Islamfeindlichkeit

Danke, Mr. President!

Dorene Alma ist eine amerikanische Muslimin und jeden Tag Feindlichkeit ausgesetzt. Doch warum sie trotzdem dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump dankt und was sie tagtäglich erlebt, hat sie für IslamiQ auf Papier gebracht.

09
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2017
Dorene Alma (links) und ihre Freundin (rechts). © DSA/facebook

Danke, Präsident Trump! Zum ersten Mal in meinem Leben muss ich mich für einen Selbstverteidigungskurs anmelden. Ich als muslimische Frau mittleren Alters werde Tritt- und Blocktechniken lernen müssen, um mich gegen die Islamhasser in meinem Land zu verteidigen. Wie aufregend!

Im Grunde wusste ich schon immer, dass es in den Vereinigten Staaten Leute gibt, die Muslime ablehnen. Aber erst seit circa zwei Jahren zeigen sie ihren Hass ganz offen in Wort und Tat.

Immer öfter fahren weiße Männer in ihren Pick-ups an mir vorbei und zeigen mir den Mittelfinger, da sie sehen, dass ich ein Kopftuch trage. Letztes Frühjahr wurde in unserer Gemeinde eine kopftuchtragende Frau und ihr Kleinkind auf dem Walmart-Parkplatz belästigt. Ein Mann hatte neben ihr angehalten und sie mit einer Waffe bedroht. Zum Glück schaffte sie es unverletzt ins Geschäft, aber sie fühlt sich seitdem nicht mehr sicher.

Danke, Herr Präsident! Die Kunst der Höflichkeit beherrsche ich jetzt auf höchstem Niveau. Wenn ich unterwegs bin, trage ich ständig ein Lächeln im Gesicht. Mit dem Kopftuch fühle ich mich wie auf dem roten Teppich in Hollywood: Alle Augen sind auf mich gerichtet. Da kann ich es mir nicht leisten, negativ aufzufallen. Zu viele Leute warten nur darauf, mir wegen einem angeblichen Affront zuzusetzen. Letzte Woche stieß ich aus Versehen mit meinem Einkaufswagen an den einer anderen Frau. Ich entschuldigte mich sofort. Sie starrte mich an und brüllte: “Geh in den Scheißland zurück, du Schwein!” Ich schlich leise und mit gequältem Lächeln davon, weil nichts von dem was ich sagen könnte, die Situation entspannen könnte.

Danke, Mr. Trump! Ich hatte zuhause einige großartige Tischgespräche darüber, was es bedeutet, ein Muslim in den USA zu sein. Die letzten beiden Jahren haben die islamische Identität unserer Familie nicht geschwächt, sondern gestärkt. Meine Tochter, eine PTA, hat gelernt, mit Kunden umzugehen, die sich aufgrund ihres Kopftuchs nicht von ihr bedienen lassen wollen. Dabei zeigt sie eine für ihr Alter beachtliche Haltung. Das Mitgefühl meiner Kinder mit „den Anderen” ist dank der negativen Stimmung gegenüber Muslimen gewachsen. Denn unsere Familie ist ein Teil aller ins Visier geratenen „Anderen” in den Vereinigten Staaten.

Danke, Präsident Trump. Sie haben die Türen zum Dialog zwischen allen Nicht-Hassern in unserer Stadt geöffnet. Bei jedem Hassverbrechen gegen Muslime ist die Anteilnahme sehr stark. Das schlimmste Hassverbrechen ereignete sich im Februar 2015. Drei muslimische College-Studenten aus Chapel Hill wurden, angeblich aufgrund eines Streits um eine Parklücke, von einem Nachbarn mit einem Gewehr regelrecht hingerichtet. Chapel Hill ist nur zwei Stunden von Charlotte -meinem Wohnort- entfernt und es gibt viele Verbindungen zwischen unseren Gemeinden. Meine Tochter war mit einem der Opfer befreundet. Dieses Verbrechen traf uns also mitten ins Herz. Die Anteilnahme von Nichtmuslimen war von der ersten Stunde an überwältigend.

Gebetswachen, an denen Tausende teilnahmen, Millionen von Einträgen auf Facebook, Instagramm und Twitter, in denen die Tat verurteilt wurde, ein Stipendium, das zum Gedenken an die Opfer eingerichtet wurde und noch viel mehr. Seit diesem Tag stehen immer mehr Leute auf, wenn es wieder einen Vorfall gibt, der sich gegen Muslime richtet. Die Leute wollen uns als Gemeinschaft wirklich kennenlernen. Aber vor allem geht von all dem die Botschaft aus, dass es Amerikaner gibt, die Muslime als Teil der Gesellschaft betrachten und für ihre Rechte einstehen wollen.

Deshalb, danke, Mr. Trump! Denn an den Tagen, an denen ich feindlich angestarrt werde, gibt es auch Situationen, in denen ein Unbekannter an der Tankstelle zu mir sagt: “Die Farbe Ihres Kopftuchs gefällt mir. Einen schönen Tag noch!” Und dann breitet sich ein breites Lächeln auf meinem Gesicht aus und ich denke: “Liebe übertrumpft den Hass.”

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S. Kritika wird den Gedanken nicht los, dass hier jemand ein übernormales Bedürfnis hat sich selbst darzustellen, wichtig zu sein, im Mittelpunkt zu stehen. Sie nennt die normale Amerikaner "die Andern"; dabei ist SIE die Andere, die sich ausgrenzt und das geniesst. Ob sie einen religiösen zwang empfindet, ein Kopftuch zu tragen, oder konvertiert ist (ihre Hautfarbe lässt darauf schliessen); Hintergrund Info fehlt. Auch ob sie einen Beruf hat oder Ihr Lebensmittelpunkt lediglich daraus besteht KopftuchFrau zu zelebrieren, wir erfahren es nicht. Kritika hat einige Jahre in der US gewohnt und gearbeitet und bildet sich deshalb ein, Amerikaner nun ein wenig besser zu verstehen als ohne diesen Aufenthalt. Amerikaner sind äusserst zurückhaltend, wenn es um Religion geht. Themen wie Glauben oder Frei- von-Glauben, Kirche, Sekte, gehören zum inneren Kreis des Privaten Bereich. Mit keinem einzigen der vielen Kollegen oder Nachbarn war "Wie hast Du's mit der Religion?" ein Thema. Viele Amerikaner müssen das provokative ZurSchauStellen des Kopftuchs als Propaganda-Insignie des Islam "inappropriate" (unangemessen) oder sogar repellent (kein passender Deutschen Begriff parat) empfinden. Einige lassen das der KopftuchFrau - wie berichtet - auch deutlich wissen. Nochimmer ist in den USA das Datum Nine/Eleven hellwach. Kein Amerikaner hat vergessen welche Religion verantwortlich ist für 4.000 bis 5.000 grausam ermordeten. Die US-Muslims merkten in jenen Tagen, dass ihre Religion überhaupt nicht friedlich ist und kleideten sich aus Scham und Abscheu nicht mehr als Muslim erkennbar. Kritika hat kein Verständnis für das Benehmen der geschilderten Frau und meint, dass Sie dem Islam einen schlechten Dienst erweisst. Gruss, Kritika
10.09.17
1:02
Johannes Disch sagt:
@Kritika Es ist eine Tatsache, dass Donald Trump Islamfeindlichkeit schürt. Und was das Kopftuch betrifft: Da haben Sie den deutschen Blick drauf. Religionsfreiheit ist in den USA viel umfassender als bei uns. In den USA käme niemand auf die Idee, das Kopftuch zu verbieten--- außer dem Ku-Klux-Klan und anderen Rassisten natürlich...
11.09.17
11:01
Manuel sagt:
Man müsste nur Mr. President durch Islam ersetzen, wenn man sich die islamischen Länder ansieht. Unterdrückung, Diskriminierung, Aliberalität, Verteufelung von Nacktheit und außerehelicher Sexualität, Frauenunterdrückung, in einigen Ländern sogar Auspeitschungen, Steinigungen und Hinrichtungen wegen Homosexualität. Also was sagt da die gute Frau dazu? Warum sollte man dann auf Symbole diese Ideologie, wie dem Kopftuch unbedingt positiv reagieren?
11.09.17
11:36
Manuel sagt:
Nochwas, was ist mit der Christen-, Juden-, und Atheistenfeindlichkeit in islamisch dominierten Ländern, darüber könnte sich die gute Frau auch einmal Gedanken machen.
11.09.17
11:38
Ute Fabel sagt:
Wenn ein Amerikaner chinesischer Abstammung tagein tagaus im Mao-Anzug durch amerikanische Straßen geht, wird er auch die eine oder andere abschätzige Äußerung hinnehmen müssen. Ich halte das für völlig zumutbar. Niemand muss eine religiöse oder weltanschauliche Uniform tragen. Wenn jemand der Öffentlichkeit jedoch ständig seine Gesinnung optisch aufdringlich vor Augen hält, darf sich nicht beklagen, wenn andere Menschen mit ihrer abweichenden Gesinnung ihm gegenüber auch nicht so zurückhaltend sind.
11.09.17
12:48
Frederic Voss sagt:
Hoffentlich breitet sich auch ein breites Lächeln auf Ihrem Gesicht aus, wenn Sie einem Unbekannten an einer Tankstelle begegnen und Sie ein christliches Kreuzsymbol um seinen Hals hängen sehen. Sie können dann zu ihm sagen: "Sie tragen einen schönen Halsschmuck, der mir gefällt." Und dann können Sie froh sein, daß Sie selber auch frei Autofahren dürfen - im Gegensatz zu den islamischen Vollblut-Gottesstaaten, wo ja Frauen keine Autos lenken dürfen. Die Religionsfreiheit in den USA geht soweit, daß sogar eine höchst faschistisch-kriminelle Scientology-"Religion" mitunter Unterstützung aus höchsten Regierungskreisen erhält. Dafür Mr. President "Danke" sagen? Really?
16.09.17
16:05
Kritika sagt:
At Herr Johannes Disch und andere Leser, L.S. Hr. Disch: « Es ist eine Tatsache, dass Donald Trump Islamfeindlichkeit schürt.» - - - - - - - - Kritika: Das tut er auch mit Mexicaner, die Kritika als sehr freundlich und entgegenkommend kennen gelernt hat, sowohl die in Mexico wohnen, als auch die in den US emigrierten Mexicanern. ReiseRistriktionen betreffen einige der als gefährlich angesehene Muslemische Länder. Es mag durchaus die Überlegung "Trump zeigt, dass er etwas tut zum Schutz seiner Landsleute" mitspielen. Wie aus dem Bericht hervorgeht, sind KopftuchFrauen in den US nicht gerne gesehen. Trump mag sein Anteil daran haben. Es sind meiner Ansicht nach auch die ständigen Angriffe im Namen des Islam, die für islamfeindlichkeit sorgen. Gruss, Kritika
16.09.17
18:30
Kritika sagt:
Hr. Disch: « Religionsfreiheit ist in den USA viel umfassender als bei uns. In den USA käme niemand auf die Idee, das Kopftuch zu verbieten » --------- Kritika: Dass man Kopftücher in der US (hier wie hier auch) nicht gerade gerne sieht, erzählt uns die Kopftuch-Sture Dorene Alma ausfürlich selber. Aus der vór Trump Zeit - 2015 - stammt ein Bericht aus dem Massen- BoulevardBlatt 'USA Today' : Es beschreibt wie auch dort MuslimFrauen alles tun, den Hijab durchzudrücken, auf welchen Widerstand sie stossen und wie sie versuchen, Gerichte vor ihren Karren zu spannen. Fühlen Sie sich nicht doch stark an Deutsche Verhältnisse erinnert, sehr geehrter Herr Disch? Um keinen Verdacht aufkommen zu lassen: Kritika verurteilt den Ku-Klux-Klan ebenso wie Sie auf 's Schärfste. Den KKK gab es allerdings schon (als Weisse-Rasse Überlegenheits-Bande,) weit before die Muslims anfingen zu morden. Es ist heute nicht nur sondern auch eine anti-Muslim-Bande. Gruss, Kritika
17.09.17
17:46
Frederic Voss sagt:
In den USA kommt auch fast niemand auf die Idee die superreiche, wahnhafte Scientology-Church zu verbieten. Ganz im Gegenteil, sie wird manchmal sogar von Regierungskreisen kräftig unterstützt bzw. für eigene Interessen instrumentalisiert und benutzt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
19.09.17
16:18
Kritika sagt:
Auch mir sind keine Sekten oder Kirchen, incl. Scientology, bekannt, die in der US verboten sind. Aber, sehr geehrter Herr Voss, was wollten Sie damit eigentlich sagen? Gruss, Kritika
21.09.17
0:14