Pilgerfahrt

Hadsch – die Reise zu Allah

Die Pilgerfahrt (Hadsch) ist die größte spirituelle Reise eines jeden Muslims. Einmal im Leben soll ihn jeder Muslim durchführen. Einen Überblick über die Hadsch-Stationen und deren Bedeutung liefert Muhammed Suiçmez.

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08
2017
Hadsch - Kaaba © Al Jazeera English auf flickr (CC BY 2.0), bearbeitet by IslamiQ.

Die muslimische Pilgerfahrt (Hadsch) ist der Höhepunkt im Leben eines jeden Muslims. Der Hadsch gehört zu den fünf Säulen im Islam. Jeder volljährige und gesunde Muslim – ob Mann oder Frau –, ist verpflichtet, die Pilgerreise nach Mekka anzutreten, wenn er denn die finanziellen Möglichkeiten dazu hat.

Bei der Hadsch treffen sich Menschen aus aller Welt. Sie haben unterschiedliche Ethnien und Kulturen, aber sie glauben an den einen Gott und daran, dass Muhammad (s) sein Gesandter ist. Die Pilger kommen mit der Intention, Allah zu dienen. Dies stärkt die Geschwisterlichkeit unter den Muslimen und fördert das gegenseitige Kennenlernen.

Die Wichtigkeit des Hadsch wird in zahlreichen Koranversen hervorgehoben. Seine Bestandteile und Stationen werden in der Sure Hadsch erläutert. Die Rechtsgelehrten definieren die Pilgerfahrt wie folgt: „Der Hadsch ist die Wallfahrt nach Mekka, um dort die gebotenen rituellen Handlungen während einer festgelegten Zeit zu vollziehen“. Aus dieser Definition lassen sich die drei Pflichten entnehmen: das Anlegen des Ihrâm-Gewands ist Farz (Pflicht), der Aufenthalt (Wakfa) auf dem Arafat und der Besuchs-Tawâf sind die Grundpfeiler (Rukn) des Hadsch.

Am 8. Tag des islamischen Monats Zulhidscha beginnt der Hadsch mit dem Eintritt in den sogenannten Weihezustand (Ihrâm). Äußerlich geschieht dies durch das Anlegen zweier weißer Tücher. Frauen tragen weiterhin ihre übliche Kleidung, allerdings wird auch für sie die Farbe Weiß empfohlen. Ein Pilger darf sich nach dem Eintritt in den Weihezustand nicht rasieren, keinerlei Haare von seinem Körper entfernen, seine Nägel nicht schneiden und keine Duftstoffe auftragen. Er darf keinen Geschlechtsverkehr haben, sich mit niemandem streiten, niemanden beleidigen oder verletzen. Diese Verbote unterstreichen die besondere spirituelle Bedeutung des Ihrâm-Zustandes. Durch die strikte Beachtung der Ihrâm-Verbote zügelt der Gläubige seine Triebseele und reinigt sich von seinen Sünden.

Arafat-Wakfa

Die Arafat-Wakfa ist einer der drei Pflichtbestandteile des Hadsch. Wakfa bedeutet, an einem bestimmten Ort für einen gewissen Zeitraum stehenzubleiben, und sei er auch nur äußerst kurz. Die Wakfa wird am neunten Tag des Monats Zulhidscha vollzogen, das heißt am Arafa-Tag, dem Vortag des ersten Opferfesttages. Hierzu begibt man sich sofort nach Sonnenuntergang nach Muzdalifa.

Die Arafat-Wakfa, bei der sich Hunderttausende Muslime zur gleichen Zeit auf einer großen Ebene versammeln, soll an den Tag des Jüngsten Gerichts erinnern. In Hitze und Staub, erschöpft von den Strapazen der vergangenen Tage, warten sie auf den Einbruch der Nacht. In keinem anderen Gottesdienst ist dieser Tag so präsent. Dieses große Ereignis so greifbar vor Augen zu haben, erleichtert es, Sünden aufrichtig zu bereuen und Allah aufrichtig um Vergebung zu bitten.

Steinigung des Teufels

Von Muzdalifa aus begeben sich die Pilger nach Mina, um hier eine weitere wichtige Ibâda (Gottesdienst) zu verrichten: die symbolische Steinigung des Teufels. Nachdem sie in Mina ihre Zelte bezogen haben, gehen sie zum „Großen Teufel“. Diese Steinsäule wird nacheinander mit sieben Kieselsteinen, die man zuvor in Muzdalifa gesammelt hat, beworfen.

Die drei Steinsäulen stehen symbolisch sowohl für den Teufel und seine Helfer, aber auch für unsere eigene Triebseele, die uns fortwährend Schlechtes befehlen. Mit der Steinigung der Teufel reißen wir uns von unseren Begierden los.

Die Hadschpilger, die den Teufel gesteinigt, ein Opfertier geschlachtet und schließlich ihre Kopfhaare geschnitten und den Ihrâm-Zustand verlassen haben, gehen, wenn möglich noch am gleichen Tag, zur Kaaba. Dort vervollständigen sie ihren Hadsch, indem sie den Besuchs-Tawâf ausführen und ggf. den Say. Say bedeutet, siebenmal zwischen den Hügeln Safâ und Marwa hin- und herzugehen.

Die Pilger, die diesen Tawâf und den Say ausgeführt haben, kehren wieder nach Mina zurück, und verbringen der Sunna gemäß die Festtage, einschließlich der Nächte dort. Am Nachmittag des zweiten Festtages begeben sich die Pilger zu den Dschamras, um nun auch den Kleinen Teufel sowie den Mittleren Teufel symbolisch zu steinigen. Auch am dritten Festtag begibt man sich noch einmal zu den Dschamras und steinigt die drei Teufel, beginnend mit dem kleinsten. Die Pilger können Mina nun verlassen.

Gleichheit vor Allah

Der Hadsch erinnert die Pilger daran, dass jeder Muslim, egal welcher Herkunft, egal ob reich oder arm, vor Allah gleichgestellt ist. Die Pilgerfahrt ist so gesehen eine Impfung und Erinnerung an die Gleichheit vor Allah.

Dies drückt sich auch in der Kleidung der Pilger aus. Alle Muslime kleiden sich mit dem Ihrâm-Gewand. Damit wird sowohl die Gleichheit betont, aber auch die Abhängigkeit von Geld und Konsumwaren abgemildert. Wer in dieser Kleidung seinen Gottesdienst verrichtet, dem wird vor allem klar, wie gleichgültig er sich zuvor gegenüber Armen und Bedürftigen verhalten hat. Der Hadsch stärkt somit auch die Barmherzigkeit der Muslime und ihre Freiheit. Muslime, die den Hadsch durchführen, fühlen sich sowohl dem Propheten und seinen Gefährten näher, als auch ihrem Schöpfer.

Wer den Hadsch aus voller Überzeugung und tiefem Glauben heraus verrichtet, dem werden einer Überlieferung zufolge die Sünden vergeben – vorausgesetzt er zeigt wirklich Reue und verfällt nicht in alte Fehler.

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Die Pilgerfahrt nach Mekka halte ich für eine Form von Massenhysterie, die nur das "Wir"-Gefühl stärkt. Ansonsten sehe ich keine positiven Auswirkungen auf die Menschheit. Die Gleichheit vor Allah gilt offenbar nur für Muslime, nicht aber für Anders- und Ungläubige. Das Ritual der symbolischen Steinigung des Teufels ist in den Islam durch den Einfluss der älteren Religion das Zoroastrismus eingesickert, einer dualistischen Religion, in welcher es einen guten und einen bösen Gott gibt. Aus islamischer Sicht eigentlich etwas Heidnisches, darüber denkt aber scheinbar niemand nach. Die Kaaba wurde auch schon in vorislamischer Zeit aus religiösen Gründen umkreist, allerdings von Anhängern verschiedener Religionen gemeinsam. Heute ist Mekka Sperrgebiet für Nichtmuslime. Meditative Erlebnisse kann man auch durch die Beobachtung eines Sonnenuntergangs an der Meeresküste erlangen. Vor diesem sind dann wirklich alle Menschen gleich.
06.09.16
8:01
Fabulös sagt:
@Ute Fable: der passiv-aggressive Unterton Ihres Kommentars hört sich ganz so an, als ob Sie anstatt sich den Sonnenuntergang angeschaut zu haben, vor Ihrem Rechner sitzen und neiden. Ihrer Beschreibung nach könnten Sie dem Ritual nicht viel abgewinnen, warum sind Sie dann dermaßen darüber empört, dass Nicht-Muslime ausgeschlossen sind? Vor Gott sind wir tatsächlich nicht alle gleich*, diejenigen, die sich für Gott entscheiden, sind nicht denen gleich, die Gott leugnen oder zu einer Nebenrolle im eigenen Leben degradieren. Diejenigen aber, die es aus voller Überzeugung tun (Gott für nicht-existent oder für unwichtig halten), müssten logischerweise die Konsequenzen dieses Handelns, die ja fürs Jenseits angekündigt sind, für irrelevant halten. Deswegen wundere ich mich immer sehr über Ihresgleichen: warum ist es so wichtig für Sie, ein Ritual wie die Pilgerfahrt der Muslime überhaupt näher zu betrachten? Die religiöse Bedeutung dürfte Ihnen herzlich egal sein. Und die Tatsache, dass Nichtmuslime davon ausgeschlossen sind: halten Sie das wirklich für die größte Ungerechtigkeit auf dieser Welt? Mit so manchem Pass dieser Welt (und die Nationalität sucht sich im Gegensatz zur Religion die meisten eben nicht selbst aus), kann man an viele Orte der Welt nicht reisen. Für die Leute im Gaza-Streifen z.B. ist die meiste Zeit, die ganze restliche Welt (!) ein Sperrgebiet. Und Sie machen sich ernsthaft Sorgen darum, dass "Mekka ein Sperrgebiet für Nichtmuslime" ist? Ich würde gerne mal eine Umfrage unter Nichtmuslimen starten: für wie viele von Ihnen es überhaupt wollen würden, nach Mekka zu reisen... Ihre Kritik daran, dass die Kaaba schon in der vorislamischen Zeit umrundet wurde, wird keinen Muslim, der seine Religion halbwegs kennt, beeindrucken. Das Ritual der Pilgerfahrt geht auf den Propheten Ibrahim (Friede sei mit ihm), den Christen als Abraham bekannt, zurück. In der Zeit nach ihm, haben Polytheisten das ursprüngliche Ritual verformt und mit dem Islam wurde seine ursprüngliche Form wieder hergestellt. Mit der Umrundung durch von "Anhängern verschiedener Religionen" beschreiben Sie also schon die veränderte Form, nicht aber den Ursprung. Allles in allem: grämen Sie sich nicht, an dieser Pilgerfahrt nicht teilnehmen zu können. Und auch als Reiseziel wäre Mekka bestimmt nicht so reizend für Sie. Genießen Sie also den Sonnenuntergang und wenn Sie sich Sorgen machen wollen, dann um die echten Probleme dieser Welt und nicht darum, dass Mekka Sperrgebiet für Nicht-Muslime ist.... *Nur um Missverständnisse auszuräumen: Vor Gott sind wir nicht alle gleich. Aber das ändert nichts daran, dass wir einander in dieser Welt mit Respekt begegnen sollen. Ich weiß nicht, in welchem Zustand Sie einmal Gott begegnen werden (als Gläubiger oder Nicht-Gläubiger Mensch, als einer dem Er verzeihen wird, oder nicht), und so überlasse ich Ihre Beurteilung Gott selbst. Solange wir uns eine Erde teilen, tue ich Ihnen nichts und wünsche Ihnen auch nichts Böses.
19.09.16
10:59
Ute Fabel sagt:
@Fabulös: Ich habe vor Menschen Respekt, von denen ich meine, dass sie einen guten Charakter haben und damit anderen Menschen helfen ihr Leben zu meistern. Ganz egal welcher Religion oder nicht religiöser Weltanschauung sie angehören. Dazu gehören z.B mein Landsmann Mouhanand Khorchide, der in Wien studiert hat und nun für die Universität Münster wirkt oder den neuen Londoner Bürgermeister Sadiq Khan, den sich sehr schätze. Vor den Religionen selbst, die ich allesamt genauso wie die Astrologie für unwahr und unplausibel halte, und ihren manchmal grotesk erscheinenden Ritualen, der mir oft völlig nutzlos für die Menschheit erscheinen, habe ich hingegen keinen Respekt. Warum vor dem Islam mehr Respekt haben als der Astrologie? Unverdienten Respekt halte ich sogar für schädlich und gefährlich. Kurz zusammengefasst: Es gibt zahlreiche Muslime auf der Erde, die ich respektiere, den Islam als Religion hingegen akzeptiere, aber respektiere ich nicht.
26.09.16
8:54
Charley sagt:
Zunächst einmal gut, so eine feine Beschreibung der Hadsch zu lesen. Es gibt aber auch Al-Hallasch, der selbst 2 mal die Hadsch vollzog und dennoch darüber stand, denn er konnte aufgrund seiner esoterischen Einsichtsfähigkeit vermutlich tatsächlich beurteilen, was denn nun tatsächlich im Menschen an Verwandlung statt findet. Über ihn kann man lesen: "Im Jahre 921 eröffnete der abbasidische Wesir Hāmid ibn al-ʿAbbās erneut den Prozess gegen ihn. Grundlage der Anklage waren Dokumente, aus denen hervorging, dass al-Hallādsch den Vollzug bestimmter religiöser Übungen zu Hause als ausreichend betrachtete, um den Gläubigen von seiner Pflicht zum Haddsch nach Mekka zu entbinden. Der malikitische Kadi Abū ʿUmar Ibn Yūsuf urteilte in einem Fatwa, dass diese Lehre Ketzerei (zandaqa) sei, die zwangsläufig die Todesstrafe nach sich ziehe.[10] Auf der Grundlage dieses Fatwa wurde al-Hallādsch am 26. März 922 öffentlich hingerichtet. Man setzte ihm eine Krone auf, schlug ihn halb tot und stellte ihn anschließend auf einem Kreuz (ṣalīb) zur Schau. Er starb am Folgetag." DAS rüttelte natürlich an den (dogmatischen) Grundfesten. Solche Ketzer bezahlen immer mit dem Leben. Leider ist wohl nicht bekannt, welche Übungen er damit meinte!? ".....Vollzug bestimmter religiöser Übungen zu Hause als ausreichend betrachtete, um den Gläubigen von seiner Pflicht zum Haddsch nach Mekka zu entbinden"
29.08.17
16:47
Charley sagt:
man sollte nicht übersehen, dass Al-Halladsch an spiritueller Souveränität seinesgleichen sucht! (Aber deshalb wird er wohl in der "Vorbild"-Serie nie auftauchen!)
29.08.17
16:49
Charley sagt:
....obwohl der Islam doch "Bilder" ablehnt, bewegt sich die ganze Hadschbeschreibung gänzlich und allein in Bildern! Auch wenn hin und wieder von "Läuterung" gesprochen wird, so bleibt völlig offen warum, wieso, wodurch! Ohne eine solche Erkenntnis ist die gesamte Hadsch allerdings doch "nur" Folklore, ein Schwelgen und Sich-Vollziehen in Bildern, denen man eine Bedeutung zuspricht, die man selbst aber nicht durchschaut. ... und man fühlt sich gut dabei, wie bei jeder Folklore, in der sich jemand beheimatet fühlt. Mit seiner Stellungnahme traf Al-Halladsch den Islam an seiner wunden Stelle. Klar, dass das eine heftige Gegenreaktion hervor rief, da musste Al-Halladsch sterben.
31.08.17
9:52
Charley sagt:
Wer glaubt, dass "ER" irgendwo mehr vorhanden ist als anderswo, glaubt nämlich auch, dass "ER" anderswo weniger präsent ist, als "irgendwo".
04.09.17
9:44
Dilaver sagt:
@Charley Die Pilgerfahrt nach Mekka einmal im Leben ist eines der fünf Säulen des Islam und damit Pflicht für jede/n der/die es sich leisten kann. Das ist eine innerislamische Angelegenheit. Es ist völlig belanglos, wenn Sie bei innerislamischen Angelegenheiten Ihren "Senf" dazugeben.
05.09.17
16:10
Charley sagt:
@Dilaver: Ihre vehemente Forderung, als Sekte (!) anerkannt zu werden und insofern über jegliche Diskussion zu den eigenen Aspekten der Religion erhaben zu sein, steht im Widerspruch zu der Tatsache, dass tatsächlich hier Kommentare erlaubt sind. Insbesondere die Auffassung des Begriffs des Opferns ist durchaus betrachtenswert. Zudem habe ich einen Sufi zitiert, dem Sie allerdings wohl kaum geistig das Wasser reichen können. Auch ihr Pochen auf die 5 Säulen ist zwar schön und gut und auch durchaus Sektenmaßgeblich, aber ohne "Außenweltkontakt" und ohne sich der öffentlichen Diskussion zu stellen, ist es reine Sektenfolklore. Schon in der Begegnung mit anderen Religionen, Kulturen ist es gegeben, sich dem Gespräch zu öffnen. Aber Sie wollen ja gar nicht in Europa leben. Am besten, Sie ziehen sich in die Türkei zurück und bauen eine ganz große Mauer drum herum. Ich denke mal, dass Sie es nicht vermögen, auf meine Beiträge inhaltlich einzugehen, insofern Sie abfällig den Ausdruck "Senf" dafür benutzen. Sie dokumentieren damit mal wieder ihre geistige Schlichtheit.
06.09.17
20:50
grege sagt:
@ fabulös vor Gott sind nicht alle Menschen gleich? Mit der Äußerung unterstellen Sie Gott Arroganz und Eitelkeit sowie den Drang nach Selbstbeweihräucherung. Darüberhinaus offenbaren Sie die typischen Toleranzdefizite, wie ich sie im persönlichen Umgang schon bei Muslimen festgestellt habe. Kritik am Islam und dessen Lehre wird sofort als persönliche Diffarmierung wahrgenommen.
08.09.17
19:36