Erfurt

Schweinekadaver auf Bauprojekt aufgespießt

Erst Holzkreuze, nun aufgespießte Schweinekadaver: Gegner in Erfurt gehen rabiat gegen das Bauvorhaben der Ahmadiyya-Gemeinde vor. Der Staatsschutz ermittelt.

30
05
2017
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Erfurt
Skizze des Bauvorhabens in Erfurt © facebook

Auf einen Bauplatz der Ahmadiyya-Gemeinde in Erfurt haben Unbekannte Holzspieße mit Schweinekadavern gesteckt. Auf neun bis zu 1,5 Meter hohen Spießen seien unter anderem ein halber Schweinekopf, Schweinepfoten und Innereien angebracht worden, teilte die Polizei am Montag in Erfurt mit. Das Schwein ist auch für die Ahmadiyya ein Tier, dessen Verzehr verboten ist. Nach Polizeiangaben führt der Staatsschutz der Kriminalpolizei die Ermittlungen zu den Tätern.

Gegen den Bau im Erfurter Ortsteil Marbach gab es bereits in der Vergangenheit Widerstand und Angriffe. Gegner dieses Baukomplexes errichteten im März auf einem Nachbargrundstück große Holzkreuze, die später abgebaut wurden.

Die Pressestelle der Polizei Erfurt teilte IslamiQ auf Anfrage mit, dass die Polizei von einer politisch-motivierten Tat ausgehe, da es sich um einen zukünftigen Bauplatz einer Ahmadiyya-Gemeinde handle und höchstwahrscheinlich Gegner dieses Bauprojektes die Schweinekadaver aufgespießt haben. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen bereits aufgenommen.

Nach dem Vorfall mit den Schweineteilen, die am Montag entdeckt wurden, sucht die Polizei nach Zeugen, die Hinweise auf die Täter geben könnten. Ein öffentlicher Zeugenaufruf wurde gestartet, teilte die Polizei IslamiQ mit. Möglicherweise sei auch der Kauf der Schweineteile aufgefallen. Entsorgt wurden sie von einer Firma, die auf die Beseitigung von Tierkadavern spezialisiert ist. Die Holzspieße stellte die Polizei zur Spurensicherung sicher.

Die Ahmadiyya-Gemeinde hatte im April einen Bauantrag für die von ihr geplanten Neubau eingereicht. Bereits im Vorfeld gab es in dem Erfurter Ortsteil Proteste und Bürgerversammlungen.

Vorgesehen ist nach Angaben der Gemeinde ein eingeschossiger Bau mit einem acht Meter hohen Zierminarett und einer drei Meter hohen Kuppel, zwei Gebetsräumen und einer Wohnung. Die Prüfung des Bauantrags in der Stadtverwaltung kann einige Monate dauern. Mit einem Baustart in diesem Jahr rechnet die Gemeinde nach früheren Angaben nicht.

Die „Ahmadiyya Muslim Jamaat“ sieht sich selbst als muslimische Glaubensgemeinschaft. Die Mehrheit der Muslime lehnen die Ahmadiyya jedoch aufgrund abweichender Lehren in Bezug auf die islamischen Glaubensinhalte ab. (dpa, iQ)