Integrationsbeauftragte der Bundesregierung

Özoğuz warnt vor „Islamisierung“ sozialer Konflikte

Bei einem gemeinsamen Fastenbrechen mit Vertretern der Religionsgemeinschaften, mahnte Aydan Özoğuz zu mehr Weitsicht in sozialen Konflikten an. Muslime würden oft aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit stigmatisiert und ausgegrenzt werden.

30
06
2016
Aydan Özoğuz fordert Ausbildung der Imamen in Deutschland
Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration - Aydan Özoğuz © SPD / Dominik Butzmann, bearbeitet IslamiQ

Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz, hat davor gewarnt, alle sozialen Konflikte mit dem Islam erklären zu wollen. „Vom rechten Rand bis in Teile der Mitte der Gesellschaft hinein werden Integrationsprobleme regelrecht islamisiert, zum Beispiel wenn es um abgehängte Stadtteile, Bildungsverlierer, angebliche Parallelgesellschaften oder Gewalt in Flüchtlingsunterkünften geht“, sagte Özoğuz am Dienstagabend in Berlin. Wenn Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit stigmatisiert und ausgegrenzt würden, sei das nicht nur ein Verrat an deutschen Grundwerten, sondern auch „brandgefährlich für den inneren Zusammenhalt der Gesellschaft“.

Özoğuz und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatten Vertreter der Religionsgemeinschaften zum Fastenbrechen in die Villa Borsig eingeladen. Auch ein Vertreter der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) nahm daran teil. Die Ditib hatte Özoğuz Mitte Juni nach dem Völkermord-Votum des Bundestages von einem gemeinsamen Fastenbrechen in Hamburg ausgeladen.

In Anspielung auf das kürzlich verabschiedete Grundsatzprogramm der AfD erklärte die Integrationsbeauftragte: „Man behauptet ja auch, der Islam sei nicht Teil dieses Landes.“ Dass die Muslime nicht zu Deutschland gehörten, „das wagt dann doch fast keiner so zu sagen“, fügte sie hinzu. Auch die muslimische Bloggerin Kübra Gümüşay, die nach Özoğuz sprach, erwähnte den von der AfD formulierten Satz „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“. Sie sagte, die Muslime fragten sich: „Was, wenn die Antwort ´Nein´ lautet, was dann?“ (dpa, iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
In einer pluralistischen Gesellschaft ist es völlig legitim, Religionen oder nicht religiöse Weltanschauungen in Teilen oder auch ganz pauschal abzulehnen. Es gab und gibt in Deutschland auch viele Menschen, die der Linkspartei absolut negativ eingestellt sind - das ist zu akzeptieren. Die ständigen Bekundungen von öffentlichen Repräsentanten, wonach der Islam zu Deutschland gehöre, halte ich für ebenso unpassend, wie wenn uns Leute von Frau Özoguz bis zum Bundespräsidenten ständig bekunden würden, die Linkspartei gehöre jedenfalls zu Deutschland. Jede Gesinnungsgemeinschaft ist für die Imagepflege selbst verantwortlich - die Linkspartei genauso wie der Islam. Pauschale Heiligsprechungen sind unangebracht und bevormundend.
30.06.16
13:04
Maria sagt:
Aber gerade bei den Problemen, die Frau Özoğuz anspricht (Integrationsprobleme, problematische Stadtteile, Parallelgesellschaften und Gewalt in Flüchtlingsunterkünften), sind es doch Muslime. Wie kann da die Religion des Islam, der das gesamte Leben regelt und kontrolliert, keine Bedeutung haben.
30.06.16
13:39