Großbritannien

Muslimanfeindungen seit Brexit-Votum

Seit dem Brexit-Votum für einen EU-Austritt in Großbritannien, kommt es vermehrt zu Anfeindungen gegenüber Muslimen und Einwanderern.

28
06
2016
Union Jack Großbritannien Flagge © by blu-news.org auf flickr.com (CC BY 2.0), bearbeitet IslamiQ

Nach dem Brexit-Votum hat es dem britischen Muslimrat und der polnischen Botschaft in London zufolge zahlreiche Anfeindungen gegen Muslime und Einwanderer in Großbritannien gegeben. Dem Muslimrat lagen nach einer Mitteilung vom Montag Berichte über mehr als 100 Verbrechen aus rassistischen Motiven vor. Dazu gehörten etwa eine Demonstration vor einer Moschee in Birmingham und rassistische Graffiti an einer polnischen Einrichtung.

„Wir sind schockiert und zutiefst beunruhigt über die jüngsten Vorfälle fremdenfeindlicher Anfeindungen“, teilte Polens diplomatische Vertretung mit. Mehr als eine halbe Million Polen leben in Großbritannien. Viele kamen nach dem Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union (EU) im Jahr 2004. Der britische Muslimrat vertritt nach eigenen Angaben rund 2,7 Millionen Menschen.

Der scheidende Premierminister des Vereinigten Königreiches, David Cameron, sagte der britischen Nachrichtenagentur Press Association (PA) zufolge in einer Sondersitzung seines Kabinetts, die Regierung werde Intoleranz gegen Bürger anderer EU-Länder nicht tolerieren. Londons Bürgermeister Sadiq Khan sagte demnach, er habe die Polizei gebeten, „besonders wachsam“ zu sein.

Beim Brexit-Referendum am vergangenen Donnerstag hatten die Briten mehrheitlich für einen EU-Austritt ihres Landes gestimmt. Einwanderung, besonders aus der EU, war ein Hauptthema im Wahlkampf. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Maria sagt:
Sehe ich das richtig, aus muslimischer Sicht ist eine Demonstration ein Verbrechen aus rassistischen Motiven, wenn sie vor einer Moschee stattfindet. In Demokratien gibt es, anders als in muslimischen Ländern, jedoch ein Demonstrationsrecht.
28.06.16
12:16
Manuel sagt:
Gibt es nicht in London schon einige Viertel in denen die Scharia praktiziert wird, habe da mal irgendwo was gelesen, vielleicht weiß da wer was genauerers?
28.06.16
13:50
Sarah sagt:
Es ist klar was hier auf der Welt von den amerikanischen und europäischen Großmächten versucht wird. Ich bin mir sicher, dass das Ziel die Auslöschung der Muslime ist. Denn Trump wird in Amerika sehr wahrscheinlich gewinnen und in Europa ist die beste Chance Muslime auszurotten, da viele Flüchtlinge in Europa sich befinden. Es ist schade, das so zu verallgemeinern, da unter vielen Amerikanern und Europäern auch gute Menschen sich befinden. Christen und Juden. Es gab nie ein Problem mit den Religionen bis man einen Weg gefunden hat, um an Macht zu kommen, in dem man die Gesellschaft spaltet und das funktioniert hier, in England und Amerika hervorragend. Schade!
28.06.16
14:52
Mads sagt:
@Sarah: Tatsächlich hatten Muslime mit Christen und Juden dann kein Problem, wenn die sich dem Islam unterworfen haben. Wenn nicht, wurden sie getötet. Man schaue nur in Richtung Islamischer Staat. Die praktizieren genau das, was im Koran steht. Sie scheinen einen ähnlichen Unsinn zu denken, wie Anhänger von PEGIDA und AfD. Wie soll denn die Auslöschung aller Muslime gelingen? Wie kommen Sie darauf, dass das überhaupt irgend jemand vorhat? Da ist die Angst der Menschen vor einer Islamisierung Deutschlands schon realistischer. Zumindest der Versuch. Ob es gelingen wird, wird sich zeigen.
29.06.16
11:06
Johannes Disch sagt:
Wenn eine Kampagne so fremdenfeindlich betrieben weird wie die der "Brexiteers", dann muss man sich über Übergriffe nicht wundern. lg Johannes Disch
29.06.16
16:59
Manuel sagt:
@Johannes Disch: In GB ging es beim Brexit aber hauptsächlich um die Polen und nicht um die Muslimen.
01.07.16
17:54
Enail sagt:
Seit des Brexit haben sich Übergriffe auf Polen, Deutsche, ja auch auf Deutsche und Muslime ereignet. Was mich bei der Überschrift des Beitrags etwas irritiert ist der, dass hier eine Religion genannt wird, tatsächlich aber auch Menschen verschiedener Nationen betroffen waren. Ist Muslime eine Nation?
05.07.16
0:43
Johannes Disch sagt:
@Manuel Es gibt auch Übergriffe auf Polen, aber eben nicht nur. GB braucht die Zuwanderer, da die Jobs machen, die Briten schon lange nicht ,mehr machen wollen. Kein Pole hat einem Briten den Job weggenommen. In GB herrscht Rekordbeschäftigung. Aber diese rationalen Fakten gehen unter in einem Klima von Ressentiments, das die Brexit-Kampagne geschaffen hat. Was in GB herrscht, das ist soziale Ungleichheit. Diese ist aber nicht der EU zu verdanken, sondern der neoliberalen britischen Politik, die nun schon seit fast 40 Jahren gemacht wird, angefangen mit Maggie Thatcher 1979. Und auch "New Labour" hat unter Blair keine wesentlich andere Politik gemacht. Aber statt sich gegen die zu wenden, die es verursacht haben, suchen die Brexit-Befürworter den angeblich Schuldigen in noch Schwächeren (Flüchtlinge, Muslime, etc.). Ein Phänomen, dem man nicht nur in GB begegnet. Und die Populisten um Johnson und Farage zeigen mal wieder, dass sie nur gegen etwas sein können. Wenn es praktisch wird, dann scheuen sie die Verantwortung und treten zurück. Wobei sich Nigel Farage besonders bigott gibt: Seinen Sitz im EU-Parlament gibt er nicht auf. Er lässt sich seine privaten Hobbies wie Angelausflüge vom EU-Steuerzahler finanzieren. Macht ja nix. "Das Volk" spielt ja mit und fällt auf Blender wie Farage rein. Das britische Referendum war mal wieder ein blendendes Beispiel dafür, dass dieses Instrument für komplexe politische Fragen nix taugt. Wie sagte schon Churchill in einem sarkastischen Bonmot?? "Das beste Argument gegen die Demokratie ist ein fünfminütiges Gespräch mit dem durchschnittlichen Wähler."
05.07.16
14:22
Manuel sagt:
@Johannes Disch: Daran sind großteils die Sozialdemokraten Europas schuld, die alles verraten haben wofür sie einmal gestanden sind.
06.07.16
19:25
Johannes Disch sagt:
@Manuel Damit haben sie nicht ganz unrecht. Obwohl die neoliberale Politik im wesentlichen von konservativen Regierungen gemacht wurde und weiterhin gemacht wird. lg Johannes Disch
14.07.16
14:40