Terror in London

130 Imame verweigern Attentätern Totengebet

In Großbritannien verweigern mehr als 130 Imame den mutmaßlichen Attentätern das muslimische Totengebet. Ein beispielloser Schritt, denn das Ritual wird normalerweise für jeden toten Muslim angeboten – unabhängig von dessen Taten.

06
06
2017
Imame verweigern Attentätern Totengebet - London
Imame verweigern Attentätern Totengebet - London © by Pablo Cabezos auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

Mehr als 130 Imame und muslimische Religionsführer in Großbritannien verweigern den Attentätern der jüngsten Terroranschläge in London und Manchester das traditionelle Bestattungsgebet. Man sei „geschockt und abgestoßen“ vom Verhalten der Attentäter, deren „unhaltbares Handeln, den hohen Lehren des Islam widerspricht“, heißt es in einer entsprechenden Erklärung des britischen Muslimrates (MCB) vom Montagabend.

Daher werde man das Totengebet, bei dem um Vergebung für die Taten des Verstorbenen und seinen Eintritt in das Paradies gebetet wird, für die Attentäter nicht sprechen.

Die Imame fordern andere Muslime und religiöse Autoritäten auf, ihrem Beispiel zu folgen und den Tätern das Totengebet zu verweigern. Die Unterzeichner gehören Medienberichten zufolge verschiedenen Strömungen des Islam an.

Man trauere mit den Opfern, ihren Angehörigen und weltweit allen Opfern von Terrorismus – unabhängig von ihrem Glauben, heißt es weiter. Die Terroristen versuchten vergeblich, die Gesellschaft zu spalten und genössen „weder die Legitimität noch Sympathie“ der muslimischen Gemeinde. Sie seien „fehlgeleitet und weit entfernt von den Werten des muslimischen Glaubens“.

Autoritäten aller Religionen verurteilten den Anschlag vom Samstagabend. Die Attentäter waren mit einem Kleinbus in eine Menschenmenge gefahren und hatten danach Bar- und Restaurantbesucher am Londoner Borough Market niedergestochen. Sieben Menschen kamen ums Leben, 47 weitere wurden zum Teil schwer verletzt. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Ich bin überzeugt davon, dass die überwältigende Mehrheit der Muslime solche Terrortaten vehement ablehnt. Trotzdem bin ich der Meinung, dass das - wie ich meine völlig leere - Versprechen eines möglichen Paradieses für gläubige Muslim den gebotenen Respekt vor dem Diesseits mindert. Der ungedeckte Scheck eines angeblich viel schöneren Jenseits nach dem Tod wertet das irdische Dasein ab, von dem wir alle nur eines haben. Besser als utopische Jenseitsphantasien zu haben, wäre es daher sich auf die Verbesserungen des Lebens im Hier und Jetzt zu konzentrieren.
06.06.17
14:19
Mads sagt:
Da ist es für die Terroristen ja gut, dass sie ohnehin als Märtyrer sofort ins Paradies kommen und dass ihnen bereits durch ihr Tun alle Sünden vergeben sind. Sie brauchen das Totengebet also gar nicht. Und mit der Fehlleitung der Terroristen ist das auch so eine Sache. Tatsächlich können sie sich mit ihrem Tun auf Mohammed selbst und den Koran berufen. Und die Sympathisanten des Islamischen Staates zählen in der muslimischen Welt nicht nur eine Handvoll, sondern man muss sie in Millionen zählen. Gerade in den Gebieten, die der Islamische Staat erobert hat, haben die Sunniten ihn unterstützt und nicht bekämpft. Anders wäre der schnelle Erfolg auch gar nicht zu erklären. Es wäre also endlich einmal am der Zeit, die Heuchelei zu beenden und eindeutig gegen islamischen Terror Stellung zu beziehen. Unter eindeutig verstehe ich, dass man den Nachsatz weglässt, man verurteile jede Art von Terrorismus, wo es doch um islamischen Terrorismus geht.
06.06.17
15:05
Andreas sagt:
@Ute Fabel: Sie wieder mit Ihrer aggressiven Missionierung. Lassen Sie doch die Menschen selbst entscheiden, was sie für besser halten.
07.06.17
14:15
Ute Fabel sagt:
@Andreas: Ich versuche Entmissionierung zu betreiben. Es ist mir ein Anliegen zum kritischen Hinterfragen von Glaubenlehren anzuregen, die ihren Erfolg fast ausschließlich hemmungsloser Frühkindindoktrination und nicht der guten Belegbarkeit und Plausibilität der Behauptungen verdanken.
07.06.17
18:11
grege sagt:
@ Andreas Das ist keine Missionierung, sondern eine Bekundung Ihrer eigenen Meinung, ein kleiner, aber feiner Unterschied
07.06.17
20:34
Ute Fabel sagt:
Ich verbreite selbst keine eigenen Glaubenslehren. Ich bemühe mich aber durchaus mit großer Leidenschaft andere Leute zum kritischen Umgang mit Glaubenslehren anzuregen, für die andere jahrhundertelang missionarisch tätig waren. Manch andere Diskutanten bevorzugen stattdessen leider den bequemen Anbiederungskurs. Gerade der Islam und das Christentum mit ihren angeblich heiligen Schriften, dem ethisch angeblich völlig unantastbaren Jesus bzw. Mohammed, ihrem absoluten Wahrheitsanspruch, die Spaltung der Menschen und Gläubige und Ungläubige sollten nicht mit unverdienten Respekt bedacht sondern der kritischen Analyse unterzogen werden. Allerdings ist dasselbe mit politischen Religionen zu tun. Ich bin weiterhin ein großer Fan von George Orwells "Farm der Tiere" und "1984".
08.06.17
12:05