München

Fehlende Gebetsräume für Muslime

In der Münchner Innenstadt wissen Muslime seit Wochen nicht, wohin: Es gibt keine Gebetsräume mehr. Das ist ein Problem, das auch viele andere muslimische Gemeinden in Deutschland haben. Und für das es viele Gründe, aber keine einfache Lösung gibt.

10
07
2017
Symbolbild: Gebetsräume, Muslime, Islam
Symbolbild: Gebetsräume, Moschee © by Beryl Mc Millan auf Flickr (CC BY-SA 2.0), bearbeitet islamiQ

Sie haben auf Parkplätzen gebetet, im Theater, oder in Räumen der evangelischen Kirche. Aus Platzmangel mussten Muslime in München für ihr Freitagsgebet in letzter Zeit auf unkonventionelle Räume ausweichen. Denn in der Innenstadt gibt es keinen einzigen muslimischen Gebetsraum mehr. Damit sind die Münchner Muslime nicht alleine – denn Platzmangel dieser Art gibt es in ganz Deutschland.

In vielen weiteren Orten Deutschlands ist es ähnlich. „Zusehends und vor allem wegen der Flüchtlingsmigration weiß ich aus vielen muslimischen Gemeinden, dass es Platzprobleme gibt“, sagt der Wissenschaftler Mathias Rohe vom Erlanger Zentrum für Islam und Recht in Europa.

In München forderten die muslimischen Gemeinschaften die Stadt wiederholt auf, aktiver bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten zu helfen. Doch laut einem Sprecher der Stadt München gehört es nicht zu den Aufgaben einer Stadt, solche Räume bereitzustellen. Dennoch sicherte die Stadt den Muslimen Hilfe bei der Raumsuche zu.

Der Vorsitzende des Muslimrats München, Mustafa Yakaç, sieht das eigentliche Problem aber an anderer Stelle: „Der Islam ist in Deutschland nicht als Religionsgemeinschaft unter dem Religionsverfassungsrecht anerkannt. Anders als die Kirchen können wir keine Steuern einnehmen – wie sollen wir da teure Mieten oder Bauvorhaben bezahlen?“

Die fehlenden Gebetsräume sind nicht nur ein Platz-, sondern vor allem ein Finanzierungsproblem. Bisher finanzieren sich die meisten muslimischen Gebetshäuser aus Spenden. Die reichen allerdings oft nicht aus, wie das Beispiel des gescheiterten Baus eines Islamzentrums an der Dachauer Straße in München zeigt.

Doch laut Rohe kann eine muslimische Gemeinde durchaus als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt werden und damit Steuern einziehen – sofern die Organisation seit längerer Zeit besteht und eine klare und stabile Struktur hat.

Dass die Anerkennung als Körperschaft schwer sei, liege auch in den Strukturen der muslimischen Gemeinden begründet. „Der Islam hat keine Tradition der Registerführung der Gläubigen“, sagt er. „Viele, die in den Organisationen unterwegs sind, sind nicht formal Mitglieder der Vereine. Die Vereine sind gerade erst dabei, solche Register aufzusetzen, und das ist schwierig genug.“

Selbst wenn das Geld da ist, scheitert es aber mancherorts an den Vorbehalten von Vermietern. Viele wollen nach den Erfahrungen von Yakaç gar nicht erst an Muslime vermieten. Nach Gesprächen mit der SPD-Fraktion wurden in München inzwischen Räume vorgeschlagen, sagt Yakaç. Da seien aber keine positiven Rückmeldungen gekommen. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S. Gebete sind ausschliesslich Sache von Muslims selber, nicht von Gemeinden, nicht von Unies, nicht des Deutsche Steuerzahlers. Beten auf Parkplätze stellt eine erhebliche Belästigung der 98% Michtmuslims da. Es trägt bestimmt nicht dazu bei, die breite Ablehnung des Islam hierzulande zu verringern, im Gegenteil. Wenn Studieren und Beten in Deitschland nicht zusammen zu bekommen ist, dann gibt es mehrere Möglichkeiten: ► die beste für das Studium: lass das Beten sein. ► die beste für den braven Muslim: lass das Studieren sein. ► die beste für das Gastland: suche eine Uni in ein Islamischen Land. Gruss, Kritika
10.07.17
16:23
Andreas sagt:
Man muss den Muslimen das Leben nicht immer unnötig schwer machen. Man könnte ihnen auch bei der Lösung des Problems helfen. Miteinander statt Gegeneinander wäre für unsere Gesellschaft wünschenswert.
11.07.17
16:38
Kritika sagt:
Sehr geehrter Herr Andreas, Ihren Satz «Miteinander statt Gegeneinander wäre für unsere Gesellschaft wünschenswert.» stimmt voll und ganz. Sehen das unsere Gäste auch so? Es kommt mir so vor, als würden unsere Gäste vorgehen: "Die Gastgeber liefern Unterkunft, Verpflegung, Ausbildung, Polizeischutz, Rechtssicherheit - - - - Und der Flüchtlingen Gegenleistung ist es, nicht freiwillig gewährte Forderungen per Gericht zu erstreiten." Die nicht endende KopftuchFobie unserer Gäste blockiert die Gerichte in allen Instanzen. Muslims processieren lieber als sich Gastgebern-Wohltätern anzupassen und normal, vom Kopftuch befreit, herum zu laufen. Unter diesen Vorzeichen wäre es geradezu eine Belohnung für MuslimStarrsinn, wenn die Gastgeber den Muslims bei der Beterei - wiederum einseitig - behilflich werden würden. Gruss, Kritika
12.07.17
23:47
Andreas sagt:
@Kritika: Muslime sind nicht Gäste in diesem Land, sondern Staatsbürger dieses Landes.
13.07.17
15:56
Muslima sagt:
esselamaleykum an alle! als gebetsraum kann ich die mirac moschee (deutsch/türkischer kulturverein) an der heidemannstr. empfehlen! ist zwar nicht in der innenstadt aber ein besuch ist es wert!
13.07.17
19:24