Generalverdacht

„Alle Religionen haben ihr Gewaltpotenzial“

Islamwissenschaftler Prof. Mathias Rohe befürwortet einen Generalverdacht gegen Muslime nicht, denn im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung sei nur ein kleiner Anteil gewalttätig.

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12
2016
Prof. Mathias Rohe
Islamwissenschaftler und Jurist Prof. Mathias Rohe, © Akif Şahin

Der Jurist und Islamwissenschaftler Mathias Rohe wendet sich dagegen, Muslime wegen ihrer Religion generell als potenzielle Gewalttäter wahrzunehmen. „Alle Religionen und Weltanschauungen haben ihr Gewalt- und Problempotenzial“, sagte Rohe am Dienstag im Deutschlandfunk. Er denke aber nicht, dass sich der Islam in der Weltgeschichte gewalttätiger gezeigt habe als etwa das Christentum.

Es gebe Extremismus, der auch zunehme, erklärte Rohe. Gewalttätiger und politischer Salafismus müssten sehr genau im Blick behalten werden. Im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung seien aber sehr kleine Anteile derart extrem. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die gesamten friedliebenden Muslime hier in eine Ecke stellen und unter Generalverdacht stellen. Die Gefahr ist gerade sehr groß.“

Die Auslegung ihrer Heiligen Bezugsschrift liege allein in der Hand von Muslimen. Der „extrem intolerante Wahhabismus“ sei etwa „eine Wurzel religiösen Übels“. Er richte sich gegen andere Muslime, zum Beispiel Schiiten und Mystiker, und gegen alle anderen Nicht-Muslime.

Er sei damit eine echte Bedrohung. Insgesamt seien die Muslime in Deutschland aber genauso demokratieverpflichtet wie die übrige Bevölkerung. Auch die Hochreligiösen ließen die anderen in großer Mehrheit gelten. Dies sei entscheidend für das menschliche Zusammenleben. (KNA, iQ)

Leserkommentare

Enail sagt:
" Er denke aber nicht, dass sich der Islam in der Weltgeschichte gewalttätiger gezeigt habe als etwa das Christentum." Er hat sich nicht nur gezeigt, er tut es noch immer wenn man sich die Welt betrachtet, die Länder, in denen der Islam in der Vormachtstellung ist. Schon alleine die Verbreitung dieser Lehre ging mit sehr viel Gewalt einher. Auch im Christentum gab es viel Gewalt. Diese Zeiten sind schon lange vorbei und kein Lebender Mensch kann davon Zeugnis geben. Anders sieht es da beim Islam aus. Fast könnte man meinen, die Gewalt im Namen dieser Religion nimmt immer mehr zu. Wo hört man von Christen, die sich in Menschenmengen in die Luft sprengen. Ich höre das nur bei Islam Anhängern. Und die These, das hat nichts mit dem Islam zu tun, das glaubt mittlerweile niemand mehr.
27.12.16
22:42
Charley sagt:
Sorry, Herr Rohe, Sie irren sich! Mit 80 Millionen Toten, die der Islam allein in der Eroberung Indien auf dem Gewissen (zu haben) hat, stellt er die Verbrechen Hitlers und Stalins zusammen in den Schatten! Europa hat pausenlos seit dem 7.Jahrhundert unter Attacken islamischer Heere, Seeräuber zu leiden gehabt. (Suchen Sie auf prophet.info nach Anhang 34!) Die Kreuzzüge waren eine militärische Reaktion! Auch das berühmte Blutbad der Eroberung Jerusalems (welches ganz sicher verwerflich war!) wird von den Massenhinrichtungen durch Moslems in Indien x-fach übertroffen, immer wieder. - Ja, die Wahabiten, die "Nestbeschmutzer"! Schlimm, schlimm, dass niemand so richtig gegen sie auftritt, aber sie finanzieren ja auch viele muslimische Aktivitäten/Moscheen in Deutschland. Und die Dyanet, die gerade dabei ist, die Partitur für die Islamisierung der Türkei zu schreiben, hat auch noch viele hier an der Leine! - Schön, dass Sie als Islamwissenschaftler einen edlen Islam kennen, aber kommt ihr Islam auch bei dem einfachen Moslem an? Der mir erzählt, dass Allah auf Arabisch zu Mohammed sprach? Es gibt so viel Hinterwäldlertum und plumpen Gemeindedogmatismus in den "religiösen Gesprächen" mit Moslems im Alltag, da kann einem Angst und Bange werden. Allein das komplette Kritikverbot gegenüber Mohammed/Allah/Koran disqualifiziert den Islam in der Diskussion! Die Lachverbote, die mit Gewaltdrohungen unterpflastert werden, gar nicht zu erwähnen. Das alles ist schon Gewalt, denn die fängt unterschwellig an, wenn Gedanken nicht sinnhaft, sondern mit Macht begründet werden. Nehmen Sie Ihren Kollegen Ali Özgür Özdil, der in "Alles, was im Namen des Islams getan wird, aber gegen diesen verstößt, ist Extremismus" hier auf islamiq sagt: "Wir sind dazu verpflichtet, den Vertretern von Staat und Medien zu beweisen, dass es im Islam zu allen gesellschaftlichen Problemen Lösungen gibt." Das kann aber nur wahr sein, wenn er zunächst seinen "Gottesstaat" implantiert hat, denn ansonsten sind die "Lösungen des Islam" eine Luftnummer, weil Allah keine Realität ist! - Im selben Artikel sagt er: "Statistisch gesehen sind weniger als 0,1 Prozent der Muslime gewaltbereit." Wenn also jeder 1000ste Moslem in Deutschland gewaltbereit ist, dann ist es Zeit, sämtliche Alarmglocken zu läuten! - Ich finde - falls der obige Artikel wirkliche Ihre Aussage wieder gibt - Ihr Statement zur Nivellierung der Gewaltbereitschaft als "Sand in die Augen streuen"!
28.12.16
0:39
Charley sagt:
Ich will allerdings betonen, dass die Verbrechen an den Ureinwohnern Amerikas, wenn sie vielleicht nicht im Namen der katholischen Kirche, so doch unter deren Duldung geschahen, barbarisch waren und jegliches fassbare Maß überstiegen! - So ist die Frage vielleicht so zu stellen: in welchem Zustand muss eine Religion sein, damit sie übergriffig, gewaltsam "missionierend", rücksichtslos, zweifelsfrei fanatisch sein kann? Was hat die sog. "christlichen Kirchen" gezähmt (z.b. auch vom Hexenwahn)? Hat der Islam schon eine entsprechende Metamorphose durchlaufen?
28.12.16
9:28
Ute Fabel sagt:
Die Auffassung, mit welcher Prof. Rohe zitiert wird, wonach die Auslegung ihrer Heiligen Bezugsschrift allein in der Hand von Muslimen liege, teile ich absolut nicht.. In Islamiq gab es schon Artikel, in welchen sich Muslime kritisch mit dem Parteiprogramm der AfD auseinandergesetzt haben und das ist gut so. Genauso, wie die AfD kein Auslegungsmonopol auf ihre Schriften hat, haben die Moslems kein Auslegungsmonopol auf den den Koran. Ich finde es sogar sehr wichtig, dass gerade auch erklärte Gegner von bestimmten Religionen oder nicht religiösen Weltanschauungen zu Wort melden und sich kritisch mit religiösen oder weltanschaulichen Lehren und ihren Schwachpunkten und Defiziten auseinandersetzen. Unsere pluralistische Gesellschaft lebt und profitiert davon, dass keine gesellschaftliche Gruppe ein Meinungs- und Auslegungsmonopol hat.
28.12.16
10:47
Charley sagt:
@Ute Fabel: sicherlich, denn sonst stellte sich die Frage, wer das Auslegungsrecht für die Auslegung hat! ;-) Zwar braucht man Fachwissen, Kompetenz, aber es gibt auch die Fachblindheit. Gerade Religionen haben da ein Problem: sie wenden sich an alle und zugleich wollen sie sprechen von etwas, was sich nur nach einer spirituellen Entwicklung als eigene Einsicht erschließt. So ließt ein Sufimeister den Koran vermutlich anders als ein Bauer in Afghanistan oder als ein "Gelehrter" an der Universität oder gar shariarichter in Saudi-Arabien oder ein IS-Kämpfer. Es ist schon fast dümmlich zu sagen, "die Moslems" hätten das alleinige Deutungsrecht auf den Koran. Wer sind denn "die Moslems"? Als Wissenschaftler sollte er den Standpunkt Feuerbachs ("Religionskritik") kennen und bejahen. Vielleicht kennt sich eine Frau Professor Dr Schirrmacher im Koran besser aus als Prof Dr Rohe, obwohl sie kein Moslem ist. - Vieles an dem Interview klingt nach Schutzbehauptung. Die "wir-sollten" soll die Schwächen der moslemischen Wirklichkeit zudecken, ohne dass gesagt wird wer wie tut!
29.12.16
8:51
Grege sagt:
Entscheidend ist das Gewaltpotential im Hier und Jetzt. Aufgrund der globalen Verbreitung von islamisch motiviertem Terrorismus leidet die Religon unter einem Terrorisproblem. Durch Leisetreterei, Negieren oder gar Verschwörungstheorien lässt sich das Problem nicht lösen.
30.12.16
23:10