Ramadan 2017

Die Zakat – Zeichen sozialer Gerechtigkeit

Muslime sind dazu verpflichtet, die Zakat zu entrichten. Doch ist die Zakat mehr als nur eine Spende. Muhammed Suiçmez schreibt über die spirituellen und gesellschaftlichen Aspekte der Zakat.

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06
2017
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Symbolbild: Zakat
Symbolbild: Zakat © by epSos .de auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Die Zakat gehört neben dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, dem Fasten und der Pilgerfahrt (Hadsch) zu den fünf Säulen des Islams. Sie ist ein Privileg der Wohlhabenden und das Recht der Armen. Daher ist die Zakat nicht nur ein Gottesdienst, sondern auch ein Zeichen der sozialen Gerechtigkeit, der Solidarität und des Gemeinschaftsgefühls.

Zakat ist „Reinigung“

Das Wort Zakat kommt von der Wurzel „zakka“, was „(etwas) reinigen“ bedeutet. Die Zakat ist also eine Reinigung. Sie wird deshalb so genannt, weil sie das Vermögen des Gebenden reinigt. Schon der Prophet Muhammad (s) lehrte uns: „Gebt von eurem Eigentum die Zakat und schützt es, heilt eure Krankheiten mit der Gabe von Spenden und bereitet euch auf künftiges Übel mit Gebeten vor.“ (Tabarâni)

Wer zahlt die Zakat – und an wen?

Die Zakat zu entrichten, ist eine Pflicht für jeden erwachsenen und wohlhabenden Muslim. Wenn er über eine bestimmte Zeit über eine bestimmte Menge an Besitz verfügt, gibt der Muslim mindestens 2,5% des zakatpflichtigen Besitzes ab. Ziel der Zakat ist es auch, die Bedürfnisse der Bedürftigen zu stillen. Die Zakat kann sowohl aus dem Eigentum selbst abgeführt als auch in Form eines entsprechenden Geldbetrages entrichtet werden.

Oft stellen sich Muslime die Frage, an wen sie ihre Zakat verteilen können? Denn nicht nur die Armen und Bedürftigen haben einen Anspruch auf die Zakat. In der Sure Tawba (9:60) heißt es: „Die gesammelte Zakat ist für die Armen; die Mittellosen; diejenigen, die sie einsammeln; um die Herzen der Leute nahe zu bringen; für die Befreiung von Sklaven; die Verschuldeten; die Ausgabe auf dem Wege Allahs und die Reisenden. Dies ist eine Vorschrift von Allah. Allah ist Allwissend, Allweise.“ Es herrscht ein Konsens unter den Gelehrten, dass die Zakat an alle oder einige der acht in diesem Vers genannten Gruppen gezahlt oder unter ihnen gerecht verteilt werden kann.

Wer sammelt, wer verteilt die Zakat?

In der islamischen Geschichte wurde die Gründung des „Bayt al-Mâl“, einer Art Schatzkammer, in der Zakat eingesammelt und an Arme und Bedürftige verteilt wurde, als notwendig erachtet. Dahinter steckte die Absicht, dass die Bedürftigen nicht in ihrer persönlichen Würde verletzt fühlen, wenn sie eine Spende empfangen. Eine solche zentrale Stelle ist heute nicht mehr vorhanden, auch nicht in Deutschland. Deshalb wird die Sammlung und Verteilung der Zakat von Land zu Land anders gehandhabt.

In Deutschland wird die Zakat von islamischen Religionsgemeinschaften und ihren jeweiligen örtlichen Moscheegemeinden eingesammelt. Diese werden dann zweckgebunden an die Gruppen, die in der Sure 9:60 erwähnten werden, verteilt bzw. für Projekte in diesem Sinne eingesetzt.

Darüber hinaus bieten islamische Hilfsorganisationen wie Hasene International e.V., muslimehelfen, Islamic Relief und Wefa e.V. ebenfalls an, die Zakat entgegenzunehmen, um sie selbst oder in Kooperation mit einer Religionsgemeinschaft ihrem Zweck zukommen zu lassen. Hierzu gehören u. a. die Unterstützung bedürftiger Studierender und Schüler; die Förderung religiöser/kultureller Bildungsprojekte; die Finanzierungen von Privatschulen, die Errichtung von Stiftungen und Krankenhäuser; Flüchtlingshilfe, Hilfe für Kriegsopfer und Opfer von Naturkatastrophen sowie die Stärkung aller Einrichtungen, die zur Wahrung des muslimischen Lebens notwendig sind.

Wenn heutzutage jeder Wohlhabende die Zakat entrichten würde und diese richtig eingesetzt werden würde, wäre die Kluft zwischen Arm und Reich nicht mehr so groß, vielleicht sogar aufgehoben. Ein Beispiel: Es wird berichtet, dass zur Zeit des Kalifen Umar ibn Abd al-Azîz die Provinzgoverneure dem Kalifen mitteilten, sie würden niemanden mehr finden, um ihnen die Zakat zu geben und baten um seine Anweisungen.