen, sondern auf die Spitze des Turms gesetzt. Es ist immer wichtig, wie die Steine gelöst werden, nämlich kontrolliert mit Feingefühl und nicht aggressiv und unsicher, denn sonst fällt der Turm zusammen.

IslamiQ: Wie würden Ihre Freunde Sie beschreiben?

Altun: Einzel-Riesen-Orchester.

IslamiQ: Ihr Lebensmotto?

Altun: „Eine Blume macht noch keinen Frühling, aber mit einer Blume beginnt der Frühling”.

 IslamiQ: Was ist Ihr größtes Ziel in diesem Leben und was tun Sie um es zu erreichen?

Altun: Eines meiner großen Ziele war es, das Nationalteam mit dem Adler auf der Brust und dem Halbmond und Stern im Herzen im Bereich Sport zu repräsentieren. Erreicht habe ich es Anfang August 2017 in Kanada bei den World Dwarf Games. Das ist eine Weltmeisterschaft bzw. Olympiade nur für kleinwüchsige Menschen. Ein Ziel, das ich nie aus den Augen verliere, ist immer, die richtige Seite des Islams zu zeigen.

IslamiQ: Was muss passieren, damit Muslime hier als selbstverständiger Teil Deutschlands angesehen werden?

Altun: Ich bin der Meinung, dass Muslime ein selbstverständiger Teil Deutschlands sind. Wir Menschen müssen an uns selber arbeiten, ob Muslime, Christen oder andere. Letztendlich ist man ein Individuum und das Urteil fällt aus der Sicht des Betrachters auf die Handlungen der Personen. Soweit die Medien das Bild des Islams weiter auf die dunkle Seite schieben, werden falsche Informationen und Wahrnehmungen jedoch weiter eingepflanzt.

IslamiQ: Sie haben Deutschland im Sport auf internationalen Bühnen vertreten. Gab es Reaktionen, die Sie überrascht haben?

Altun: Die Sportler/Familien kamen persönlich auf mich zu, um mir zu gratulieren und sagten mir, dass sie sehr dankbar dafür sind. Das Wort „dankbar“ ging mir sehr ans Herz. Es waren vielleicht nur maximal 5 Muslime da, die ich dort kennengelernt habe, man hat den Stolz gespürt und gesehen. Ab diesen Moment wusste ich, dass ich weiter erfolgreich sein muss und andere dazu motivieren kann, in allen Bereichen an solchen Veranstaltungen mit dabei zu sein. Der Beobachter „traut“ sich Fragen über den Islam zu stellen, die in seinem Kopf mit einem großen Fragezeichen vorhanden sind. Durch solche Angelegenheiten kann man sowohl direkt als auch indirekt Menschen mit Vorurteilen und falschen Informationen über den Islam erreichen. Deswegen ist mir der Erfolg und die Bescheidenheit auf internationalen Bühnen sehr wichtig geworden. 

Leserkommentare

Frederic Voss sagt:
Werden hier alle 4 Millionen Muslime in Deutschland zur muslimischen Gemeinde Deutschlands ("DEUTSCHLAND, DEINE UMMA!") gezählt? Und diese Menschen haben alle dasselbe Islam- und Koranverständnis oder verschiedene? Woher kennt der o.g. Fußballer denn die richtige Seite des Islam? Warum nennt und zeigt er diese nicht konkret hier, damit man verstehen kann, was er überhaupt meint? Und die dunkle Seite des Islam gibt es auch? Und über diese berichten die Medien falsch? Wie bewertet der Herr Fussballer die gewaltverherrlichenden Passagen des Islam? "Jeder kann aus dem Koran machen, was er will." (Hamed Abdel-Samad) "Wer den richtigen Islam kennenlernen möchte, der kann bei uns vorbeischauen und sich informieren", sagt Mina Ahadi, Gründerin des Zentralrats der Ex-Muslime. Ein guter Tipp, wie ich finde. Eine Podiumsdiskussion über den richtigen Islam mit dem Fussballer und dem Zentralrat der Ex-Muslime würde ich sehr begrüßen. Hätte der Olympiasieger hierzu den Mut?
28.10.17
23:38
Simon Heinze sagt:
Herr Frederic Voss wir müssen in Dtl leider auch mit AFD Wählern und Spaltern wie Ihnen zusammenleben die den Frieden gefährden. Dennoch sind es nicht die Deutschen oder die Christen die wir für Ihr Versagen verantwortlich zeichnen.
30.10.17
14:12
Ute Fabel sagt:
Ich habe bei den Anhängern aller Religionen eigentlich das Gefühl, dass oft die eigenen ethischen Überzeugungen, die man in Wahrheit von wo anders hat (Medien, Schule, Familie, Freunde), in die Religion hineinprojetziert werden, in die man meist zufällig hineingeboren wurde. Die nette Menschen aller Religionen sehen in "ihren" Religionen nur das Nette, die weniger netten Menschen aller Religionen nur das weniger Nette. Das lässt mich an dem Sinn von Religionen in der heutigen Gesellschaft zweifeln, wenn jeder versucht, die alten Texte mehr oder weniger glaubwürdig so hinzubiegen, dass sie dann die persönliche ethische Überzeugung ergeben.
31.10.17
9:10
Frederic Voss sagt:
Herr Simon Heinze, ich soll den Frieden gefährden? Da lachen ja die Hühner. Lesen Sie erst einmal die Aufklärungsbücher von Hamed Abdel-Samad, geboren 1972 in Kairo, arbeitete für die UNESCO, am Lehrstuhl für Islamwissenschaft der Universität Erfurt und am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur der Universität München. Der deutsch-ägyptische Autor und Sohn eines Imams ist Mitglied der Deutschen Islam-Konferenz (DIK) und zählt zu den profiliertesten islamischen Intellektuellen im deutschsprachigen Raum. Bilden Sie sich weiter: "Der islamische Faschismus. Eine Analyse" "Der Koran. Botschaft der Liebe, Botschaft des Hasses" "Mohamed. Eine Abrechnung" Es gibt natürlich auch noch andere hervorragende Islam-Aufklärer, die keine Schönredner sind. Und dafür kann ich doch nichts.
03.01.18
11:50