Terrorismusforscher

IS will Islamhass verstärken

Der Terrorismusforscher Neumann warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft durch Terrorismus. Ziel des IS sei die Zunahme von Islamfeindlichkeit.

21
06
2017
Symbolbild: Terror © by Erich Ferdinand auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

Der in London lehrende Terrorismusexperte Peter Neumann warnt die europäischen Gesellschaften davor, sich vom Terrorismus spalten zu lassen. „Genau das beabsichtigen die Attentäter“, sagte Neumann im Interview des Bonner „General-Anzeiger“. Sie wollten „das europäische Gesellschaftsmodell, das proklamiert, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion friedlich zusammenleben können, gefährden“.

Die richtige Reaktion darauf sei, sich von der Gewalt nicht einschüchtern zu lassen und sich Muslimen gegenüber nicht anders zu verhalten als zuvor: „Man sollte vor Menschen mit einer anderen Religion und anderen Kultur keine Angst haben und versuchen, sein Leben normal zu leben.“

Der IS habe kürzlich in einer Ausgabe seines Online-Magazins die Strategie hinter den Anschlägen beschrieben, erläuterte der Professor für Sicherheitsstudien weiter: „Es gehe darum, aufseiten der nicht-muslimischen Bevölkerung den Islamhass zu verstärken und aufseiten der muslimischen Bevölkerung eine Situation zu schaffen, in der der Islamische Staat als Verteidiger der islamischen Interessen wahrgenommen wird“.

Das Falscheste, was man nach diesen Anschlägen jetzt machen könne, sei, dem Islam den Krieg zu erklären, betonte Neumann weiter: „Das schießt weit über das Ziel hinaus.“ Der Staat müsse zum einen mit mehr Repression reagieren, also extremistische Gefährder, Terroristen und Hassprediger mit aller Härte des Rechtsstaates zur Rechenschaft ziehen: „Aber eine wichtige Rolle spielen auch Prävention und Integration. Alle drei Faktoren sind unterschiedliche Seiten derselben Problematik, und sie müssen alle mit derselben Energie betrieben werden.“ (KNA/iQ)

Leserkommentare

Andreas sagt:
Der IS ist seinem Ziel immer bereits dann ein Stück näher gekommen, wenn die Gesellschaft von den Muslimen ein Bekenntnis einfordert, nicht auf Seiten der Terroristen zu stehen. Diese Forderung beinhaltet nämlich die Unterstellung, die Muslime könnten mit den Terroristen im Bunde sein, wenn sie dies nicht ausdrücklich verneinen.
21.06.17
16:15
Johannes Disch sagt:
Peter Neumann liegt absolut richtig. Dass der IS sein Ziel, den Islamhass zu schüren, allerdings teilweise leider erreicht, das kann man an vielen Kommentaren hier bei "IQ" sehen: Da werden Koranzitate aus dem Zusammenhang gerissen, um zu zeigen, dass der Islam angeblich gar nicht anders kann, als gewalttätig zu sein und ähnlich undifferenziertes Zeugs ist zu lesen.
21.06.17
19:39
Johannes Disch sagt:
@Andreas So ist es leider. Und diese Forderung, sich doch bitte schön vom Terror zu distanzieren beinhaltet eine unglaubliche moralische Arroganz. Viele Deutsche wünschen sich noch immer "Den Ausländer" und "Den Gastarbeiter", der spurt. Der sich so verhält, wie es gewisse "Biodeutsche" gerne hätten. Früher hieß es: "Ayshe, putz gefälligst mal die Treppe." Heute heißt es: "Ayshe, geh mal schleunigst demonstrieren."
22.06.17
12:15
Manuel sagt:
@Johannes Disch: Das braucht man überhaupt nicht, man sehe sich die islamischen Länder an, dann weiß man was passiert, wenn diese "Religion" die Mehrheit hat, oder fragen Sie mal die nicht-islamischen Minderheiten in diesen Ländern.
22.06.17
18:43
Rerun sagt:
Da gibt es Morddrohungen von muslimischer Seite gegen eine neueröffnete Moschee in Berlin und soweit ich das sehe, wird das bei Islamiq bisher gar nicht thematisiert und dass, wo hier sonst jede Farbbeutelattacke gegen eine Moschee gezählt wird. Trotzdem stellt sich Andreas hier hin und meint, dass ein Bekenntnis gegen Gewalt und den Terrorismus völlig überflüssig wäre. Mein Eindruck ist, dass der IS zur Spaltung der Gesellschaft gar nicht viel beitragen muss. Dass schaffen die Muslime, die sich von Aufklärung, Liberaltität und individueller Freiheit zusehends abwenden und dabei nicht vor Repressalien und Drohungen zurückschrecken, schon ganz alleine. Wer schweigt, der duldet und akzeptiert. Wenn man sieht, wieviele auf einer Erdogan Demonstration erscheinen und wieviele gegen den Terror demonstrieren möchten, dann weiß man, wo die Bruchlinie verläuft.
23.06.17
15:39
Enail sagt:
Ich denke, dass der IS nicht notwendig ist, um die Realität des Islam aufzuzeigen. Ich möchte da nur auf die Neugründung einer liberalen Moschee in Berlin hinweisen und dazu die Reaktionen vieler Muslime hier in DE und im Nahen Osten. Hier zeigt sich das wahre Gesicht des Islam, deren Verständnis von Toleranz und Gleichberechtigung eine andere zu sein scheint, als im Westen üblich. Ich habe einige Posts bei Facebook gelesen, geschrieben von Muslimen, gerichtet an Frau Seyran Ates. Drohungen, Beschimpfungen und Spott auf niedrigstem Niveau. Nein, schon die ständigen Forderungen an die Mehrheitsgesellschaft die man von keiner anderen Religion kennt, deren Bestreben sich in Europa festzusetzen mit all den negativen Folgen für die Frauen die man in allen islamischen Ländern sehen kann, das ist es, von den Terroranschlägen ganz abzusehen, die ja nicht nur vom IS, sondern von zahlreichen Terrororganisationen islamistischer Prägung begangen werden, das zusammen ergibt ein Bild, das man sich für sein eigenes Land nicht wünscht, schon gar nicht als Frau. Und jetzt diese Angriffe seitens angeblicher gut integrierter und friedlicher Muslime, oder sind das Anhänger des IS, weil eine Frau versucht dem Islam ein friedliches, und vor allen Dingen gleichberechtigtes Gesicht zu geben. Wenn so dagegen angegangen wird, dann zeigt es nur, wo der Islam wirklich steht. Reformationsunfähig, und die angebliche Toleranz im Islam sucht man vergebens. Aber da war ich schon vorher skeptisch, nachdem man ständig Forderungen stellt und nicht die Toleranz aufbringen kann, einfach zu akzeptieren, dass man in einem westl. Land lebt. Es ist echt schade, dass ein Islam, wie Frau Ates ihn zeigt, keine Chance hat. Wie einfach könnte doch das Leben sein, wenn Muslime die Sichtweise von Frau Ates über ihre Religion teilen könnten.
24.06.17
0:51
Kritika sagt:
L.S. Islamische Anschläge und KopftuchSturheit bilden nur einen von mehren Gründen den Islam abzulehnen. Die Zustände in vom Islam beherrschten Ländern für sich alleine Grund genug alles zu unterlassen was Islamförderlich ist, damit niemals eine kritische Masse an Muslims entsteht. Damit wäre die Freiheit, für die der Westen steht auf unabsehbarere Zeit verloren und durch das Diktat von Mufties, Scharia und den Islamische Gebräuche wie Peitschenschläge und Enthauptung ersetzt. Also ►Kein IslamUnterricht an Schulen, ►keine Ausbildung von Islamologen, IslamLehrer, ►keine Studienfächer "Islam" an Unies. Es gibt doch auch kein Astrologie Untericht, Astrologie LehrerAusbildung etc. ►Kritika bittet um Argumente, weshalb Astrologie gegenüber den Islam diskrimitiert werden sollte. Astrologie ist schliesslich ebenso gut wissenschaftlich bewiesen wie der Islam. Es gibt keinen Unterricht und Lehrer etc, für die "SchwesterReligon" des Islam: die Mormonen. ►Kritika bittet um Argumente weshalb beide Religionen "des Buch-diktierenden-Engels" derart diskriminierend behandelt werden. Gruss, Kritika
24.06.17
21:28
gregek sagt:
Der Extremismus in der Mitte der Muslime trägt leider auch dazu bei, dass sich dieser globale Terrorismus ausbreitet. In dem Zusammenhang gibt es hier eine Vielzahl von Muslimen, die aufgrund ihres Glaubens bewußt die Abgrenzung und Abschottung gegenüber dem nichtmuslimischen Umfeld suchen. In diesem Umfeld wächst über Verschwörungstheorien, einer antiwestlichen und antisemitischen Grundgesinnung ein Bodensatz heran, auf dem sich terroristische Ideen wunderbar ausbreiten können. Diese Aspekt sollte man genauso berücksichtigen, bevor man - in einigen Fällen richtigerweise - ausschließlich auf die "bösen ausländerfeindlichen Biodeutschen" herumhackt. Wenn von Christen nach knapp 1000 Jahren die Übernahme einer moralischen Verantwortung für die Kreuzzüge eingefordert wird, spricht auch niemand trotz Gnade der späten Geburt von der Last einer moralische Verantwortung. Beim Holocoust und dem Rechtsradikalismus verhält es sich ähnlich.
24.06.17
22:44
Johannes Disch sagt:
@Manuel Es geht nicht um Länder, wo die Mehrheit islamischen Glaubens ist. Diese können wir nur kaum beeinflussen. Es geht um das Zusammenleben zwischen und den Muslimen hier in Europa und in Deutschland.
27.06.17
8:49
grege sagt:
@ Rerun gut erkannt. hier wird von einigen gerne übesehen, dass der islamische extremismus eben nicht Alquaida und den IS ausmacht, sondern sich eben auch in der Mitte Muslime ausgebreitet hat. Deren Untätigkeit verursacht die Risse zur nichtmuslimischen Bevölkerung
02.07.17
9:26