Studie

Vierzig Prozent der Deutschen fürchten eine Islamisierung

Eine aktuelle Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zeigt, dass jeder vierte Deutsche ein rechtes Weltbild und fast die Hälfte der Befragten eine Unterwanderung durch den Islam befürchten.

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2016
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Deutschland Flagge © by Martin Abegglen auf Flickr (CC BY-SA 2.0), bearbeitet islamiQ

Nach Ansicht einer Studie im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung vertreten rund 28 Prozent der Deutschen ein „zusammenhängendes neurechtes Einstellungsmuster“. Dazu zählt die Erhebung „Verschwörungsmythen“ über eine vermeintliche Unterwanderung durch den Islam, die Behauptung eines Meinungsdiktats, eine Beschimpfung des „Establishments“ als illegitim und betrügerisch, die Forderung nationaler Rückbesinnung gegen die EU und der Aufruf zum Widerstand gegen die aktuelle Politik.

Die Studie wurde am Montag in Berlin veröffentlicht.Das Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld befragte im Juni bis August 1.896 Deutsche zwischen 16 und 95 Jahren.

Islamfeindliche Einstellung

Demnach neigen 84 Prozent der AfD-Wähler zu „neurechten Einstellungen“. Rund 40 Prozent aller Befragten meinten, die deutsche Gesellschaft werde durch den Islam unterwandert. Und 20 Prozent äußerten muslimfeindliche Einstellungen.

Rund 28 Prozent stimmten der Aussage zu „Die regierenden Parteien betrügen das Volk“. Ebenso viele beklagten „In Deutschland kann man nicht mehr frei seine Meinung äußern, ohne Ärger zu bekommen“. Deshalb forderten sie: „Es ist Zeit, mehr Widerstand gegen die aktuelle Politik zu zeigen.“

Ambivalente Einstellung zu Flüchtlingen

Nach den Worten des Leiters der IKG Andreas Zick befindet sich Deutschland „in einer Zerreißprobe. Während sich viele von rechtspopulistischen Meinungen leiten lassen und aggressiver gegen Eliten und vermeintlich Fremde geworden sind, sind andere bereit, sich noch mehr für die Integration zu engagieren.“ Laut Studie äußerte sich die Mehrheit der Bevölkerung wohlwollend oder zumindest in der Tendenz positiv zur Aufnahme von Geflüchteten in Deutschland.

Rund 56 Prozent fand die Aufnahme gut. Weitere 24 Prozent hielt die Aufnahme zumindest „teils-teils“ gut und äußerte sich optimistisch, dass es der Gesellschaft gelingt, die aktuelle Situation zu bewältigen.

Jeder fünfte meinte laut Umfrage allerdings, dass es „eher nicht“ oder „überhaupt nicht“ gut sei, dass Deutschland viele Flüchtlinge aufgenommen habe. Eine kleine Minderheit fühlte sich persönlich durch Schutzsuchende in ihrer Lebensweise bedroht. Rund ein Viertel der Befragten äußerten die Sorge, dass der Lebensstandard in Deutschland absinken werde. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Ich halte sowohl Rechtspopulismus als auch den politischen Einfluss von einem dogmatisch-konservativen Religionsverständnis für ein gesellschaftliches Gefahrenpotential. Bei letzterem möchte ich gar nicht grundsätzlich zwischen politischem Islam (Iran, Saudi Arabien und zunehmend auch die Türkei) und politischem Christentum (Polen, die designierte Regierung in den USA) unterscheiden.
22.11.16
8:13
Manuel sagt:
Dazu sollte man unbedingt die Studie von 2013 des Berliner Wissenschaftszentrums lesen, welche eigentlich rechte Einstellungen Moslems haben.
22.11.16
11:00
Moritz sagt:
Natürlich ist jede Form von Extremismus gefährlich, egal welcher Couleur. Wenn Kommentatoren jedoch jedes Mal, wenn es um Rechtsextremismus geht, darauf hinweisen, dass sie "rechte Einstellungen der Moslems" oder ein "dogmatisch-konservatives Religionsverständnis" genauso schlimm halten, dann steckt darin zugleich die Unterstellung, dass Muslime in ihrer Gesamtheit extremistisch sind. Und genau da fängt der Rassismus und die Islamfeindlichkeit an. Nicht Kritik ist islamfeindlich, sondern unterschwellige Unterstellungen.
22.11.16
15:23
Ute Fabel sagt:
@Moritz: Ich bin dem Islam feindlich eingestellt, genauso wie ich der Kommunistischen Partei in China oder auch der AfD und der FPÖ feindlich eingestellt bin. Na und? Damit übe ich doch mein Recht auf Meinungsfreiheit aus. Ich bin weder der Meinung, dass alle Muslime extremistisch sind, noch bin ich der Meinung, dass die derzeit in einer Größenordnung von etwa 20 % liegenden Anhänger der AfD in Ostdeutschland alles Neonazis sind. Wie Hamed Abdel Samad in seinem Buch "Der islamische Faschismus" darlegt, haben sich rechte islamische Bewegungen wie die Muslimbruderschaft nach dem ersten Weltkrieg aus den gleichen ideologischen Wurzeln wie europäische faschistische Kräfte entstanden. Deshalb halte ich es für unerlässlich diese Querverbindungen immer zu ziehen.
22.11.16
19:48
Manuel sagt:
@Moritz: Ich schlage Ihnen vor, Sie sich mal die so genannten islamischen Länder an, in denen eine mittellaterlich-islamische Gesellschaftordnung herrscht, werden dort Minderheitenrechte geachtet, werden dort Frauen nicht wie Menschen zweiter Klasse behandelt, wird da nicht eine sexuelle Unterdrückung (islamischer Jungfrauenwahn) durchgezogen, wird da nicht Andersgläubige oder Atheisten ein Rassismus entgegen gebracht, usw.. Das sind alles tiefrechte Einstellungen, wieso soll man den ständig den Islam als Ideologie ausklammern, nur weil ihm das Etiktett "heilig" anheftet. Außerdem hat die Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) von 2013 eindeutig die rechte und teilweise sogar rechtsextreme und rassistische Einstellung vieles Moslems in sechs europäischen Ländern, darunter auch Deutschland aufgezeigt, wieso sollten wir das alles ignorieren?
23.11.16
12:13