Rechtsextremismus

„Rechte Gewalt ist ein Problem der Gesellschaft“

Immer häufiger gehen Übergriffe von Menschen aus, die sich selbst nicht als rechtsextrem bezeichnen. Meist handele es sich um antimuslimischen Rassismus.

20
03
2017
Die Pegida-Demo zum Jahrestag in Sachsen. © strassenstriche.net auf flickr, bearbeitet by IslamiQ

Misstrauische Blicke, abfällige Bemerkungen, Übergriffe und Gewalt – die seit einem Jahr in Frankfurt arbeitende hessische Beratungsstelle „response“ sieht eine Zunahme rechter Gewalt im Alltag. „Dabei gehen die tätlichen Angriffe immer häufiger von Menschen aus, die sich nicht der extremen Rechten zuordnen lassen und die sich auch selbst nicht als rechtsextrem bezeichnen“, sagte Olivia Sarma, Leiterin der Beratungsstelle für Betroffene rechter und rassistischer Gewalt.

Ähnlich sah es Reiner Becker, Leiter des Demokratiezentrums der Philipps-Universität Marburg, das sich unter anderem mit Prävention befasst. „Die rechtsextreme Szene in Hessen ist relativ schwach organisiert“, sagte er. Bei der Beratungsarbeit des Zentrums werde zunehmend deutlich, wie sehr die Gesellschaft polarisiert sei: „Rechte Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.“

„Response“ arbeitet seit gut einem Jahr und wird aus Mitteln von Bund und Land finanziert. Dank einer Aufstockung durch das hessische Innenministerium wird nun eine Zweigstelle in Kassel entstehen. Bisher habe das Zentrum rund 40 Anfragen erhalten, sagte Sarma. Meist handele es sich um antimuslimischen Rassismus. Neben Begleitung zur Polizei, um Anzeige zu erstatten, werde auch psychosoziale Hilfe für Opfer von Gewalt geleistet.

Das Zentrum berät den Angaben zufolge auch in zahlreichen Fällen, die nicht zur Anzeige gebracht werden und daher nicht in Polizeistatistiken auftauchen. Nach Angaben des hessischen Landeskriminalamts gab es im vergangenen Jahr 840 rechtsmotivierte Straftaten – das waren 18,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Frag W. Ürdig sagt:
Ja, so ist es! Wenn eine Gesellschaft ihre Sensibilität in Bezug auf eine bestimmte Gruppe verliert und diese marginalisiert, dann sind wir sehr weit von unseren Grundidealen entfernt. Dann braucht diese Gesellschaft auch nichts von Werten faseln, die sie selbst mit Füßen tritt. Wer einen winzigen Einblick in den Sumpf der islamfeindlichen Straftaten erhalten will, der führe sich die kleine Anfrage (und die Antworten der BuReg) der Fraktion DIE LINKE zu Gemüte, http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/111/1811128.pdf Danke, an die einzig wahre Oppositionspartei im Lande!
20.03.17
21:14
Johannes Disch sagt:
@Frag W. Ürdig. Ein interessanter Link. Danke.
24.03.17
0:53