Italien

Interreligiöser Halbmarathon in Rom

Sankt Peter, Moschee und Synagoge – erstmals soll ein internationales Lauf-Event die Stätten der großen Religionen in der Weltstadt Rom verbinden.

01
07
2017
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Symbolbild: Rom
Symbolbild: Rom © Twyxx by flickr, bearbeitet iQ

Der Weg zum Frieden soll Schweiß kosten. In einer ungewöhnlichen Kooperation stellen die Stadt Rom und der Vatikan einen Volkslauf auf die Beine, den „Halbmarathon Via Pacis“. Es ist eine Art Pilgerfahrt im Joggingtempo, und er soll über die Distanz von 21,097 Kilometern ein Band zwischen den religiösen Institutionen der Weltstadt knüpfen.

Das Patronat für die sportlich-spirituelle Massenveranstaltung liegt bei Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi und dem Präsidenten des Päpstlichen Kulturrats, Gianfranco Ravasi. Es ist keine ganz alltägliche Liaison zwischen der politisch derzeit etwas glücklosen 38-jährigen Politikerin der Fünf-Sterne-Bewegung und dem 74-jährigen Kardinal, der schon immer ein weites Verständnis von Kultur zeigte, unter anderem mit der Gründung eines vatikanischen Cricket-Clubs.

Am 17. September fällt der Startschuss zum ersten römischen Friedenslauf, der künftig jedes Jahr im Herbst stattfinden soll. Kommenden Montag wollen Bürgermeisterin Raggi, Kardinal Ravasi und der Präsident des italienischen Leichtathletikverbands Alfio Giomi auf dem römischen Kapitol Einzelheiten vorstellen.

Botschaft für Frieden und Solidarität

Den Halbmarathon für Krethi und Plethi hatte Raggi im Vorfeld als Botschaft für Frieden und Solidarität, Dialog und Respekt gerühmt. Der Lauf solle den Austausch und die Integration zwischen den religiösen Gemeinschaften voranbringen und bewusst auf Wege führen, die Pilger aller Welt nach Rom beschritten.

Der Parcours inspiriert sich nach Angaben der Initiatoren an der Sieben-Kirchen-Wallfahrt: eine jahrhundertealte Tradition, als Rompilger die vier Papst-Basiliken und drei weitere Kirchen an einem einzigen Tag zu erwandern. Dazu zählen der Petersdom, Sankt Paul vor den Mauern, San Sebastiano an der Via Appia, die Lateranbasilika, Santa Croce in Gerusalemme, San Lorenzo fuori le mura und schließlich Santa Maria Maggiore.

Bilderbuchstrecke durch Rom

Gestartet wird am Sonntagmorgen vor dem Petersdom. Die Route führt den Tiber aufwärts zur Piazza Cavour, dann, das Ufer wechselnd, in die Gegend der Milvischen Brücke, wo der Überlieferung nach Kaiser Konstantin 312 das christliche Kreuz als Siegeszeichen am Himmel sah; weiter geht es zur großen Moschee und über die Piazza del Popolo – Pforte unzähliger Rom-Besucher aus dem Norden – ins Zentrum zum Kapitol und zum Kolosseum, den Circus Maximus entlang und an der Synagoge vorbei zurück zum Vatikan. Eine Bilderbuchstrecke.

Wenn man nicht zu oft in lauschige Nebenstraßen ausweicht, summieren sich die Etappen tatsächlich auf etwa 21 Kilometer, und auf den frommen Wanderer wartet am Ende des Tages ein Ablass.

„offen für alle religiösen Bekenntnisse“

Der Lauf ist „offen für alle religiösen Bekenntnisse“, wie es in einer Mitteilung des nationalen Leichtathletikverbands FIAL heißt. In die Vorbereitung seien auch die islamische und die jüdische Gemeinde Roms involviert. Bleibt abzuwarten, welche einfallsreichen Akzente Ravasi setzt.

Bürgermeisterin Raggi pflegt anlässlich solcher Veranstaltungen die schönen, lebenswerten Seiten ihrer Stadt ins Licht zu rücken. Chronisten werden sich aber an den 30-Kilometer-Lauf von Ostia im Oktober 2016 und an den „Trofeo Lidense“ im Januar erinnern: Beide Wettkämpfe wurden zeitweise vom zuständigen römischen Stadtbezirk abgesagt; angesichts des Straßenzustands sei die Verletzungsgefahr zu groß, hieß es. (KNA, iQ)