Bundeswehr

Katholische Kirche für islamische Militärseelsorge

Die katholische Kirche plädiert für eine islamische Militärseelsorge, nach dem Prinzip der christlichen Seelsorge, in der Bundeswehr.

01
09
2016
ResoluteSupportMedia © by 111003-N-LU859-205 auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Der katholische Militärgeneralvikar Reinhold Bartmann hat sich für eine islamische Militärseelsorge in der Bundeswehr ausgesprochen. „Das Recht auf freie und ungestörte Religionsausübung gilt selbstverständlich für die Angehörigen aller Religionsgemeinschaften“, erklärte Bartmann in einem Gastbeitrag für die Zeitschrift „Kompass“ des katholischen Militärbischofs.

Nach Schätzungen sind rund 1.500 Soldaten der Bundeswehr Muslime. Auf der Grundlage eines Auftrags des Bundestags-Verteidigungsausschusses gibt es Überlegungen zur Einführung einer muslimischen Militärseelsorge. In den deutschen Streitkräften engagieren sich bislang Seelsorger der beiden großen Kirchen.

Bartmann plädierte für die Einberufung eines Beirats für islamische Militärseelsorge. Ein solches Gremium aus Vertretern von Staat und muslimischen Religionsgemeinschaften könne Vorschläge für Arbeitsbereiche und Auswahlkriterien muslimischer Militärgeistlicher entwickeln. Mit Blick auf den islamischen Religionsunterricht hätten sich solche Gremien auf der Ebene der Bundesländer bereits bewährt und Lösungen in strittigen Fragen erarbeitet.

Erforderlich sei eine Form von Militärseelsorge, die islamischem Selbstverständnis nicht widerspreche und zugleich mit christlicher Militärseelsorge vergleichbar sei, so Bartmann. Er betonte zugleich, Militärseelsorge beschränke sich nicht auf Gottesdienste. Sie biete breit angelegte Lebenshilfe für die Soldaten und ihre Familien. Zudem fördere sie die ethische Bildung der Soldaten durch Lebenskundlichen Unterricht. (KNA/iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Man sollte die psychologische Betreuung beim Militär nicht den Religionsgemeinschaften überlassen. Die Menschen ohne religiöses Bekenntnis stellen mit gut einem Drittel mittlerweile die größte Bevölkerungsgruppe dar und haben sowohl die Protestanten als auch die Katholiken überholt. Davon muss man dann noch die große Zahl der "Taufscheinchristen" abziehen, wobei bei der migrantischen Bevölkerung mit islamischer Tradition das selbe Phänomen besteht. Es gibt sehr viele so genannte "nicht praktizierende Moslems". Es sollte unbedingt auch eine säkuläre Alternative zur religiösen "Seelsorge" angeboten werden. Es ist immer gut Wahlmöglichkeiten zu schaffen. Die weitere Förderung säkulärer oder religiöser psychologischer Betreuung sollte dann je nach Nachfrage erfolgen.
01.09.16
12:18
Wolf D. Ahmed Aries sagt:
Als muslimischer Reserveoffizier habe ich mehrfach über die geistliche Betreuung diskutieren dürfen. Auf Seiten der militärischen Führung begrüßte man den Wunsch. Die evangelischen und katholischen seelsorgerischen Kameraden bemühten und bemühen sich um die Muslime, wofür wir muslimischen Soldaten nur dankbar sein können. Es ist schwierig einem muslimischen Rekruten zu erklären, warum das Grundgesetz die Relgionsfreiheit etc. garantiert, aber den ihm dienenden Soldaten sie verweigert. In der Truppe scheint es meiner Beobachtung nach keine Schwierigkeiten zu geben. Ich selber habe meine Gebete ohne jede Nachfrage verrichten können. Nichtsdestotrotz, wir brauchen den Militärimam; allein schon um den Extremisten aller Couleur keine Argumentationen zu schenken.
02.09.16
8:57