MUSLIMISCHE VORBILDER

Said Nursi – der „Einzigartige seiner Zeit“

Vorbilder, die uns positiv stimmen, sind heute wichtiger denn je. In dieser IslamiQ-Reihe möchten wir unsere Leser zu Autoren machen. Numan Çakılkum schreibt über sein Vorbild: Said Nursi.

08
07
2017
Bedîuzzaman Said Nursi
Bedîuzzaman Said Nursi @ facebook, bearbeitet by iQ.

Said Nursi wurde 1877 im Dorf Nurs (Bitlis, Türkei) geboren und genoss eine behütete Kindheit. Schon im jungen Alter interessierte er sich für die Wissenschaften des Islams. Seine Eltern und auch sein großer Bruder, der ihn besonders prägen sollte, waren gebildete Menschen.

Nursi hatte beachtliche Fähigkeiten. In jungen Jahren lernte er den Koran in einem halben Monat auswendig. Danach studierte er die Standardwerke in den jeweiligen islamisch-religiösen wie auch weltlichen Wissenschaften, sodass er am Ende 90 Werke auswendig konnte. All das sind Früchte des intellektuellen Umfelds, dem er entsprungen war und das ihn darin ermutigte, nach Wissen und Erkenntnis zu streben.

Weg des Wissens

Im Alter von 14 Jahren absolvierte Said Nursi die Madrasa, die damals generell 15 Jahre Ausbildungszeit vorsah, in nicht mehr als drei Monaten. Überwältigt von seinen Fähigkeiten sagte einer seiner Lehrer über ihn: „Es gehört zu den seltenen Dingen, dass Intelligenz und ein so gutes Gedächtnis bei einer Person im Übermaß zusammenfinden.“ Noch im Jugendalter konnte er mit Leichtigkeit auf alle Fragen der Gelehrtenschaft antworten, was ihm den Beinamen „Bedîuzzaman“, der „Einzigartige seiner Zeit“, einbrachte.

Tage der Verfolgung und Trennung

Im Laufe seines Lebens war Bedîuzzaman Opfer der damaligen Regierung, obwohl er sich nicht in die Politik einmischte. Von ihm stammt der berühmte Satz: „Ich suche Zuflucht bei Allah vor dem Satan und vor der Politik“. Bis zu seinem Tode ging er von einem Exil ins nächste und wurde nicht selten in Gefängnissen gesperrt.

Eines seiner ersten Exile war Barla, 50 km von der Stadt Isparta (Türkei) entfernt, wo er die Verschriftlichung seiner weltberühmten Koranexegese „Risâle-i Nûr“ begann. Die Besonderheit der 130 Abhandlungen liegt darin begründet, dass sie die Glaubenswahrheiten des Islams auf rationalem wie spirituellem Wege erläutern. Said Nursi bedient sich in diesem Werk nicht der herkömmlichen Methode der Sprachanalyse, sondern stellt die Bedeutung der Koranverse in den Vordergrund. Dabei bringt er sie dem Leser durch Symbole und Gleichnisse nahe, was ohnehin dem koranischen Charakter der Vermittlung entspricht.

Jedes Jahrhundert hat seine Fragen

Said Nursi erkannte, dass die Krankheit seines Zeitalters die „Idee des Unglaubens“ war, welche sich durch politische Strukturen auf Grundlage der modernen westlichen Wissenschaften und Philosophien weltweit ausbreitete. Mit seinem Lebenswerk stellt er sich dieser Strömung entgegen. Mit der Risâle-i Nûr konnte er, um es mit seinen Worten zu formulieren, das „Rückgrat des Unglaubens“ brechen.

Für Nursi ist der Glaube viel subtiler, viel tiefgründiger, als dass er lediglich auf die Ratio reduziert werden könnte. Passend dazu schreibt er in seinen Briefwechseln: „Jene, die alles, was existiert, in der Materie suchen, deren Verstand liegt in ihren Augen. Das Auge aber vermag das Spirituelle nicht zu sehen.“

Hier tritt die spirituelle Kraft in den Zeilen der Risâle-i Nûr hervor. Said Nursi vermag neben all der Rationalität das Wesentliche zu erfassen. Er schafft es, dem Leser die Vergänglichkeit des diesseitigen Lebens in solcher Intensität vorzuführen, dass dieser bereit ist, auf den wunderbar funkelnden Scherbenhaufen zu verzichten, um zu den ewigen, beständigen Diamanten zu gelangen. Das Diesseits ist anziehend und schön, doch falsch und listig. Das Jenseits hingegen bietet Beständigkeit und wahren Seelenfrieden.

Said Nursis gesamtes Leben war von Strapazen und Heimsuchungen geprägt. All das aber nahm er auf sich, da er nur ein Ziel im Leben hatte: Wie kein anderer in seinem Jahrhundert bemühte er sich um den Glauben der muslimischen Gemeinschaft. Um es mit seinen Worten zu sagen: „Vor mir türmt sich ein furchtbarer Brand auf, dessen Flammen den Himmel emporragen. In ihnen brennt mein Kind; mein Glaube, er hat Feuer gefangen. Ich eile, dieses Feuer zu löschen, um meinen Glauben zu retten.“

Leserkommentare

Kritika sagt:
L.S. Sai d Nursi, *1877, hatte, wenn es wahr ist, sowie er vorgestellt wird, sicher ein sehr gutes Gedächtnis, welches er aber für sinnlose Spielereien verschwendete (zB Koran auswendig lernen). Er hätte vielleicht ein Genie werden können, wenn er die WahrheitsWahrscheinlichkeit des Islam realistisch erwogen hätte oder wenn er im schon damals fortschrittlichen Westen geboren wäre. Bereits vor ihm hatten westliche Wissenschaftler wesentliche, bedeutende Forschung getätigt und hatten bahnbrechend revolutionäre Ergebnisse erzielt: Antonie van Leeuwenhoek, *1632, Niederländer erfindet das Mikroskop und eröffnet das Erforschen der mikroskopisch kleinen Welt. Nach L'Hospital, *1661 in Frankreich ist eine komplizierte Regel der höheren Mathematik genannt, (die auch Kritika erlernt hat), Luigi Galvani, *1737 in Italien, entdeckte die Tierische Elektrizität. André-Marie Ampére, *1775 in Frankreich hat den Elektrischen Strom entdeckt, beschrieben, und quantiziert. Lagrange, *1788 in Frankreich, genialer Matematiker, entwickelt eine revolutionaire, komplizierte Mathematik für 3-Körper Probleme im Weltall. SpitzenWissenschaftler hatten Ende der 1800ter Jahre die Chance, auf die Ergebnissen ihrer Vorgänger aufzubauen und diese voran zu bringen. Viele haben das auch getan. Und was macht Sai d Nursi? «He's beating a dead horse» würden die Amis sagen. Er erkennt nicht, dass es für die Existenz des Islam keinerlei gesicherte Erkenntnisse gibt und arbeitet weiter an einer ScheinHypothese als wäre der Islam gesicherte Wissenschaft. Er baut ein umfangreiches Gedankengebäude, auf einem nicht vorhandenen Fundament. Er ist vergleichbar mit den Wissenschaftlern, des Mittelalters, die sich den Kopf zerbrachen über die Frage, wieviele Engel auf einer Nadelspitze Platz nehmen könnten. Dabei Stand auch ihm die Wissenschaft seiner Zeit zur Verfügung. Dass er diese Chance nicht sah und sie nicht nutzte macht ihm vielleicht zum 'Wissenschaftler der tragischen Gestallt', aber sicher nicht zum Vorbild. Er ist eine Tragische Figur, der sein Talent mit Temen vergeudet, die es nach realistischer Betrachtung überhaupt nicht gibt. Und das, obwohl es für Genies wissenschaftliche Aufgaben/ungelöste Fragen zu seiner Zeit in Überfluss gab. Said Nursi ist ein Beispiel dafür, wie eine rückständige Religion seinen kreativen Sohn die Chance beraubt, seine Talente zu entwickeln. Schade, wenn er im Westen geboren wäre, wäre aus ihm wohl ein guter, renomierter Wissenschaftler geworden. Gruss, Kritika
09.07.17
1:12
Kritika sagt:
L.S. Nursi: «Die Besonderheit der 130 Abhandlungen liegt darin begründet, dass sie die Glaubenswahrheiten des Islams auf rationalem wie spirituellem Wege erläutern» -------- Vielleicht kann der Verfasser auch nur ein einziges Beispiel beschreiben, bei dem Nursi auch nur eine einzige "Glaubenswahrheit des Islam" auf rationalem Wege erklärt hat. Kritikas Wunsch-GlaubensWahrheit wäre: das Spalten des Mondes durch Allah/Mohammed. Aber jede andere handfest nachprüfbare Wahrheit ist auch ok. Kritika ist gespannt.
09.07.17
18:36
Dilaver sagt:
@Kritika Um es Ihnen mal hart auf hart zu sagen: Said Nursi hat den Atheismus, der sich gegenwärtig aus der europäischen Aufklärung speist, fundamental entkräftet und nachgewiesen, dass der Atheismus falsch ist. Er hat dem Atheismus ein für allemal das Rückgrat gebrochen. Said Nursi hat nachgewiesen, dass der Islam wahr ist und die Botschaft des Koran unauslöschlich. Wer unbedingt wissen will, wie er das gemacht hat, der kann sein Gesamtwerk Risale-i Nur lesen, welches frei verfügbar ist - auch Online und in deutscher Übersetzung. Dass ausgerechnet Sie es mit Said Nursi aufnehmen wollen, ist nicht untypisch und entbehrt nicht einer gewissen Komik. Dass ausgerechnet Sie das zu schaffen glauben, was andere in der Türkei jahrzehntelang mit aller Kraft und sogar mit Gewalt und Verboten nicht geschafft haben. Aber das kennt man schon zu genüge. Tun Sie also, was Sie nicht lassen können.
10.07.17
14:28
Charley sagt:
Es ist schade, dass in dem Artikel so wenig Inhaltliches über die Position von Said Nursi zu finden ist. Es stehen nur Äußerlichkeiten da: dass er ein sehr gutes Gedächtnis hatte (die Beispiele scheinen mir allerdings idealisiert und überhöht) und überhaupt recht scharfsinnig war. - Was hat er also nun im Islam bestätigt, bekräftigt, zu was war er kongruent, zu welchen Auffassungen stand er gegensätzlich? Der Artikel klingt so, als ob es DEN Islam gäbe, dabei sind im Detail viele spezielle Aussagen da, die von anderen anders gesehen werden. Wie setzte er sich mit der zeitgenössischen Religionskritik auseinander? Oder hat er nur (!) islamische Aussagen frisch neu formuliert? Sie schreiben: "Said Nursi erkannte, dass die Krankheit seines Zeitalters die „Idee des Unglaubens“ war, welche sich durch politische Strukturen auf Grundlage der modernen westlichen Wissenschaften und Philosophien weltweit ausbreitete. Mit seinem Lebenswerk stellt er sich dieser Strömung entgegen. Mit der Risâle-i Nûr konnte er, um es mit seinen Worten zu formulieren, das „Rückgrat des Unglaubens“ brechen." Nur komisch, dass dieser Unglaube ganz fröhlich mit "gebrochenem Rückgrat" seither weiter lebt! Allein die Aussage "dass die Krankheit seines Zeitalters die „Idee des Unglaubens“ war" ist entweder plakativ simplizifiert oder dogmatisch und peinlich. Wo hat er denn bewiesen, dass er diesen Unglauben, gegen den er "kämpfte", überhaupt begriffen hat? Vielleicht war er auch nur ein beinharter Dogmatiker, der in Salafistenmanier ein "back-to-the-roots" propagierte? Eine Auseinandersetzung mit der Wissenschaft, die Vorraussetzung für das Rückgratbrechen wäre, ist nachzuweisen! Die damals und heute zeitgenössische Wissenschaft weist ständig ihre Berechtigung, ihre Grenzen erkenntnistheoretisch nach. Wo ist da seine Argumentation? Sorry, aber der Artikel ist soweit nichtssagend!
10.07.17
23:14
Johannes Disch sagt:
Ausgerechnet Said Nursi heute als Vorbild zu preisen ist problematisch. Auf Nursi beruft sich die reaktionäre islamistische Gülen-Bewegung, die maßgeblich für den Militärputsch in der Türkei vergangenes Jahr verantwortlich zeichnet.
11.07.17
0:15
Johannes Disch sagt:
Said Nursi hat die Reformpolitik Kema´l Atatürk entschieden abgelehnt. Wer heute einen Said Nursi und seine "Nurculuk-Bewegung" als Vorbild begreift, um angeblich den Islam mit der Moderne zu versöhnen, der lehnt die laizistisch-kemalistische Republik Türkei ab. Mit Nursi soll uns mal wieder ein konservativer Islam als fortschrittliches Vorbild verkauft werden. Dazu taugt Nursi nicht. Also, was will "islamiQ?" Eine kemalistisch-laizistische Republik Türkei? Oder eine Nursi-Gülen-Türkei??
11.07.17
0:21
Johannes Disch sagt:
Nursi wollte einen islamischen Staat mit Mekka und Medina als Zentren und der Scharia als Rechtsordnung. Nursi wollte einen Scharia-Staat. So jemanden heute als richtungsweisendes positives Vorbild zu verkaufen, darüber kann man nur den Kopf schütteln.
11.07.17
0:34
Charley sagt:
@Johannes Disch: Vielen Dank für diese Aufklärung! Und an den Verfasser des Artikels: Warum unterschlagen Sie das??? Um ehrlich zu sein: Genau diese Art, einen zeitFREMDEN, reaktionären Islam als Lösung für die zeitgenössischen Probleme hier versteckt (!) zu propagieren, ist für mich mal wieder ein Zeichen, noch wachsamer islamischen Heilsverkündigungen zu begegnen! Ich fühle mich in meiner Vermutung völlig bestätigt: "Vielleicht war er auch nur ein beinharter Dogmatiker, der in Salafistenmanier ein "back-to-the-roots" propagierte?" Ihr Artikel roch schon danach, dass er aus religiös-dogmatischer Ecke gegen die moderne Erkenntniskultur wetterte ("stänkerte"?), ohne wirklich einen blassen Schimmer davon zu haben! Man muss schon diese Kultur von innen kennen und in ihrer Art auch wertschätzen gelernt haben, bevor man sie kritisiert!
11.07.17
18:57
Johannes Disch sagt:
@Islamische Vorbilder für heute: Meine Vorschläge: -- Ibn Rushd -- Ibn Sina -- Ibn Khaldoun Allesamt Vertreter des islamischen Rationalismus. Diese Muslime taugen als Vorbilder für heute.
12.07.17
2:57
Johannes Disch sagt:
@Dilaver Die Behauptung, Nursi hätte den Atheismus widerlegt, ist sehr gewagt. Ich stimme ja selten mit "Kritika" überein, aber seinen Ps unter diesem Artikel kann ich vorbehaltlos zustimmen. Ich selbst bin weder Agnostiker noch Atheist. Mir ist dieser ganze Glaubensklimbim wurscht. Religion ist mir schlicht und einfach egal. Ich bin auch ohne Glauben glücklich und lebe ein zufriedenes Leben. Da wird sich jetzt mancher wundern. Der setzt sich doch so für Muslime ein?? Ich setze mich ein für das Grundrecht auf Religionsfreiheit. Mir selbst ist Religion wurscht. Ich kann
12.07.17
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