Ramadan 2017

Fragen zum Ramadan – Teil 2

Vor zwei Wochen hat der Fastenmonat Ramadan begonnen. Die Hälfte ist geschafft. Doch wie begehen Muslime das Ramadanfest am Ende der Fastenzeit? Und welche Bedeutung hat die Kadr-Nacht? Diese und andere Fragen beantwortet IslamiQ.

05
06
2017
Fragen zum Ramadan © Facebook, bearbeitet by iQ.
Ramadan © Facebook, bearbeitet by iQ.

Was erhoffen sich Muslime durch den Fastenmonat Ramadan?

In erster Linie möchten die Fastenden das Wohlwollen Allahs gewinnen. Denn das Fasten ist nicht nur eine körperliche und geistige Disziplinübung, sondern auch ein Zeichen der Demut vor dem Schöpfer. Es ist auch die Gelegenheit, Hunger und Durst am eigenen Leib zu erfahren. Der Ramadan wächst über die eigene Stadt oder das Heimatland hinaus. Er ist der Monat der Gemeinschaft und der Geschwisterlichkeit. Und genau diese Tatsache bringt Verantwortung mit sich.

Wie wird man seiner sozialen Verantwortung gerecht?

Es gibt eine Vielzahl an Hilfsorganisationen, die sich um Bedürf­tige weltweit kümmern, aber auch um jene, die vielleicht ganz in der Nähe sind. Bedürftigkeit muss auch nicht nur finanziel­ler Natur sein. Es gibt zahlreiche Menschen, die allein leben, krank sind oder viele Sorgen haben. Der Monat, in dem alle guten Taten um ein Vielfaches belohnt werden, motiviert dazu, anderen Beistand zu leisten – in welcher Form auch immer.

Gibt es bestimmte Speisen, die Muslime zum Sahur vor der Morgendämmerung oder zum Fastenbrechen (Iftar) zu sich nehmen sollten?

Außer der prophetischen Tradition, das Fasten mit einer Dattel zu brechen, gibt es keine bestimmten Mahlzeiten. Jedoch gibt es Empfehlungen von Ernährungsspezialisten. Grundlegend sollte nicht vergessen werden, dass der Ramadan als eine Zeit der besonderen Spiritualität den Muslimen körperliche und seelische Reinigung ermöglichen soll.

Was können Muslime, die nicht fasten können, anstelle des Fastens tun?

Es besteht unter muslimischen Gelehrten ein Konsens darüber, dass Muslime die nicht in der gesundheitlichen Verfassung dazu sind, nicht zu fasten brauchen. Dafür müssen sie für jeden Tag, an dem sie nicht fasten können, die sogenannte „Fidya“ zahlen. Diese Ersatzleistung soll den Bedürftigen und Armen zugutekommen. Für jeden versäumten Fastentag übernimmt man somit die Kosten der Speisung eines Bedürftigen. Der Betrag hierfür liegt derzeit bei 10 € pro Tag.

Gegenseitige Einladungen zum Fastenbrechen sind ein fester Teil des Ramadans. Wieso?

Entsprechend den Worten des Propheten Muhammad „Wer einen Fastenden zum Iftar einlädt, wird belohnt wie der Fastende, ohne eine Verminderung“ (Tirmizî) ist das gegenseitige Einladen während des Ramadans von großer Bedeutung. Das gemeinsame Fastenbrechen stärkt die Gemeinschaft. Durch diese Tradition werden familiäre und verwandtschaftliche Beziehungen sowie die Beziehungen zu Freunden und Bekannten gestärkt und vertieft. Das Beisammensein bietet zudem die Möglichkeit, neue Bekanntschaften zu machen und Freundschaften zu schließen.

Eine besondere Wohltat dabei ist es, neben der Pflege bestehender Beziehungen, vor allem bedürftige Menschen einzuladen. Denn der Gesandte Allahs sagte: „Das schlechteste Essen ist das, zu dem die Reichen, aber nicht die Armen eingeladen werden.“ (Buhârî) So werden in vielen Mo­scheen gemeinsame Iftar-Essen vorbereitet, zu denen jeder – unabhängig von Religion, Überzeugung, sozialem Status und Nationalität – willkommen ist.

Was ist die Kadr-Nacht („Nacht der Bestimmung“)?

Die Kadr-Nacht am 27. Ramadan ist die Nacht, in der die Herabsendung des Korans begann. Deshalb ist sie sie die segensreichste und bedeutendste Nacht im Islam. Im Koran findet sich eigens eine Sure, die sich ihr widmet. Dort heißt es: „Siehe, wir sandten ihn hernieder in der ‚Nacht der Bestimmung’. Und was lässt dich wissen, was die ‚Nacht der Bestimmung’ ist? Die ‚Nacht der Bestimmung’ ist besser als tausend Monate. Es steigen in ihr nieder die Engel und der Geist – mit der Erlaubnis ihres Herrn zu jeglichem Geheiß. Friede ist sie, bis zum Anbruch der Morgendämmerung.“ (Sure Kadr, 97:1-5)

Die Muslime versuchen in dieser Nacht gemeinsam oder individuell Gebete zu verrichten, Bittgebete zu sprechen, den Koran zu rezitieren, um so am Segen dieser Nacht teilzuhaben.

Am Ende des Fastenmonats findet das Ramadanfest statt. Wie begehen Gläubige das Fest?

Das Ramadanfest (türk. „Bayram“, arab. „Îd“) ist ein Geschenk Gottes für die Geduld der Muslime im Ramadan. Gemäß dem Hadith „Das Erste, was wir an diesem Tag tun werden, ist zu beten“ (Buhârî) beginnt der erste der drei Festtage mit einem gemeinsamen Gebet in der Moschee. Nach dem Gebet gratulieren sich alle zum Fest. Verwandte und Bekannte besuchen einander und beglückwünschen sich. Gerade für Kinder sind solche Festtage unvergesslich, denn sie werden vielfach beschenkt und genießen eine höhere Aufmerksamkeit.

Eine besondere Aufmerksamkeit wird auch den Älteren der Gemeinschaft zuteil. An diesen Tagen werden sie reichlich besucht und umsorgt. Das Ramadanfest ist ein Tag der Freude und der Zusammenkunft sowie der Dankbarkeit dafür, ein weiteres Mal im Leben einen Monat lang gefastet haben zu können. Doch er ist für viele ebenso mit einer leichten Trauer verbunden. Denn die Festtage bedeuten auch, dass nun die segensvolle Zeit des Ramadans zu Ende ist.

Leserkommentare

Mads sagt:
Die Muslime fasten nicht einen Monat lang, sondern reihen einen Monat lang Tage mit jeweils ein paar Stunden des Fastens aneinander. Zwischen Sonnenuntergang und Sonnenaufgang dürfen sie ganz normal essen und trinken und tun dies auch.
06.06.17
15:11