Das Buch des Islams

Der Koran – offenbart, rezitiert, niedergeschrieben

Der Koran. Das Buch des Islams und der Muslime. Was er für Muslime bedeutet und welche Relevanz er hat, wird hier erläutert.

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2017
koran
Der Koran © IslamiQ

Der Koran zählt wohl zu den am meisten gelesenen Büchern der Welt. Unter Muslimen ist es zudem das am häufigsten auswendig gelernte Buch. Der Grund hierfür liegt allein im Koran selbst. Denn er ist das direkte und unverfälschte Wort Gottes. In ihm wendet Gott sich in seiner Allbarmherzigkeit uns Menschen zu.

Gott hat eine Reihe von Propheten dazu erwählt, den Menschen seine Botschaft – quasi von Mensch zu Mensch – zu überbringen. Zu diesen gehören auch Propheten wie Abraham (a), Moses (a) oder Jesus (a). Der letzte Prophet mit einem solchen göttlichen Auftrag war Muhammad (s). Alle Propheten haben nach bestem Wissen und Gewissen versucht, die Inhalte der göttlichen Worte zunächst selbst zu verinnerlichen und zugleich allen anderen Menschen zugänglich zu machen.

Die Buchwerdung des Korans

Dem Propheten Muhammad (s) wurden bis zu seinem Tode immer wieder Verse herabgesandt, die auswendig gelernt und auch schriftlich festgehalten wurden. Nachdem der Prophet verstorben und damit die Offenbarung abgeschlossen war, wurden die Verse zu einem Buch zusammengetragen. Dieses Buch ist der Koran wie wir ihn heute in unseren Händen halten. Unter den nachfolgenden Kalifen jener Zeit wurde das Schriftbild des Korans bis ins kleinste Detail bestimmt und vereinheitlicht.

Der Koran spricht jeden einzelnen Menschen unabhängig des Alters, der Nationalität oder der Religion an. Deshalb finden sich im Koran vielfältige Erzählungen von vergangenen Völkern, Gleichnisse, Warnungen und auch Bestimmungen, mal in einfacher, klarer Sprache, mal in dichterischer Prosa. Er ist reich, bunt und vielschichtig. Keineswegs ist der Koran lediglich ein Buch voller Gesetze. Im Gegenteil, nur ein geringer Teil des Korans beinhalten konkrete Vorschriften.

Glaube an Gott als zentrale Botschaft

Zu den zentralen Inhalten des Korans gehört der Glaube an Allah, die ständige Aufforderung, über seine Schöpfung nachzudenken und die Ermahnung, Gutes zu tun und von Schlechtem abzuhalten. Ein großer Teil des Korans handelt vom Jenseits und früheren Propheten sowie den Völkern, zu denen sie gesandt wurden. Der wichtigste Aspekt, der zugleich die Grundlage aller Inhalte der göttlichen Botschaft darstellt, ist der Glaube an den einen und einzigen Gott. Allein Gott als Erschaffer des gesamten Seins zu erkennen, ihm nichts und niemanden zur Seite zu stellen und sich mit allen Sorgen und Fragen nur ihm zu zuwenden – das ist der Glaube an den einen einzigen Gott, der den Menschen von allen anderen Abhängigkeiten befreit.

Die Tradition des Rezitierens

Für Muslime ist der Koran das göttliche Wort, das dem Propheten Muhammad (s) Vers für Vers, Sure für Sure herabgesandt wurde. Seitdem tragen und schützen die Muslime diese Botschaft in ihren Herzen und überlieferten sie bis in unsere Tage.

Neben der Tradition des Auswendiglernens des gesamten Korans gibt es die Tradition des Rezitierens. Diese wichtige Tradition wird auf der ganzen Welt fortgeführt. In Deutschland organisiert z. B. die Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) schon seit rund drei Jahrzehnten europaweite Wettbewerbe. Heute fand der 29. europaweite Koranrezitationswettbewerb der IGMG in Bielefeld statt.

Der Wettbewerb hat eine lange Tradition, sodass die Lehrer der Teilnehmer bereits in den vergangenen Jahren am Koranrezitationswettbewerb teilgenommen hatten. Es werden je vier Jugendliche, in zwei Altersgruppen 10-13 und 14-18, die in den IGMG-Gemeinden ausgebildet wurden und die Vorauswahl meisterten, gegeneinander antreten. Sie müssen jeweils eine Sure aus dem Koran rezitieren und auswendig vortragen. (Meinungsbeitrag)

Leserkommentare

Charley sagt:
Nett, alle klassischen Klischees über die Bedeutung und Qualität der Koran-Texte so versammelt zu sehen. Eine Geschichte für Nicht-Denkende: Wer auch nur einen Hauch von Erfahrung im Übersinnlichen hat, weiß, dass die spirituelle, geistige, übersinnliche Erfahrung wortlos ist. Das Gießen dieser Erfahrung in Worte ist ein eigenschöpferischer Akt des jeweiligen "Propheten". Kein geistiges Wesen "spricht" in Menschensprache. Also ist auch die Geschichte, dass der Koran "von Allah auf Arabisch diktiert" wurde, ein Märchen für Dumme! Dass Mohammed durchaus auch ihm Erzähltes in seine "Offenbarungen" hinein verwob, ist vielfältig von Wissenschaftlern gezeigt worden. .... Aber eine Religion, die so dogmatisch an einem Buchstabentext klebt, muss jeden (!) -Versuch, "die Erscheinung Allahs selbst im Text" in Frage zu stellen, bitterböse bekämpfen. Bröckelt ein Steinchen, fällt der ganze Tempel ein! Ich glaub nicht mal, dass er je gestanden hat! Nur mit brutaler Gewalt (Todesurteil bei Apostasie) und Denken ausschaltendem Dogmatismus konnte der Islam sich verbreiten!
22.10.17
18:02
Johannes Disch sagt:
Ein nötiger-- wenn auch nicht genügender Grundkurs-- für Leser, die sich nur gewisse Suren aus dem Kram ziehen, um irgendetwas zu beweisen, Vorzugsweise die angebliche Gewalttätigkeit des Islam. Danke für den Artikel.
23.10.17
0:57
Johannes Disch sagt:
@Charley (Ihr Post vom 22.10.17, 18:02) Sie haben völlig Recht damit, dass ein schriftgläubiger, buchstabentreuer Islam heute problematisch ist. Aber die islamische Welt kennt auch andere Traditionen, beispielsweise die "Mutaziliten", den "Islamischen Rationalismus" (9. bis 12. Jahrhundert), wo der Text nicht wörtlich genommen, sondern interpretiert wurde. Und wo man zwischen weltlichem und religiösem Wissen trennte. Solche Denkschulen gibt es auch noch heute. Zu nennen wäre da vor allem der große zeitgenössische ägyptische Gelehrte Abu Zaid. Ich empfehle Ihnen seinen großartigen Essay "Spricht Gott nur arabisch?" Ich glaube, er erschien vor einigen Jahren in der "ZEIT" und müsste online noch abrufbar sein.
23.10.17
12:31
Charley sagt:
@Johannes Disch: mal wieder: Vielen Dank!! :-) Dieses "Allah sprach arabisch" ist mir mal vor Jahren in einer Religionsdiskussion von Moslems entgegen gebracht worden. Das warfen die sich gegenseitig zu und fühlten sich dann "gut", "einig". Ich resignierte an dem Punkt, weil ich es schlichtweg dumm fand, zugleich aber gefährlich, wie es immer gefährlich ist, dummen Leuten zu zeigen, dass sie dumm sind! :-)) Aber seither nervt mich diese Borniertheit, dass der Koran wörtlich zu verstehen sei! Ja, Abu Zaid scheint ein großer Mensch gewesen zu sein und als großer Mensch hat groß gedacht, was andere Klein-und-Enggeister ganz klein denken! Leider fand ich den Aufsatz nicht mehr, aber ich war dann doch erstaunt, welches Niveau im Verstehen-Wollen des Islam dort auf zeit-online lebt. Da könnte sich islamiq noch eine Scheibe davon abschneiden. Siehe zB. auch der Artikel "Der Koran spricht nicht". (lässt sich googlen)!
23.10.17
21:43
Johannes Disch sagt:
@Charley Schade, dass es den Artikel von Abu Zaid online nicht mehr gibt. Ich kann Ihnen aber ein Buch von ihm ans Herz legen: "Gottes Menschenwort. Für ein humanistisches Verständnis des Koran." (Verlag Herder, 2008) Das ist wirklich die ganz hohe Schule der Textanalyse und nicht ganz leicht zu lesen, selbst bei gewissen Vorkenntnissen. Aber es lohnt sich. Wohl unnötig, zu erwähnen, dass Abu Zaid in Ägypten von fundamentalistischen Eiferern verfolgt wurde. Es wurde eine Zwangsscheidung verfügt und er musste das Land verlassen und emigrierte in die Niederlande, wo er 2010 verstarb.
26.10.17
12:05
Dilaver sagt:
@Charley Ihre Aussagen sind nicht von Relevanz, da Ihnen ohnehin nicht zusteht, sich in innerislamische Angelegenheiten einzumischen sowie darüber zu urteilen, wie Muslime aus ihrem religiösen Selbstverständnis heraus den Koran sehen und verstehen. Auch wenn Sie das - bedingt durch Ihre narzisstische Persönlichkeitsstörung - nicht einsehen können und wollen.
31.10.17
16:06
grege sagt:
Moslemes sehen den Koran auch nicht einheitlich, was man schon allein daran erkennen, wie sich gerade Suniten und Schiiten gegenseitig massakrieren.Außerdem gestattet es unsere Rechtsordnung, und nur die ist hier maßgebend, unseren Senf zu jeder Religion zu äußern, auch wenn es die Eitelkeiten unserer erdowahnscher Zöglinge verletzt.
01.11.17
20:09
Charley sagt:
@Dilaver: Sie schreiben "da Ihnen ohnehin nicht zusteht, sich in innerislamische Angelegenheiten einzumischen sowie darüber zu urteilen, wie Muslime aus ihrem religiösen Selbstverständnis heraus den Koran sehen und verstehen"..... laufen Sie doch bitte in den Universitäten der Welt herum und sagen das all den vielen Islamwissenschaftlern, die alle nicht Moslems sind.... und auch denjenigen Islamwissenschaftlern, die sogar selbst Moslems sind und - wie gezeigt z.B. von Johannes Disch - sehr wohl eine vielfältige und divergierende Koranlesart pflegen und begründen. ....
02.11.17
17:57