Castrop-Rauxel

Krankenhaus kündigt Hebamme mit Kopftuch

Im St.Rochus Krankenhaus wurde einer muslimischen Hebamme während der Probezeit ohne Angabe von Gründen gekündigt. Die Hebamme vermutet, der Grund sei ihr Kopftuch.

06
09
2017
Symbolbild: Krankenbett © by Marco Verch auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

Im St. Rochus-Krankenhaus in Castrop-Rauxel wurde der muslimischen Hebamme Carina Akachar während der Probezeit, ohne Angabe von Gründen, fristlos gekündigt, wie die „Ruhr Nachrichten“ berichtete. Die 26-jährige Hebamme äußert den Verdacht, sie sei aufgrund ihres Kopftuches gekündigt worden. Die Kündigung sei ausgestellt worden, unmittelbar nachdem die „Ruhr-Nachrichten“ über eine muslimische Praktikantin berichtete, die im benachbarten Evangelischen Krankenhaus am ersten Tag ihres Praktikums aufgrund ihres Kopftuches weggeschickt wurde.

Die Pflegedirektion teilte Akachar bei der Kündigung mit, dass es nichts mit ihrer Leistung zu tun habe, sondern politische Gründe vorliegen, so Akachar gegenüber den „Ruhr Nachrichten“. Die Krankenhausleitung dementiert diese Vorwürfe, und verweist auf ihr Recht einer Angestellten während der Probezeit ohne Angabe von Gründen kündigen zu dürfen.

Die junge Hebamme hatte bereits während ihres Studiums der Hebammenkunde an der Gesundheitshochschule in Bochum im St.Rochus gearbeitet, und hier, wie viele andere Studentinnen mit Kopftuch auch, ihre Praktika absolviert. Das Kopftuch sei dabei nie thematisiert worden. Nach ihrem Examen wurde sie als Vollzeit-Kraft im St. Rochus eingestellt. Als sie ihren Arbeitsvertrag unterzeichnete, wurde sie einmalig auf die Hygienevorschriften dahingehend hingewiesen, dass sie das Kopftuch jeden Tag wechseln und bei 60 Grad waschen müsse, damit es den Vorschriften entspreche. Ansonsten sei es nie ein Problem gewesen.

Das Tragen von Kopftüchern in kirchlichen Einrichtungen

Ob das Tragen von Kopftüchern für Angestellte in konfessionellen Krankenhäusern erlaubt sei, regelt je nach Vereinbarung entweder das zuständige Bistum oder die Krankenhausleitung. Im Falle des St. Rochus Krankenhauses erteilt das zuständige Erzbistum Paderborn keine verbindlichen Regeln. „Vonseiten des Erzbistums Paderborn gibt es keine generellen Regelungen zum Tragen eines Kopftuchs während der Dienstzeit. Die einzelnen Einrichtungen sollen dazu eigene Regelungen in ihren Hausordnungen treffen“, so Thomas Throenle, Pressesprecher des Erzbischöflichen Generalvikariats in Paderborn gegenüber den „Ruhr Nachrichten“.

In der Grundordnung des kirchlichen Dienstes seien generelle Vorrausetzungen für die Beschäftigung von nicht-christlichen Angestellten in kirchlichen Einrichtungen festgelegt. „Eine Einstellung kann für nicht-christliche Personen erfolgen, sofern diese bereit sind, die ihnen in einer kirchlichen Einrichtung zu übertragenen Aufgaben im Sinne der Kirche zu erfüllen“, heißt es in der Grundordnung. Dies schließt ein Kopftuch am Arbeitsplatz zunächst nicht aus.

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S. Frau Fabel schlägt der Hebamme mit ihren eigenen Waffen; "Verses 2:256 im Koran" Diese Argumentation, so sehr die in diesem Fall zutrifft, birgt aber eine Gefahr: Nicht weil das Deutsche Gesetz sich zufällig mit dem Koran deckt ist die Hebamme daran gebunden, sondern weil es Deutsches Recht ist, egal was dazu im Koran steht, Basta! Kritika fand in Japanische Hotels oft "The book of Buddah" auf dem Nachttisch. Interessant zu lesen aber auch erschreckend. Ins Besondere was die Position cq Rechte der Frau betrifft. Stellen Sie sich vor, wir müssten einen Budisten (damit er sich nach Deutschem Recht benimmt) davon überzeugen, dass seine hiesige VerhaltenPflicht Frauen gegenüber, ebenfalls in "The Book of Buddah" vorkommt. Oder, dass der Koran gar kein Kopftuch vorschreibt. Gruss, Kritika
12.09.17
2:17
Raffi sagt:
@Amin: Es wäre schön, wenn wir wirklich endlich darüber hinweg wären, Frauen vorzuschreiben, was sie tragen. Tatsächlich schreiben aber Moslems ihren Frauen mit Freude vor, dass sie Kopftuch oder Burka zu tragen haben.
29.09.17
14:52
Johannes Disch sagt:
@Amin Völlig richtig. Wir brauchen dringend Hebammen in diesem Land. Und nun kündigt man einer wegen einem Kopftuch. Das ist echt absurd.
02.10.17
21:28
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