München

Freitagsgebet am Marienplatz

Ein Münchner Muslim plant ein Protestgebet am Marienplatz, um auf Moscheeschließungen aufmerksam zu machen. Der Muslimrat München lehnt diese Aktion ab.

18
05
2017
München Marienplatz ©flickr / CC 2.0 by zen-foto, bearbeitet islamiQ

Mit der Schließung der Altstadt-Moschee an der Hotterstraße in München, wurde nun auch die letzte Moschee im Stadtzentrum abgeschafft, wie die Süddeutsche Zeitung berichtete. Der Andrang auf diese Moschee war zu groß. Die Besucherzahl, insbesondere beim Freitagsgebet, überstieg die durch die Brandbestimmungen zulässige Personenanzahl in dem kleinen Gebetsraum. Muslime, die keinen Platz mehr im Gebetsraum fanden, ließen sich vor dem Gebäude auf dem Parkplatz und dem Bürgersteig nieder, um die Freitagspredigt durch das offene Fenster zu hören und anschließend das Gebet zu verrichten.

Deshalb wurde die Moschee geschlossen. Die Vereinsräume werden nun lediglich als Geschäftsstelle des Münchner Forums für Islam (MFI) genutzt. Das tägliche Gebet wird hier nicht mehr verrichtet. Man verfolgt zwar das Ziel eine repräsentative Moschee im Münchener Stadtzentrum zu errichten. Bis dahin gibt es für Muslime aber keine Gebetsmöglichkeit in der Münchner City.

Um dagegen zu protestieren, plant der Münchner Muslim Massi Popal am Freitag eine Kundgebung am zentralen Marienplatz in München mit anschließendem Freitagsgebet. Bei der Kundgebung soll die Raumnot für muslimische Betende thematisiert werden. In den letzten Monaten seien eine Moschee nach der anderen geschlossen worden, die meisten aus demselben Grund: zu viele Besucher, sodass die Brandbestimmungen nicht eingehalten werden konnten. Durch jede weitere Schließung verschärfe man aber nur das Problem, meint Popal. Erwartet werden etwa 200 Teilnehmer.

Muslimische Vertreter zeigen sich jedoch skeptisch gegenüber diesem Vorhaben. In einer Pressemitteilung distanziert sich der Muslimrat München ausdrücklich von dieser Aktion. „Kurzentschlossene und nicht durchdachte Aktionen von einzelnen Personen haben sich als kontraproduktiv erwiesen und waren oftmals Ursache für gesellschaftliche Spannungen, die zu Spaltungen gemündet sind. Auch die Kundgebung am 19.05.2017 in der Innenstadt wird nicht vom Muslimrat organisiert und unterstützt“, heißt es in der Mitteilung. Stattdessen habe der Muslimrat am 01. Mai 2017 alle Moscheegemeinden in München zu einer gemeinsamen Versammlung eingeladen und im Konsens entschieden, wie wichtig es sei gemeinsam gegen die Schließung von Moscheen vorzugehen. Es wurden seitdem Gespräche mit der Stadtverwaltung und dem Oberbürgermeister aufgenommen, die bereits auf „positive Resonanz“ gestoßen seien.

Leserkommentare

Renox sagt:
Warum soll gerade in der Münchener Innenstadt eine repräsentative Groß-Moschee entstehen? Will man damit bewußt Aufsehen erregen oder provozieren? Man stelle sich vor, was z.B. in der stark islamisch geführten Türkei der fromme Staatschef Erdogan sagen würde, wollte man in der City von Istanbul einen repräsentativen christlichen Dom errichten. Oder gar Dome in den Innenstädten der islamischen Gottesstaaten. Da würde man Mord und Totschlag geradezu heraufbeschwören.
18.05.17
18:47
Enail sagt:
Einen fehlenden Raum als Anlass zu nehmen, dass man nun nicht Beten kann, zeigt mir, wie weit die Muslime von Gott entfernt sind und sich eher daran halten, was vor vielen hundert Jahren ein Mann erzählt hat. Um mit Gott in ein Zwiegespräch zu treten, brauche ich keine Räume, kein Geschrei von irgendeinem Turm, kein Glockengeläute. Ich gehe in die Natur, gehe in mich und erfreue mich und danke Gott für das, was er uns zur Verfügung stellt. Alles andere ist Menschen gemacht, und der Mensch lässt sich leicht irre führen, das war schon immer so und wird auch so bleiben. Und immer wieder wird ein Mensch kommen, der sich das Verhalten der Menschen zu seinem Vorteil zu nutze macht. So ist es bei allen Religionen und bei allen Regierungen. Sie gaukeln den Menschen vor, nur ihr bestes zu wollen, und nehmen gleichzeitig das Beste vom Menschen. Sie beuten ihn aus, machen ihn zum Sklaven und die große Mehrheit der Menschen begreift es nicht. Die christl. Kirchen bereichern sich dabei, und der Islam nimmt Besitz vom ganzen Menschen und navigiert ihn dahin, wo er ihn haben möchte. Dass Frauen in jeder Religion das Nachsehen haben, liegt in der Natur der Sache. Alle Religionsgründer waren Männer und haben sich immer für das eigene Geschlecht Vorteile geschaffen. Meine Meinung ist, dass ich religiös sein kann, auch an Gott glauben kann, aber dafür keine Gebote und Vorschriften von irgendeinem Mann brauche.
18.05.17
23:42
Kritika sagt:
L.S. Es gibt für viele sympatischere religiöse Gruppen: Bramanen, Hindus, Jehova Zeugen, Mormonen, Shintu, Budisten - - - , ebenfalls keine Versammlungsmöglichkeit mitten in München; wieso denn für Muslims? Wenn Muslims in Horden nach München-Mitte strömen, obwohl dort kein Platz zum Beten ist, können sie keinesfalls von den von ihnen "Ungläubigen" genannten erwarten, dass diese für sie ihre selbstgemachten Probleme lösen. Wenn Muslims dennoch die öffentliche Ordnung durch Kundgebungen und Protesten stören, vergrössern sie damit nur die ohnehin schon hohe Ablehnung der Muslims in Deutschland. Gruss, Kritika
19.05.17
2:21