Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU)

Schulen und Kitas sollen Schweinefleisch anbieten

Der Bundesernährungsminister spricht sich für das Angebot von Schweinefleisch an allen Schulen und Kitas aus. Man dürfe aus Bequemlichkeits- und Kostengründen die Auswahl von Speisen nicht einschränken.

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Kantine © flickr / CC 2.0 / SimCity Research Laboratory

Kantinen von Schulen und Kindergärten sollten nach Ansicht von Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) regelmäßig Gerichte mit Schweinefleisch anbieten. „Dass unsere Kinder kein Schweinefleisch mehr bekommen, ist völlig inakzeptabel“, sagte er der „Bild“-Zeitung (Mittwoch).

Es sei ein „Versagen der Schulträger“, wenn Kinder keine ausgewogene Ernährung bekämen. Auch wenn die Zahl der Muslime im Land steige, dürfe man nicht aus Bequemlichkeits- oder Kostengründen für die Mehrheit in der Gesellschaft die Auswahl einschränken, sagte Schmidt. Muslimen ist der Verzehr von Schweinefleisch verboten.

Weiter sagte Schmidt: „Fleisch gehört auf den Speiseplan einer gesunden und ausgewogenen Ernährung, auch in der Kita- und Schulverpflegung. Jedes Kind sollte die Auswahl haben, ob es Rind-, Schweinefleisch, Fisch oder eben vegetarisch essen möchte.“

Dieselbe Forderung hatte Schmidt bereits Ende März erhoben. Auch Kanzlerin Angela Merkel hatte im Juli in einer Videobotschaft Migranten zu Toleranz gegenüber deutschen Essgewohnheiten wie dem Verzehr von Schweinefleisch aufgerufen. Bisher ist jedoch keine Stellungnahme von Vertretern islamischer oder migrantischer Gemeinschaften bekannt, die ein Verbot von Schweinefleisch an deutschen Schulen und Kitas gefordert hat.

Schmidt kündigte an, das nationale Qualitätszentrum für Ernährung in Kita und Schule werde künftig Mustervorschläge für eine ausgewogene Ernährung machen. (dpa, iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Keinesfalls dürfen konservative Religionsvertreter staatlichen Einrichtungen oder auch Betrieben den Speiseplan diktieren. Verantwortunsvolle Eltern sollten ihren religionsunmündigen Kindern nicht ihre eigenen religiösen Ernährungsdogmen aufzwingen sondern die Kinder essen lassen was ihnen schmeckt. Abgesehen davon sind religiöse Ernährungsvorgaben ja nicht in Stein gemeißelt. Einst aßen die meisten Katholiken freitags kein Fleisch. Heute ist das eine verschwindende Minderheit, die das beachtet. Der Mehrzahl meiner türkischstämmigen Arbeitskollegen isst mit großer Leidenschaft auch Schweinefleisch und betrachten es als willkommene Abwechslung. Religionsgemeinschaften sollten sich aus Ernährungsfragen ganz raushalten und sich besser um innere Werte kümmern.
28.12.16
14:22
Charley sagt:
Genauso, wie im praktischen Leben auf Vegetarier Rücksicht genommen wird, wenn diese auftreten und Fleischkost einfach nicht essen wollen, wie auf Glutenunverträglichkeit, Weizenallergie uam. Rücksicht genommen wird, so kann auch auf Schweinefleischverweigerer Rücksicht genommen werden. Dass allerdings in jedem Fall ein "Spezialesser" ein "Veto-Recht" hat, heißt das nicht. Ggf. nehmen sich Vegetarier auch mal ihre eigene Lunchbox mit?! Bei Einrichtungen ist normaler Weise ein Verzehrplan vorab einzusehen. Schwierig wird es natürlich, wenn es dann auch um "Gelantine" (evtl. auch Schweineprodukten hergestellt) oder weitere Dinge geht. Ich meine, dass ein Generalanspruch da nicht bestehen sollte, sondern dass man pragmatisch vorgehen sollte, wie eben bei Vegetariern auch. Ich kenne genügend Vegetarier, die da sehr rücksichtsvoll und verständlich gegenüber ihren fleischessenden Mitmenschen sind. Pragmatisch heißt auch "Kostenfaktor". Man kann in einer Großküche nicht einfach ein oder 2 Einzelspeisen anders zubereiten. In einer Kita müssten dann evtl. auch Mütter mit die Verantwortung übernehmen und etwas eigenes organisieren. - Es klingt ein bisschen so, als ob Muslime schon wieder ihren geistigen Tod vor Augen haben, wenn sie nur mit Schweinefleischduft konfrontiert sind. Ich kenne einen Kindergarten, wo nicht mehr gegrillt wird, weil auf demselben Grill ja vorher ein Schweineschnitzel lag oder gelegen haben könnte. Da wirds absurd und sektiererisch. Genauso absurd ist es, wenn über die Egalitätsschiene nun die Moslems zu Eisbeinfans erzogen werden sollen. Kann man das alles nicht etwas pragmatischer sehen? Auch die Kopftuchdebatte gehört hierher. Ich finde zwar Kopftücher blöd und staune immer Frauen an, die damit - zumindest oft vorgeben, dass sie damit - glücklich sind und es "aus freien Stücken anziehen", aber ich ertrage es, genauso wie ich rülpsende Biertrinker an der Würstchenbude, gröhlende Fußballfans und elitäre Damen in Abendgarderobe im Sinfoniekonzert ertrage. Meine Güte! - Außer einem religiösen Dogmatismuszwang kenne ich keine wirklichen Argumente gegen Schweinefleisch, genauso wie "ausgeblutetes Tierfleisch" auch überholt ist, weil nie das ganze Blut ausblutet. Was sollen also solche rituellen Krämpfe? Aber mein Gott, wenns jemand nötig hat und ansonsten ein netter Mensch ist? Es kann nur die Menschlichkeit sein, die jemanden aus solchen religiösen, sektiererischen Krämpfen erlöst.
28.12.16
18:10
Grünschnabel sagt:
Kann mir jemand bitte eine islamische Religionsgemeinschaft in Deutschland zeigen, die ein Schweinefleischverbot in deutschen Schulen und Kitas gefordert hat? Gibt es nicht. Den Muslimen wird eine Forderung in den Mund gelegt, die sie gar nicht erheben! Muslime fordern nur, dass es auch vegetarische Essensangebote bzw. Halal-Essen gibt, nicht, dass alle Schüler vegetarisch essen sollen. Das ist ein gewaltiger Unterschied.
29.12.16
10:38
Charley sagt:
@Grünschnabel: vielleicht ist das Ganze eine Luftnummer wie die Burka-Diskussion, obwohl fast niemand ne Burka trägt. Aber den Kindergarten mit dem Grillboykott gibts wirklich.
29.12.16
15:36