Konzeptpapier

SPD will Debatte über religiöse Vielfalt anstoßen

Die SPD will mit einem Konzeptpapier eine konstruktive Diskussion über religiöse und kulturelle Vielfalt in Deutschland anstoßen und damit Islamfeindlichkeit, Antisemitismus und Rechtsextremismus entgegenwirken.

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10
2016
SPD © Metropolico.org auf flickr, bearbeitet by IslamiQ

Die SPD will eine breite politische und gesellschaftliche Debatte darüber anstoßen, wie ein friedliches Miteinander verschiedener Religionen und Kulturen in Deutschland gelingen kann. Am Dienstag will sie dazu ein Konzeptpapier verabschieden, wie „religiöse und kulturelle Vielfalt im Einwanderungsland Deutschland gestaltet werden kann“. Leiter der Projektgruppe, die das Papier erarbeitete, ist der SPD Bundestagsabgeordnete Karamba Diaby. Beteiligt ist auch die religionspolitische Sprecherin der Fraktion Kerstin Griese. Ziel ist danach eine Charta für Demokratie und Vielfalt, die von einem breiten Bündnis aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften, Kirchen, Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften und der Zivilgesellschaft getragen wird.

In dem Papier heißt es unter anderem, Deutschland sei ein von Vielfalt geprägtes Einwanderungsland. „Kulturelle und religiöse Vielfalt sehen wir in erster Linie als Chance, in manchen Punkten ist sie auch eine Herausforderung. Nur Demokratie und Rechtsstaatlichkeit garantierten, dass sich eine vielfältige Gesellschaft wirklich entfalten könne. Leitbild sei das Grundgesetz. Zum Grundkonsens des Landes sollte es gehören, dass „wir Rechtsextremismus, Rassismus, Antisemitismus und Islamfeindlichkeit entschieden entgegentreten“.

Zwar sei Demokratie nie ungefährdet, derzeit gebe es neben Zusammenhalt aber auch „Tendenzen zur gesellschaftlichen Spaltung“.

Aufgabe bleibe die Integration, auch, weil sozial und politisch abgekoppelte Menschen leichter für fundamentalistische Ideologien zu gewinnen seien. Das Papier appelliert an Kirchen, Religionsgemeinschaften, Politik, Schulen und Medien das Wissen über die Weltreligionen und den interreligiösen Dialog zu fördern.

Konkret fordern die Politiker unter anderem die Einstellung von mehr Sozialpädagogen in Schulen. Mit ihrer Arbeit könnten sie Tendenzen zu einer Radikalisierung frühzeitig entgegenwirken. Zudem müssten De-Radikalisierungsangebote, die Ausstiegsarbeit und die zivilgesellschaftliche Präventionsarbeit gegen Extremismus, Antisemitismus, Islamophobie und Rechtsextremismus gestärkt werden. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Reinhard Worbs sagt:
Deutschland hat sich auf den Weg in eine liberale, offene Gesellschaft gemacht und entwickelt diesen Prozess jetzt seit 70 bzw.25 Jahren intensiv. Wir beziehen uns hierbei auf antike griechische Vorbilder und auf die Denker der Aufklärung und politischen Emanzipation. Die Migranten und Flüchtlinge kommen meist aus geschlossenen, religiös-fundamentalistischen Gesellschaften ohne demokratische und liberale Geschichte. Unsere Weltanschauungen teilen sich in zwei Drittel religiös gebundene und einem Drittel ungebundene Freidenker auf. Jahreszeitliche Feste und Rituale werden je nach Orientierung als Folklore , Familienfeier oder religiöse Zeremonie gefeiert. Die meisten Migranten und Flüchtlinge sind muslimischen Glaubens und kennen keine offenen, liberalen Gesellschaften.Ihr Weltbild ist autoritär und dogmatisch geprägt und in festen Geschlechterrollen verhaftet. Wir müssen uns unserer Stärken aber auch Schwächen bewusst sein und Liberalität und Demokratie offensiv und überzeugend vertreten. Wir freiheitlich emanzipatorisch orientierten Bürgerinnen und Bürger müssen uns nach innen gegen die Feinde von rechts und nach aussen gegen die Feinde fundamentalistischer Diktaturen mit allen friedlichen Mitteln verteidigen. Meine Erfahrung in der Betreuung von Flüchtlingen ist, dass unsere Gesellschaft eine große Faszination ausübt und wir mit diesen Neubürgern durch unser Beispiel gute Staatsbürger gewinnen werden. Unsere Ethik ist vernunftbasiert, an den Menschenrechten orientiert und dem Individuum verpflichtet. Unsere liberalen und demokratischen Überzeugungen treten Extremismus, Antisemitismus, Islamophobie und religiösem Fanatismus entschieden entgegen.
17.10.16
18:49
Ute Fabel sagt:
Keinesfalls sollten Religionen unter einen Glassturz gestellt und vor Kritik abgeschirmt werden. Zu den Grundrechten (Meinungsfreiheit, negative Religionsfreiheit) gehört auch eine Anspruch zur fundamentaler Religionskritik, ganz egal ob es sich um Scientology, die Zeugen Jehovas, den Katholizismus, Islam oder die jüdische Religion handelt. Maulkörbe dürfen da - vor allem nicht unter dem Deckmantel eines angeblichen Antirassismus - keine erlassen werden.
18.10.16
8:10
Rerun sagt:
"Unsere Ethik ist vernunftbasiert, an den Menschenrechten orientiert und dem Individuum verpflichtet. " Wäre es so, hätten wir niemals so etwas wie §1631d BGB erlassen können. Da haben wir in allen drei Punkten versagt und die Worte "Leitbild sei das Grundgesetz" sind leere Worte, wenn man sieht, wie sehr wir bereit sind, elementare Grundrechte unterzuordnen, wenn denn nur eine religiöse Begründung entgegensteht. Die geltenden Artikel der WRV ignorierend stellen wir die Religionsfreiheit, die grundgesetzlich eine Glaubens- und keine Handlungsfreiheit ist, über diese genannten Werte. Religiöse Vielfalt und religiöse Einfalt liegen eng beieinander, liebe SPD.
18.10.16
10:48
Manuel sagt:
Besonders beleuchtet sollte dabei auch der innerislamische Antisemitismus, Rassismus und die Homophobie werden!
18.10.16
11:49
Ute Fabel sagt:
@Reinhard Worbs: Ich habe seit einem Jahr ein gutes Dutzend Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan ehrenamtlich betreut und beim Deutschlernen unterstützt; drei Mädchen, sonst alle männlich; Alter zwischen 20-30 Jahre, alles Studenten von Technik, Informatik, Rechtswissenschaften über Pharmazie bis Architektur; davon einer strenggläubig muslimisch mit 5 x am Tag beten, aber gutmutig und feine Art; zwei davon erklärte Atheisten; die Übrigen trinken alle Alkohol und scheinen mir eher "Taufscheinsunniten" oder "Taufscheinaleviten" zu sein, d.h. religiös ziemlich desinteressiert. Ich finde es wichtig, dass Studenten aus Krisenregionen ihr Studium in Deutschland bzw. Österreich fortsetzen können. Das ist für mich ein wichtiger Beitrag zur Entwicklung offenere liberaler Gesellschaften in den Herkunfsländern, da diese Menschen ja alle verwandtschaftliche Verbindungen dorthin haben.
18.10.16
14:15
Holger Berger sagt:
Wenn in der Überschrift das Wort 'Islamfeindlichkeit' einerseits Feindlichkeit gegen den Islam - was auch immer mit Islam gemeint sein soll - und andererseits Feindlichkeit des Islam gegenüber anderen Weltanschauungen bezeichnet, dann kann ein sinnvoller und kritischer Diskurs der Vielfalt für mehr Toleranz und Akzeptanz klärend und aufklärerisch wirken. Jedoch ohne predigende Anführer und missionarische Wahrheitsverkünder & dominierende Dogmatiker-Autoritäten.
18.10.16
15:59